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Der Israelit · 1885-02-23 · Heft 15 (23.2.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 15 (23.2.1885)
Date
1885-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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243 Römern ein Bündnis; gegen DemctriuS vonLnrien «u schlichen; ebenso schickte später Jonathan und auch Simon, der Fürst, Gesandte dorthin, und im Fahre 133 erhielt Letzterer den .gefährlichen Titel eines Bundesgenossen der Römer, so Jahre nach dieser Zeit müssen in Rom schon Juden in grosser Anzahl gelebt haben, denn, als im Fahre 39 der Statthalter Flaccns angcklagt wurde, weil er 200 Psnnd Gold, die er in Assen an jüdischen Stenern erhoben, unterschlagen hatte, rief (5iccro dem Ankläger zu, er solle leiser sprechen, denn der grosse Thcil der Zuhörer seien nicht Römer, sondern Fuvcn. Während des Bürgerkrieges, der zur Zeit des Pompejus in Fndäa herrschte, wurden durch diesen viele Fndcn als Sklaven nach Rom gebracht. Wegen der Standhaftigkeit, mit der diese Sklaven an ihrer Religion fcsthicltcn, indem sic am Sabbat nicht arbeiten wollten, an den Festtagen ruhten, die Speisen ihrer Herren nicht asten, nmstten sie viele Marter erdulden. Aber die Römer lernten auch den besonderen Werth solcher Sklaven schätzen, und viele wurden srcigelasscu. Solche Frcigclapcne bildeten den grössten Thcil der ältesten jüdischen Gemeinde RomS. Tie erste Stätte ihrer Niederlassung war das rechte Tibernfer, wo sich auch die ältestc'Shnagoge befand, die schon vor der Tcmpelzcrftörnug erbant worden sein soll. Zur Zeit des Eäsar und Angnstus waren schon mehr als 40,000 Juden in Rom. Tic Selbständigkeit und freie Stellung, welche sic dort besasseu, verdanken sic in erster Linie den ihnen von Julius Cäsar gewährten Privilegien, der ihr Protektor und Freund war, aber nicht, wie ein Schriftsteller sagt, desshalb, weil er sie als ein geeignetes Fermem zur Verbreitung des Eosmopolitismus und als Dccompositionsmittcl betrachtete, sondern vorzüglich ans Bewunderung für ihre Religion und die hohe in derselben ausgesprochene Sittlichkeit, theilweisc auch aus Dankbarkeit für die Hilfe, die ihm die Inden von Alexandrien geleistet hatten. Er gewährte ihnen unbedingte Religionsfreiheit und erkannte sic ausdrücklich als gesetzliche Gcnostcnschaft an, was keiner anderen Bereinigung gewährt wurde, er schützte sic bei der Beobachtung des Sabbat und der Festtage mid erlaubte ihnen, den halben ischckcl nach Jerusalem zu senden. Desshalb dauerten sie auch bei seiner Ermordung und weinten ganze Tage und Nächte bei seinem Scheiterhaufen. Auch Angnstus zeigte ihnen das gleiche Wohlwollen und erweiterte noch ihre Privilegien. Er verordncte, dass sie nicht allein am Sabbat, sondern auch am Freitag von 3 Uhr an nicht vor Gericht geladen werden könnten. An den monatlichen Getrcidevertheiluugen sollten die Juden auch Thcil nehmen, und wenn die Bcrtheilnng ans einen Sabbat siel, sollten sie am folgenden Tage ihren Antheil erhalten. Ter Kaiser schickte für sich und seine Familie Spenden für den Tempel, so dass täglich dafür zwei Opfer gebracht werden konnten. Als nach dem Tode des HcrodeS eine Deputation ans Judäa nach Rom kam, um über das grausame Regiment deS Jdnmäerkönigs Klage zu führen, schlossen sich sooo Juden Roms der Deputation an. und sic bewirkte einen kheilweifcn Erfolg. Jüdische Jünglinge standen in inniger Freundschaft mit 'den kaiserlichen Prinzen. Livia, die Gemahlin des AugustnS, hatte eine jüdische Sklavin, die grossen Einfluss auf sic besäst, und der Schwiegersohn des Kaisers, der Gemahl der Julia, vcranlasste in Folge seiner Freundschaft mit hervorragenden Inden verschiedene Reskripte zu ihren Gunsten. Die Inden Roms bildeten im Gegensätze zu denen Alexandriens nicht eine einizigc Körperschaft, sondern viele Gemeinden, von denen uns neun noch mit Namen bekannt sind. Jede einzelne hatte ihre besonderen Beamten, den Borsicher, noiirn u*tn und den Diener ncsin ]tn, auch Shnagogenväter undmüttcr, was jedoch nur Ehrentitel waren. Die Vorsteher verwalteten nicht allein die Gemeinde, sondern übten auch die Jurisdiktion aus. Dass das Gcsctzcsstndinm gepflegt wurde, dafür zeugen uns schon einige Namen von Gelehrten, wie der im Talmud vorkommendc Arzt Todros isch Romi und Rabbi Massjah den Eherrsch. Auch die Grabinschriften geben uns in dieser Beziehung Aufschluss, denn oft wird aus ihnen die Gelehrsamkeit eines Verstorbenen hcrvorgchoben; so wird n. A. ein zwölfjähriger Knabe, der ein GesetzeSkenner zu werden versprach, betrauert. Man hat bis heute fünf speeiell jüdische Bcgräbnissplätze (Katakomben) aufgefunden, einen erst vor wenigen Monaten. Die Inschriften sind merkwürdigerweise meistens nicht hebräisch, sondern griechisch und lateinisch und enthalten nur manchmal am Schluss einige jüdische Worte. Redner charaktcrissrtc nun an der Hand von treffenden Eitaten den den Juden feindseligen und unheilbringenden Geist, der sich in den römischen Schriftstellern jener Zeiten kundgibt. Der eine spottete über den armen Juden, der schwer seufzt unter der Last seines Tragkorbes, während er an dem Tiber umhcrgcht und Schwefclfaden feilbietet, den er für Glas cingehaudclt hat. Der andere rechnet cs den Inden als Majcstätsvcrbrcchcn an, dass sic den Großhandel und den Geldmarkt beherrschen, und wenn die reichen Römer ihr Vermögen vcrschlvclgcn und Schulden machen, während Juden durch ehrlichen Fleiß und Sparsamkeit sich Reich-

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