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Der Israelit · 1885-02-23 · Heft 15 (23.2.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 15 (23.2.1885)
Date
1885-02-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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247 frühstück, welches von der als Brautmutter snngircnden Frau Steiner, einer Frau, die keineswegs mit irdischen Gütern allzureichlich gesegnet ist, gespendet wurde. Dort leitete der Kultus - Vorstand, Gemeinderath Heinrich Löwy, unter den Anwesenden eine Sammlung ein, die eine Summe von nahezu lütt Gnldeu ergab, welche dem überraschten und überglücklichen Brautpaare zur Einrichtung ihres neuen Hausstandes übergeben wurde. Zoliaim Jeher. (Eine wahre B e g e b e n h e i t.) Mitgetheili von Nathan Keller. I. In dem Städtchen H., unweit Köln, aber am rechten Ufer des Rheines, war der Sabbat-Morgen- Gottesdienst beendet und die Audächtigten eilten nach Hanse. Es war im Januar, und eine strenge Kälte herrschte. Da es in der Synagoge keine Hcizvorrichtnug gab — unsere Geschichte spielt im Anfänge des gegenwärtigen Jahrhunderts, und anno dazumal waren die Leute noch nicht so verweichlicht, wie jetzt — so fmm mau sich leicht vorstellen, das; sich Alles beeilte, die warmen Stuben anfzusuchen und das köstliche Sabbatmahl einzunehmen. Auch Schalem, der reichste Mann des Städtchens, eilte mit seinem Pflegesohne Moses dem stattlichen Hause zn, das sein Eigenthum war. Im Hausgange fties; er auf einen halbverfrorenen Bettler, eine wahre Jammergestalt, dem einige zersetzte Lumpen kaum die Blöße bedeckten. „Ach, Herr," flehte der alte Mann, „gebt mir ein Almosen. Ich habe heute noch nichts gegessen und es ist so höllisch kalt!" „Armer Mann," sagte Herr Scholem mitleidig. „Geld kann ich Euch heute nicht geben, denn es ist Sabbat. Aber kommt mit in die warme Stube und wärmt Euch, und dann wird es auch etwas zu essen für Euch geben." Er trat in die Stube, gefolgt von seinem Pslegesohne und dem Bettler. „Gut Schabbes, Gütchen, gut Schabbes, Perl," mit diesen Worten begrüßte er Frau und Tochter. „Ich habe Euch einen Aurach mitgebracht!" „Verzeihen Sie," sagte der Bettler schüchtern, „Ich bin kein Jude, lieber Herr!" „Ich weiß," cntgegncte Scholem, „aber das macht nichts. Setzt Euch an den Ofen und wärmt Euch. Unterdes; will ich Kiddnsch machen, und dann wird das Essen aufgetragen!" Im Hintergründe der großen Stube stand ein mächtiger Kachelofen, der eine behagliche Wärme verbreitete. Die Einrichtung der Stube war eine sehr einfache, den Sitten und Gewohnheiten der damaligen Zeit entsprechend. In der Mitte stand ein großer Tisch, der heute zn Ehren des Sabbats mit einem schneeweißen Tischtuch bedeckt war. Stühle aus Eichenholz standen um denselben herum. Nur für den Hausherrn war ein mit schwarzem Leder ausgeschlagener Lehnsessel hingestellt. Auf seinem Platze lagen die zwei Sabbatbrode, von einer weißen Serviette bedeckt. Der Bettler hatte sich am Ofen niedergelassen. Frau Gütchen reichte ihm ein mit Branntewein gefülltes Glas. „Ta, trinkt," sprach sie, „das wärmt von Innen heraus." Unterdes; hatte der Hausherr Kiddnsch gemacht und die Sabbatbrode angeschnitten. Auch Frau und Sohn und Tochter wuschen sich die Hände und nahmen am Tische Platz. Der Bettler weigerte sich anfangs, sich an den Tisch zu setzen; doch gab er den freundlichen Bitten der Hausfrau nach. Das Dienstmädchen brachte eine dampfende Schüssel herein, es waren Bohnen, gesetzte Bohnen. Sollte ein nichtjüdischer Leser dieser Zeilen ansichtig werden, so mag er wohl über den Ausdruck „gesetzte" Bohnen staunen. Wir Inden dürfen am Sabbat nicht kochen; daher werden die Speisen schon Freitags in den Sabbatofen „gesetzt." Es war eine Freude, zu sehen, mit welchem Appetit der ausgehungerte Bettler die Bohnen verschlang. In wenigen Minuten tvar sein Teller leer. Und nun kam die Kugel, die Sabbatkugel. Bor einem halben Jahrhundert etwa hat ein Hamburger Dichter die Sabbatkugel besungen. „Das Lied vnu die Kuggel" ist eine Parodie auf Schillers Glocke. —Zestgcmauert an dem Heerd is Unser Ubenche so roer, Scholet - t5sse«, daö was werth is. -oll drin turnen morgen go£r."

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