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Der Israelit · 1885-02-23 · Heft 15 (23.2.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 15 (23.2.1885)
Date
1885-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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thümcr criiuirOcu, so ruft man ans, das; die Bcsiegteu mm die Besieger seien. Invenai verhöhnt alle heiligen Gebräuche der Inden und Persins schleicht am Freitag Abend durch die Gassen der Inden, und wem er, dnrch's Fenster blickend, de» Vater sieht, der segnend die Hände ans den Kopf seines Kindes legt und mit dem Wcihcgebet die Mahlzeit erössncte, gießt er seinen Spott über die thörichten Inden ans. Wie in der Literatur, so auch im Verkehr und besonders ans dem Theater wird der Jude lächerlich zn machen gesucht, wovon Redner ein drastisches Beispiel ans dein Anfang von Midrach Echah anführt. Die Feindseligkeit der Schriftsteller wurde besonders genährt durch die vielen Ucbertrittc zum Juden-. thum,dic damals selbst innerhalb der höchsten römischen Kreise nnd namentlich bei der Frauenwelt vorkamen. So wird unter vielen Anderen ein Vetter des Kaisers Titus als Proselyt genannt; auch Poppäa, die Gemahlin des Kaisers Nero, ließ sich wenigstens als Jüdin bestatten. Es blieb auch nicht bei der literarischen Kritik, sondern bald wurden Neprcssiv- Maßrcgeln gegen die Inden hcrvorgcrnfcn. Die erste Judenverfolgung fand unter Tiberins, 19 n. d. gew. Zeitrechnung statt. Als Fnlvia, eine vornehme Römerin, zum Indenthnm übertrat nnd dann ein Betrüger, bei dem sie das jüdische Gesetz gelernt hatte, ihr eine Summe Geldes auslockte, nm cs angeblich dem Tempelschatz zu übergeben, wußte Scjanns,der Günstling des Kaisers, diesen zu bestimmen, alle Inden dafür zu bestrafen. -1000 wurden nach Sardinien geschickt, nm dort zu kämpfen, nnd alle übrigen sollten die Stadt verlassen, l l Jahre später würde dieser Beschluß jedoch aufgehoben, nnd sie durften wieder alle zurückkehren. Ob Ealignla auch von den römischen Juden, wie von dcn Alcxandrinischeu, verlangte, daß sie sein Bild in den Synagogen aufstellen nnd anbeten sollten, wissen wir nicht. Claudius war zuerst ein Judenfreund und begann seine Negierung mit einem Toleranzedikt, in dem er erklärte, die von. seinem Vorgänger geschlagenen Wunden heilen zu wollen, er ließ sich aber doch später in Folge von kontroversen nnd Reibereien, die zwischen Heiden nnd Christen entstanden nnd in die auch Inden verwickelt waren, bestimmen, einen Theil derselben zu vertreiben. Bei den Ehristenverfolgungen unter Nero hatten auch die Inden mitznlciden; unterschieden sich ja in der ersten Zeit dieselben in ihrer Lebensweise wenig von einander. Eine schmerzvolle Zeit kam für die Inden Roms nach der Zerstörung des Tempels; sie mußten ja all' die Qnalen mitansehen, die ihre gefangenen Brüder zu erdulden hatten. Die Freigelassenen überfüllten die Indenqnartierc, und die Inden Roms sanken commerziell immer tiefer. Auch unter der Schreckensherrschaft des Domitian, der einmal alle Philosophen vertrieb, weil so viele Proselytcn unter ihnen waren, mußten sie vieles leiden. Tics, so ungefähr schloß Redner seinen höchst interessanten Vortrag, sind nur zwei Jahrhunderte der Geschichte der römischen Indens seitdem aber sind 2 Jahrtausende verflossen. In Stailb zerfallen ist die römische Republik, nach ihr das römische Kaiserreich nnd das darauf folgende Kaiserreichs der Franken. Auch die fürstliche Macht der Päpste ist gebrochen. Roch immer aber beten die Inden Roms in denselben Gassen, wie vor Jahrtausenden; eines nur hat sich geändert, die Thorc des Ghetto sind gefallen, und auch den armen Bewohnern desselben leuchtet heute die Sonne der Humanität. Vom Niederrhcin, im Febr. Von Dinslaken versendet das Waisenhaus-Comite an die Zeichner znm Waisenhaus eine Einladung zu der am S. März d. I. daselbst stattfindenden Generalversammlung. Die Tagesordnung umfaßte: 1. Berichterstattung; 2. Wahl des Cnratorinms; 9. Berathnng der Grundznge der Statuten. Wie verlautet, soll die Eröffnung anfangs Mai d. I. n"'"K geschehen. Wenn mm auch ein glücklicher Erfolg die bisherigen Bemühungen nm das Zustandekommen der segensreichen Anstalt gekrönt hat, so wäre doch zu wünschen, das; die Zahl der Gönner sich noch recht reichlich vermehren möge; nnd so wäre beim bevorstehenden Pnrimfeste die schönste Gelegenheit geboten, die heilige Pflicht rvano □'rzVo ui ihrer wahren Bedeutung erfüllen zn können; denn wer verdiente von allen llnglücklichen wohl mehr das Wohlwollen nnd die liebevolle Theilnahmc aller Edlen, als die von Vater nnd Mutter verlassenen Waisen? — Spenden nnd Zeichnungen würden am besten an den Vorstand der isr. Gemeinde oder an den Schriftführer, Herrn Lehrer Wormser in Dinslaken 311 richten sein. Oester r. - Unga r. M 0 uarchte. Wien. Dem zweiundvicrzigsten Jahresbericht des Vereines znr Beförderung der Handwerke unter den Israeliten entnehmen wir: Wenn wir in unserem letzten Jahresberichte erhöhte Zöglingszahl, erhöhte Ausgaben nnd in Folge dessen erhöhtes Deficit als Schlagwortc des Jahres 1883 bezeichnet haben, so sind cs dieselben Worte, die auch das verflossene Jahr kennzeichnen, die aber heute eine weit höhere, ja eine vitale Bedeutung erlangt haben. Es genügt, darauf hinznwcisen, daß sich die

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