Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 15 (23.2.1885)
- Date
- 1885-02-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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246 Messias bereits als gekommen betrachtete, wahrend erstcrcs denselben erst in Zukunft erwartete. Ans verschiedenen, bisher noch wenig gewürdigten, Notizen in den christlichen Grkcnntnißschriften suchte der Vortragende den Beweis zu erbringen, das; die Gssäcr bereits früher Sendboten überallhin schickten, um für ihre Lehre Propaganda zn machen, und nur dadurch, und durch die bereits besprochene Thätigkeit der alerandriuischcn Juden, ist die rasche Ausbreitung des neu austretcuden ^hristcuthums unter den Heiden zu erklären. Das .Hcidenthum war bereits in voller Zersetzung begriffen, die griechisch schreibenden Alexandriner hatten der heidnischen Welt, unter der Maske der alten griechischen Weisen, die erhabenen Gedanken des Judcntlnnns, seine hohe Sittlichkeit gepredigt und so den Boden für die neue Lehre empfänglich gemacht. Tiefe Erfolge und das in Folge derselben gehobene Selbstbewusstsein der alerandrinischen Juden erregten aber den Neid und den Haß der Judenfeinde, als deren Wortführer der von maßloser Eitelkeit aufgedunsene Apion war, den man bezeichnend „die Trompete seines eigenen Ruhmes" nannte. Dieser hetzte den verkommenen alcxandrinischen Pöbel, dem jede Gelegenheit zur Plünderung willkommen war, gegen die Inden, und die Folge davon waren jene entsetzlichen und martervolleu Verfolgungen, welche die Inden, unter der Negierung des verrückten Tnranncn Ealignla, zwei bange Jahre lang zn erdulden hatten. Diese Verfolgungen haben den Wohlstand Alexandriens vernichtet, seine Vlüthe geknickt, von deren traurigen Folgen sich Alcrandricn nie wieder erholt hat. Der Vortragende schilderte alle diese Vorgänge in farbenprächtiger Weise, so das; das Publikum, ganz hingerissen von dem Gehörten, am Schlüsse lebhaften Beifall spendete. Der Referent hätte damit seiner Pflicht genügt, den Lesern dieses geschätzten Blattes, eine kurze Skizze des Vortrages, so weit es eben der verfügbare Raum gestattet, gegeben zn haben, wenn er sich nicht gedrungen fühlte, einige Bemerkungen an denselben zn knüpfen. Wenn der Redner in dem Entwicklungsgänge der alexandrinischcn Inden, die Secnc Josef's mit seinen Brüdern sich wiederholen sieht, so wäre es auch angezeigt gewesen, darauf hinznwcisen, warum die Brüder Josef's, trotz dessen Erhöhung, denselben dennoch als Bruder anerkannten und warum die alerandrinischen Juden ihren palästinensischen Brüdern immer fremd geblieben sind. Und da gibt uns die heilige Schrift selbst den Schlüssel zur Lösung dieser Frage. Josef sagt zu seinen Brüdern in der Erkennnngssccne: „Sehet doch, ich bin Euer Bender irren '0 und da erklären unsere Weisen trnpn prir Gr sprach zu ihnen in ihrer Sprache und darum erkannten sie ihn als ihren Bruder. Die alerandrinischen Juden aber, hatten die Sprache ihrer Väter verlernt, die heilige Schrift mußte ihnen, um verständlich zu sein, in's Griechische übertragen werden, und darnut blieben sie ihren palästinensischen Brüdern fremd. Und diese Thatsachc war wohl geeignet Trauer in Palästina hcrvorznrufcn und den Tag, an dem ein großer Thcil des JndcnthnmS der gemeinsamen Sprache entfremdet wurde, als Fasttag einzusctzcn. Nnd wenn der Vortragende davon sprach, daß zur Zeit, als das Judcnthnm in Palästina zu altern anfing, dasselbe in Alexandrien zu neuer Blüthe, zn neuem Leben erwachte' so können wir dem entgegensetzen, daß dieses alternde Judenthnm, das einen Hillel, einen Rabbon Jochana» ben Sakkai, einen R. Akiba zum Repräsentanten hatte, noch bis auf den heutigen Tag ehrwürdig an Alter aber in Jngcndfrifche fortbesteht, während das alcxandrinifchc Judcnthum nur noch der Geschichte angehört. H. B oSnie ». Ans Bosnien. Wir lesen in der „Bosn. Post": Gr war ein armer Kerl nnd sie besaß keinen Kreuzer mehr in; Vermögen als er, aber die Beiden liebten einander nnd wollten sich hcirathen. Am l l. d. At., 6 Uhr Früh, sollte im Tempel der österr.-ung. israelitischen K nltusgemeinde die Trauung vom Rabbiner Bnchwald unter Beisein des Rabbiner Finzi der spanischen Gemeinde und zahlreicherHochzcitsgästc, welche der Bräutigam in aller Eile znsammengebracht hatte, vorgcnommen werden. Das Brautpaar war bereits da, die Gäste versammelt nnd die Gercmonie hatte begonnen, da, o Mißgeschick, fehlte der Trauring; der Bräutigam hatte ganz darauf vergessen nnd bei seiner Armuth wäre es ihm auch schwer möglich gewesen, sich einen zu verschaffen. Einer sah den Anderen verlegen an, nnd die ganze Trauung war nahe daran, anfgeschobcn zu werden, da zog ein Herr, der in der Nähe deS Altäre« stand, einer momentanen Eingebung folgend, einen seiner eigenen Ringe vom Finger, schenkte ihn dem Bräutigam und die Eeremonie konnte nunmehr ungehindert von Statten gehen. Das Brautpaar war ein Zaptich der dortigen (Serajewoer) Sicherheitswache und ein armes Judenmädchcu, der Herr in der Nähe des Altares aber der Regierungskommissär Kosta Hörmann. Rach der Trauung! begab sich die ganze Gesellschaft zu einem solennen >