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Der Israelit · 1885-02-26 · Heft 16 (26.2.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 16 (26.2.1885)
Date
1885-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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erhalten bis au das (Smbe der Tage. (5s ist das eine große uub schwere Aitfgabe, die zahllose Opscr von iuto erheischt, um so schwerer. da imr_ vereinzelt unter den Völkern leben. Daher mns; die Abschlicßnng gegen die religiösen Einrichtungen der Nationen auf das Strengste gewahrt werden. Sie eulspriugt nicht irgendwelcher Abneigung gegen die Nationen, sondern einzig und allein dem Bestreben, die Lehre von dem einzigen Gotte rein zu erhalten. Die fünfte Anklage, dieHaman erhebt, ist von ganz besonderer Schwere. er« "pon w nw „Und nach den Gesehen des Königs thnn sie nicht." Rasch! erklärt: rmiy'? dc nrT? „sic verweigern deni Könige die schuldigen Steuern." Auch dieser Vorwurf erscheint ans den ersten Blick unverständlich. Wie? sollte ein so großer, mächtiger.Siouiß nicht die Macht haben, die schuldigen Steuern eiutreibcn zu lassen? Wenn heute jemand mit den Steuern im Rückstände bleibt, so lammt der Executor und treibt sic ein. So war es zu allen Zeiten, und wie sollte es den Juden im persischen Reiche in den Sinn gekommen sein, dem Könige die Stenern verweigern zu wollen? Im Rechtsstaate, in welchem wir leben, erscheint das ganz unbegreiflich, und in der That erinnern wir uns nicht, während der ganzen antisemitischen Ströninug einen derartigen Vorwurf gehört oder gelesen zu haben. Allein, gehen wir um hundert Jahre zurück, so wird uns die Sache verständlich werden. Wir wollen sie an einem Beispiele klar zu machen suchen. Bis zum Regierungsantritte Kaiser Ioseph's ll. war den Juden in Böhmen eine Vermögenssteuer im Betrage von fünfzehn Procent jährlich aufgelegt: man beachte wohl, nicht eine Gintoinmenstener, sondern eine Vermögenssteuer! Wenn diese Steuer wirtlich bezahlt worden wäre, so hätten alle böhmischen Inden nach wenigen Jahren ihr gesaminres bewegliches und unbewegliches Vermögen hergeben und vollständig verarmen müssen. Man zwang also förmlich die Inden, indem man solche unsinnige Gesetze gab, diese zu umgehen. Dann aber machte man ihnen einen Vorwurf aus dem, wozu man sie vorher gezwungen hatte. So war es säst überall und ähnlich mag es auch im persischen Reiche gewesen sein. Hainau hatte im Namen des Königs Verfügungen eiiaffen, welchen die Inden unmöglich Nachkommen konnten und ob deren Umgehung er sie jetzt anklagte. Die Sache hatte aber noch eine andere Seite. Wo int Buche Esther "pen, der König, ohne nähere Bezeichnung steht, bezieht sich das Wort nicht nur' auf den König Ahasver allein, sondern auch auf deu König der Könige, gepriesen sei Sein heiliger Name. So im 1. Verse des 6. Kapitels: -pen n:i? rrn: wnn n7^2 . „In jener stacht wich der Schlaf des Königs," das heißt, nicht allein der König Ahasver konnte in jener Nacht nicht schlafen, sondern es bewährte sich auch in jener Nacht, das; „nicht schlaft und nicht schlummert der Hüter Israels", der .Königs des Weltalls. - - So können wir auch hier die Worte Hamans deuten: „Und nach den Gesetzen des Königs des Weltalls thnn sic nicht." Tie Religion ist ihnen nur ein Vorwand, sich abzusondern und abzuschließen: sie verfolgen dabei ganz andere, materielle Zwecke. Das ist ein Vorwurf, der uns auch in der Gegenwart häufig gemacht wird. Die enragkrtesten Judenfeinde, die Stöcker mtd Genossen, richten ihre Angriffe zunächst gegen diejenigen Juden, welche vom Gesetze Gottes abgefallen sind. Sie beschuldigen sie der Religionslosigkeit, des Materialismus, und behaupten, das; sie den Völkern Sitten und Religion verderben. Auch diese Anklage müssen wir mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Es gibt wohl einige wenige Juden, in Bezug aus die sie berechtigt ist: allein ihre Anzahl ist verschwindend klein im Vergleiche mit der großen Masse der Gegner, welche den betreffenden Religionen ans ihrer eigenen Mitte erwachsen. Den Juden, selbst de» vom Gesetze abgefallcnen, liegt nichts ferner, als eine Schädigung fremder Religionen und Sitten. Mit dem sechsten Punkte der Anklage -pa'?' onsjrP nvj* „und dem Könige bringt es nichts ein, wenn er sie läßt," faßt Haman die ganze Anklage zusammen. Die Juden bringen in volkswirthschaftlicher Beziehung keinen Nutzen, nur Schaden; sie zahlen die ihnen auferlegten Steuern nicht: sic sind voll ttebcrmntl) und Neberhebung: sie konnten das eigene Ltaatswesen nicht erhalten und können auch einem andern nicht von Nutzen sein; sie sondern sich ab und bilden stets ein störendes Hindernis;, und dcßhalv mögen sie der Vernichtung preisgegeben werden. Deni obenausgesprochenen Grundsätze gemäß müssen wir auch hier daS Wort •po’?i auf de» König des Weltalls beziehen. „Sogar ihr Gott," spricht Haman gleichsam, „hat sie verworfen, das Ihm geweihte Heiligthum zerstören lassen und sie in die Berbanunug geschickt; ihr Dasein hat keinen Zweck mehr für Ihn." Das aber war ein großer Irrthnm, und durch ihn fand Haman seinen Untergang. Selbst wenn Israel gesündigt, so hat Gott uns dennoch nicht verworscit. Der Mordanschlag Hamans war es, der die sündige Menge zu Buße

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