Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1885)
- Date
- 1885-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Ijulb wünschen, das; bie Staaten, in deren Mitte sie wohnen, blühen und reich seien, damit sie an ihnen ein um so günstigeres Ansbeutnngsobjcct haben!:! Wenn wir nicht versprochen hätten, ruhig and objeetiv zu bleiben, so würden wir eine solche llnterschiebnng als den Ausfluß einer gemeinen und niederen Gesinnung bezeichnen. Unsere Vaterlandsliebe steht gegen die unserer andersgläubigen Mitbürger in keiner Weise zurück. Wir lieben unser Vaterland, wie wir Vater und Mutter lieben, ohne irgend welche Hintergedanken. Wie wenig kennt doch dieser Philosoph das jüdische Herz, das; ec ihm solche Abscheulichkeit impntirt! Herr von H. ergeht sich in antiseinitischen Phrasen der schlimmsten und ekelerregendsten Sorte. Gr schreibt: „DaS Volk sicht in den es ausbeutenden Inden niemals etwas anderes als eine stanuneSsremde und glanbeusfrcmde Schmarotzerbrut, die sich von dem ihm abgesangtcn Blute nährt und mästet, ohne etwas zu leisten, dem es die „Ghre der Arbeit" anerkennen möchte." Das Volk! Von welchem Volke spricht Herr von H.? Doch nicht vom deutschen Volke? DaS wäre eine Beleidigung gegen dasselbe, wie sie nicht gröstcr gedacht lucrbcit kann. Herr von H. scheint die wüthenden Antisemiten sür die ächten und rechten Repräsentanten des Volkes zn halten. Wir meinen, es gibt im Volke eine bedeutend größere Anzahl von Menschen, welche ihn und den ganzen Stand, dem er angehört, als eine Schmarotzerbrut bezeichnet, „die sich von dem ihm abgesangteu Blute nährt und mästet, ohne etwas zu leisten, dem es die Ghre der Arbeit znerkennen möchte." Wir aber sind weit davon entfernt, Menschen. die so denken und reden, alS „das Volk" zu bezeichnen. Herr von H. tvill uns recht bange machen. Gr schreibt: „Jedes mit Juden gesegnete Volk bereut es tief und schwer, das; seine Vorfahren den Juden eine Heimstätte gewährt haben, und dag sie nicht gleich allen westeuropäischen Ländern im Mittelalter und der Neformatlonszeit sich dazn entschlossen haben, die Inden wieder zn vertreiben; jedes Volk hat den scsteu Glauben, das; es einen Akt restitnircnder Gerechtigkeit begeht, wenn es den Inden ihren Besitz sortnimmt, um ihn dem rechtmässigen Gigenthnmer, d. h. der Nation, znrückzuerstatten, und dag es heute noch ebenso befugt ist, wie vor Jahrhunderte gegen die Inden nationales Hausrecht'zu üben, d. h. sie besitzlos, wie sie gekommen, aus dem Landesgebiet wieder hinauszuweisen." Das ist deutlich! Aber Herr von H. wird noch deutlicher. Gr schreibt: „Niemand, und die Inden am allerwenigsten, sollten die Augen verschließen gegen die Thätsache eines ganz allgemeinen HasieS der Völker gegen die Juden und gegen dessen völkerpshchologksche Begründung in einem inftiuktiveu NechtSgesühl, das sich mit souveräner Gewalt über alle positiven Satzungen der Gesetzessabrikation am grünen Tische hinwegsebt. Die wenigsten Inden ahnen, oder wollen zugeben, wie tief dieser Hatz uub Groll, gegen die Bereicherung der Inden durch Ausbeutung in alle Schichten deS Volkes hineiugreift, auch in diejenigen Kreise, welche in ihrem Verdienst von jüdischer Gapitalmacht abhängig und dadurch genälhigt sind, PhilosemitiSmuS zu heucheln. Wenn man den Inden mit einem Blick zeigen fömue, auf wie nuterhöhltem Boden sie im deutschen Volke sichen, sie würden über ihre Lage erschrecken und in sich gehen, um die Versöhnung mit dem deutschen Volksbewnßtsein zu suchen und Katastrophen vorznbengen, welche auch den bestehenden NechtSznstand schwerlich nnerschüttert lassen könnten." Wenn wir das vorstehende Raisonnemeut seiner antisemitischen Gewandung entkleiden, so werden wir ein Körnchen Wahrheit darin finden. Aber nicht wir allein, sondern die ganze menschliche Gesellschaft steht auf nuterhöhltem Boden, und zwar nicht ssit heute und gestern, sondern von dem Tage an, da Kajin den Abel erschlug und auch noch an dem Tage, da eine abscheuliche Anarchistenbande bei der Gnthüllnug des NicderwalddeukmalS den Kaiser und die vornehmsten Männer des deutschen Reichs auf einmal in die Lust sprengen wollte. Wir fürchten die Katastrophen nicht, vor denen Herr von H. uns so liebevoll warnt. Wir fürchten uu§ vor Niemandem, denn vor Gott allein, unserem Beschützer und Erretter, unserem Helfer und Grlöser vom Anbeginn bis in alle Gwigkeit. (Jortsetznug folgt.) — ■» Mii-i,mm.mmfm,, ■■ n n.nf —«jrgjM«» ^eituttgsttachrichte» und Correspondeuzcn. Deut s ch l a n d. Wertheim, lO. Jebr. Heute Vormittag verstarb plötzlich der Präsident der Handelsgenossenschaft, Herr Bankier Bernhard Benario, am Herzschlag. Weit über die Grenzen Badens war der Verstorbene bekannt und geachtet. Gr war Gründer und langjähriger Vorstand des hiesigen Vorschußvereins, der unter ihm zu großer Prosperität gelangte. Ebenso war er lange Mitglied deS BezirkSraths und Stadiralh. Sein Eifer für alle gemein-