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Der Israelit · 1885-02-23 · Heft 15 (23.2.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 15 (23.2.1885)
Date
1885-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Gcsammtjahl unserer Zöglinge von 697 aus 785 erhöht hat, das; im verflossenen Jahre 27«! Knaben - gegen 250 im Jahre ins:; — neu ausgenommen, UN — gegen 84 — zu Gesellen freigesprochcn wurden, und daß wir am Schluffe bc* Jahres einen Stand von 586 Zöglingen — gegen 5)09 Ende iss:i — und 224 Ende 1874 verzeichnen. Doch so erhebend cs auch ist und so stolz wir auch darauf znrückblickcn können, das; wir bei 785, mindern wahrhaft Vaterstelle vertreten und ihnen den Weg gewiesen haben, auf dem sie in Kurzem zu einem ehrlichen und rechtschaffenen Erwerbe gelangen, das; wir 10 l unserer Zöglinge zu tüchtigen Handwerksgesellen herangebildet und mit den Mitteln zu einer freien unabhängigen Existenz ausgerüstet, freigesprochcn haben — so traurig, wenn auch erklärlich ist die Dhatsache, das; selbst unsere erhöhten Einnahmen von ö. W. fl. 10,536.0:; diesen Anforderungen nicht gerecht werden konnten und unser Jahresabschluß einen Ausfall von ö. W. fl. 1482.49 aufweist. Es ist das eine Ziffer, die unseren mühsam gesammelten Ncservcfond, der noch im Jahre 1878 ö. W. fl.6498 betrug, auf fl. 2208.44 hcrabdrückt und die uns als unabänderliche Wirklichkeit zwingt, dem Vereine auf jcd' mögliche Weise neue Einnahmcqncllcn zu eröffnen oder — ohne Rücksicht auf die uns dabei ergreifende Wehmnth — arme, oft verwaiste, ans Nah' und weiter Ferne, unter Entbehrungen und Mühschligkciten aller Art hierher gewanderte Knaben abznweiscn, um nicht den Bestand unseres Vereins selbst zu gefährden! Unser Verein steht nicht allein dem Knaben bei, in den er den ersten Keim zu dem künftigen Handwerker legt, er bringt auch Gesellen und Meistern thatkräftigc Unterstützung und erhält gar viele, die der Mangel an Betriebskapital au ihrem Fortkommen hemmt, ihrem Berufe. Ja, man folge uns in die Werkstätten unserer früheren Zöglinge, man blicke hin auf die Stellungen, die sic sich durch ihrer Hände Arbeit errungen und wir sind überzeugt, kein Menschenfreund, geschweige ein Glaubensgenosse wird anstchcn, unsere Bestrebungen zu unterstützen und durch eigene Beihilfe unseren, heute mehr als je nothwendigcn Verein vor der traurigen aber unvermeidlichen Dhatsache zu bewahren, aus Mangel an materiellen Mitteln seine Aufgabe rcstringircn und Knaben, die Lust und Liebe zum Handwerke zu uns führt, von seiner Dhüre abweisen zu müssen. Prag, 15. Febr. Herr Dr. Fricdländcr aus Wien hielt gestern Abend im hiesigen Asike-Jchnda- Verein einen Vortrag über: „Die geistige Bewegung der alexandrinischen Juden in den drei vorchristlichen Jahrhunderten." Der formgewandte Redner leitete sein Thema mit einer Parallele ein, in welcher er nachwieS, das; die biblische Erzählung, von der Vcrkaufnng Josefs nach Egypten, seiner dortigen Erhöhung, tznrch die Errettung des Staates vom Untergänge und der Erkcnnungssccnc zwischen den Brüdern und der nachherigcn blutigen Verfolgung, in dem EntwickelungSgange der Inden in Alexandrien ihre Wiederholung fand. Die jüdische); Ansiedler, die der große Mazedonier nach Alexandrien brachte und den übrigen Einwohnern gleichstcllte, bethciligten sich an dem Eulturlcbcn und an der wissenschaftlichen Dhätigkeit, die in dieser Stadt, dem Athen der damaligen Zeit, herrschte und die Blüthe Alexandriens und sein Aufschwung ist ihnen zu verdanken. Sie hatten sich vollgcsogcu an den Brüsten griechischer Weisheit und Denkweise und blieben dennoch dem Judcnthnm innig zngcthan; denn ihnen redeten Pythagoras und Plato die Sprache der Bibel und Propheten, deren vermeintliche Schüler sic waren, und auch der Sänger von Ehios hatte das Buch der Bücher sich zum Vorbild genommen. Aber wenn sie auch noch so sehr die Inden in Palästina als ihre Brüder anerkannten, von diesen wurden sie nicht wieder erkannt. Der palästinensische Jude konnte in dem alexandrinischen StammeSgcnoffen, der von griechischer Bildung dnrchtränkt war, seinen Bruder nicht erkennen. Während man in Palästina den Dag, an dem die Bibel ins Griechische übersetzt wurde, dem Tage der Verfertigung dcS goldenen Kalbes glcichsetzte und ihn zum Fasttage cinsctztc, jubelte man in Alexandrien über diese Darstellung der jüdischen Gcistesschätzc in hellenischem Gewände und machte den Dag zu einem Freudenfeste für spätere Geschlechter. Diese Uebersctznng der Bibel ins Griechische war die erste Botschaft des JudenthumS an die Heiden, der eine ganze Flnth von Erzeugnissen seitens der alcxandrinischen Inden folgte, die alle die Richtigkeit und Verworfenheit der Heiden und die Vortrefflichkeit des jüdischen Gesetzes zu ihrem Inhalte hatten. So die jüdische Sybille und das phoknlidcischc Lied. Drei Momente waren cs, welche immer und immer wieder von diesen Wortführern des Jndenthnms der Hcidenwelt gegenüber hcrvorgchobcn wurden, der jüdische Monotheismus, die jüdische Ethik und die Erwartung eines Messias. Und da suchte der Vortragende nachznwciscn, das; das alexandrinische Judenthum , oder das Effencrthum, welches seinen Hauptsitz in Alexandrien hatte, sich nur dadurch vom Urchristenthnm unterschied, daß dieses de»

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