Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1885)
- Date
- 1885-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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26*5 Feuilleton. Zollamt Ketzer. (E i ii c w a 1) v e Gegeben bei t.) Milqclheill von Italha» .NeUer. H. Wir haben bereits berichtet, daß Moses der Pflegesohn des Scholem'schen Ehepaares war. Als Scholem seine Gattin heilngefnhrt batte, blieb die Ehe einige Jahre kinderlos. Ta starb in H. eine junge Frau, kurz nachdem sie einem klnäblein das Gebell gegeben. Einige Monate nachher verunglückte der Mann jener Frau bei einem Gange durch den Wald. Gin Gewittcrfturm hatte einen Baum gebrochen, der im Fallen den armen Hausircr erschlug. Der kleine Moses war nun beider Elter» beraubt, die ihm so gut wie nichts hinterlassen hatten. Erbarmungsvoll hatte sich das Scholem'schc Ehepaar des verwaisten Knaben angenommen und hielt ihn wie das eigne Kind, auch dann noch, als ihm einige Fahre später ein Töchterchen geboren wurde. Moses vergalt seinen Pflegeeltern all die Wohltyaten, die sie ihm erwiese», durch Liebe und Treue. Er war ein musterhafter Jüngling geworden; schön von Ansehen und Gestalt. Fn der Schule hatte er etwas Tüchtiges gelernt, iutb jekt war er schon seit einigen Fahren feinem Pflegevater eine Stäbe im Geschäfte. Herr Schalem war ein reicher, angesehener Mann. Er besaß ein ansehnliches Hans und zahlreiche Aecker und Felder, die er verpachtet hatte. Schon von seinen Eltern hatte er ein großes Vermögen ererbt, das durch die reiche Mitgift seiner Frau noch bedeutend vermehrt war worden. Seine große eiserne Geldkiste enthielt stets bedeutende Summen an Gold und Silber. Herr Scholem war sehr brav, sehr fromm und wvhlthätig, aber auch sehr stolz auf den ererbten und von ihm noch vermehrten Neichrhum. Der Liebling seines Herzens war seine einzige Tochter Perl. Mit ihr hatte er große Pläne vor. Sie sollte einmal einen reichen, vornehmen Mann, der in einer großen Stadt wohnte, heirathen. Tann wollte er sein Anwesen in H. verkaufen und nach der großen Stadt ziehen, um dort als Rentner den Abend seines Lebens zu getließen. Bon diesen Plänen hatte Perl keine Ahnung: sie liebte ihren Pstegebrnder Moses, und dieser tonnte sich kein größeres Glück denken als das, der Gatte seiner Pflegeschwester zu lverden. iyrmi Gütchen hatte das längst bemerkt. Sie sagte sich, daß es ihres Wissens in der ganzen Welt keinen bessere» Mann für ihre Tochter gäbe, als Moses. Aller» mit Angst und Fügen dächte sie daran, was ihr Gatte dazu sagen würde, wenn er den Stand der Verhältnisse erfahren möchte. Ter Winter war vornbergegangen, und der Sommer breitete seinen Segen ans über Feld und Flur. Da trat eines Tages Herr Scholem frendeftrahlend zu seiner Frau in's Zimmer, wo sie sich allein befand. „Denke Dir," sagte er, „welch ein Glück! Mein Freund Uffenheim ans L. schreibt mir, daß er für seinen einzigen Sohn auf nufere Tochter Perl restectire. Uffenheim ist ein Manu von mindestens zweimalhunderttausend Thalcrn, und seine Familie ist eine der geachtetstell in ganz Deutschland. Der junge Uffenheim wird nächste Woche hierherkommen, »m unsere Tochter kelinen zu lernen. Bereite sie vor, damit sie ihn freundlich empfange." Frau Gütchen stand im Begriffe, ihren Manu über die Gesinnung ihrer Tochter aufzuklären; allein sie fürchtete den Ausbruch seines Zornes und zog es vor, für's Erste noch zu schweigen. „Ich werde thun, wie Du befohlen," sagte sie*, allein, ich bitte Dich zu erwägen, daß Reichthnm allein nicht glücklich macht." „Natürlich," antwortete Scholem, „müssen die jungen Leute einander gefallen. Das ist die Hauptsache. Fch werde mein Ztiud nicht zlvingen, einen Mann zu nehmen, den sie llicht mag. Aber sie darf auch keinen wühlen, der mir nicht als Schwiegersohn behagen würde. — Warum soll sie den jungen ilffenheim nicht nehmen wollen? Rach Allem, tvas ich gehört habe, ist er ein schöner, feingebildeter junger Manu." Frau Gütchen schwieg; seufzend schritt sie zur Thnre hinaus. „Was mir die Frau haben mag," sprach Herr Scho.ein nachsinnend. „Perl wird doch nicht schon eine Wahl getroffen habeil V Fch wüßte nicht, wen. Hier im Stä.tchen ist Niemand, der für sie passen möchte, und anderswo ist sie noch nicht gewesen." Der junge Uffenheim war angekommen. Er kam und sah und — wurde besiegt. Perl war ein reizendes, junges Mädchen, das die beste Erziehung genossen; denn Herr Scholem halte keine kosten gescheut nlld hatte stets die besten Lehrer und Lehrerinnen für sein einziges Töchterchen gehalten. Allein, vergebens warb Herr Uffenheim um die Gunst der jungen Dame: sie war stets kalt und abstoßend gegen ihn. Er war jedoch der Mann nicht, der sich dadurch znrnckhalteu ließ. Rach acht