Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 15 (23.2.1885)
- Date
- 1885-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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242 "inec „zerstreut." Auch daraus wird uns ein Vorwurf gemacht. Mau sagt, die Juden habe» cs nicht verstanden, ihr Staatswescn zu erhalten und ihm Dauer zu verleihen. In Folge dessen haben sie sich unter die Völker zerstreuen muffen, und trotzdem wollen sie ihre Besonderheiten und Stammeseigenthümlichkeiten aufrecht erhalten. Auch dieser Vorwurf ist durchaus unbegründet. Was lvir erhalten wollen, das ist unsere heilige Religion, die nicht nur uns, sondern der ganzen Menschheit zum Segen gereicht, wie Gott es schon unserem Vater Abraham verheißen: „Und es sollen gesegnet sein durch Dich alle Geschlechter der Erde." “mcci. Gelveh'.'l'ch wird dieses Wort mit „getrennt, zersprengt" übersetzt. Ein alter Rabbi hat jedoch vor etwa löoo Jahren dasselbe in eigenkhümlichcr Weise erklärt. Er bringt cs mit in. Maulthier in Verbindung. •.mciNn z'2 -p i* rmor Wie das Maulthicr zweien verschiedenen Thiergattnngcn angehört, ebenso, behaupten die Judenfeinde, könne der Israelit niemals ganz und voll dem Lande angehören, in welchem er wohnt. Auch dieser Vorwurf ist durchaus unbegründet. Ilnsere heilige Religion verpflichtet uns, gute Staatsbürger zu sein, und die Erfahrung lehrt, das; wir in der Liebe zum Vaterlande keinem andern Volksstamme nachstehen. Das Manlthier hat noch eine andere Eigenthümlichkeit: es ist nicht productiv. ,p'.tc riiriy " “.Tier : r -iN'n ^2 Es ist das ein Vorwurf, den wir am häufigsten hören müsse». Man beschuldigt die Juden, das; sie au der productiven Arbeit nicht theilnehmen. Auch diese Beschuldigung ist vollständig unwahr. Man hat in Deutschland und andern Ländern die Juden Jahrhunderte laug vom Ackerbane und den Handwerken ausgeschlossen. Der Ackerbau war die Grundlage unseres Staalsweseus im heiligen Lande; der Ackerbau war die Hauptbeschäftigung der Juden in den ersten Jahrhunderten der Diaspora. Erst, als man ihnen nicht mehr gestattete, den Boden zu beluiiicii, erst, als man sie zwang, dem Handel obzu-!iegen, wurden die Zustände geschaffen, die man uns ieht zllin Vorwürfe macht. Wie gern möchten noch heute Millionen unserer Stammesgenoffeu den Boden bebauen, wenn sie dazu die Gelegenheit fänden! Aber auch abgesehen hiervon ist es nur ein Attsflns; der Beschränktheit, wenn man den Handel als unproduktiv bezeichnet. Nicht allein der sogenallnte legale Handel, Export und Import, sondern auch der in unseren Lagen so vielfach geschmähte Zwischenhandel ist für die menschliche Gesellschaft ganz unentbehrlich. Was würde daraus werden, wenn man diese Art des Verkehrs beseitigen wolltet Alle Producte des Ackerbaues und der Industrie würden wcrthlos werden, die gesammte Eultur würde der Beruichtung entgegen gehen, blühende Städte würden veröden und das Volk würde verarmen. Was nühen die Erzengniste des Bodens, was nützen die Erzeugnisse der Industrie, wenn sich keine Uänfer dafür finden? Wie schwierig und unbeholfen würde der Verkehr sich gestalten, wenn es keine Zwischenhändler gäbe! Zur Hebung des Wohlstandes eines Volkes ist der Handclsstand unentbehrlich, und der Kaufmann trägt reichlich so viel zum Wohle des Vaterlandes bei wie der Handwerker und der Bauer. (Schluß folgt.) Zeitnrrgsttachrichten und Correspo»den.;en. D e u t s ch l a n d. Mainz, 20. Febr. Herr Rabbiner Lauphcimer zu Butten Hausen theilt uns in Bezug 'auf den von Buttenhausen datirten Artikel in Nr. 12 mit, das; der erwähnte Artikel hinsichtlich seiner Person mannigfache llnrichtigkeiten enthalte. Herr Rabbiner Lanpheimer habe während seiner Amtsführung weder irgend Jemandem Autorisation zum Schlachten enheilt, noch irgend einem Metzger das Schlachten erlaubt, der nicht eine rituelle Haushaltung führt: im Gcgeurheile sei derselbe immer und überall bestrebt, das durch seinen Vorgänger gesunkene religiöse Bewusstsein zu heben und zn stärken. — Auch Herr Sigmund Franke, der neuerwähltc Mrchenvorstand, verwahrt sich gegen die Bezeichnungen als „Neologe und Sabbatentweiher." Wir freuen uns, aus diesen beiden Zuschristeu zu entnehmen, das; die jüdisch-religiösen Zustände in Bnttenhanscn nicht so schlinim sind, wie der Herr Eorrespondent in Nr. 12 sie geschildert hat. — Frankfurt a. M., 18. Febr. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Dienstag Abend Herr Dr. H. Hildesheimer aus Berlin einen Vortrag über die Juden im alten Rom. Die ersten Juden sind wahrscheinlich in der Makkabäerzeit, etwa um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. d. gew. Zeitrechnung, nach Rom gekommen. Inda, der Makkabäer, schickte nämlich eine Gesandtschaft nach Rom, um mit den