Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 13 (16.2.1885)
- Date
- 1885-02-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449517--21680-2511267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
219 seiner Lenden.', getreu und genuin den;'\ntcmioi;cu seiner Mitglieder mit allen zur Verfügung stellenden Mitteln in der Stunde der Gefahr bedrängten Glaubensgenossen zu .vilfe zn eilen. Dann allein wird der Verein das Vertrauen rechtfertigen, mit welchem die Oeffcntlichkeit seine Gründung begrüßt hat. Wiesbaden, Ende Jannar. Der jüngst dahier verstorbene Geh. Sanitätsrath Tr. Roth hat die Stadtgemeindc zur Erbin seines etwa eine Vicrtelmillion Mark betragenden Vermögens unter der Bedingung eingesetzt, daß von den Zinsen im städt. Krankenbezw. Badehausc Freibäder für unbemittelte Kranke jeden Vekenntnisses eingerichtet werden. Bromberg. (Provinz Posen.) Sanitätsrath Dr. Elias Salomon, der Dichter des Lieds „ES hatten drei Gesellen" und der Nestor der Acrzte in Bromberg, ist dortselbst nach längerem schmerzhaftem Krankenlager am 5. Februar gestorben. Tr. Salomon war 1814 in Hcilsbcrg in Ostpreußen geboren, besuchte in Königsberg das Gymnasin'm und auch die dortige Universität, ging dann nach Berlin und machte daselbst sein ' Examen. Illach seiner Promotion als Dr. mcd. siedelte er auf ein Jahr nach Halle über, um daselbst Professor Krnckenberg zu hören. Im Jahre 184« ließ sich der Verstorbene in Schncidcmühl als Arzt nieder und kam daun nach mehrjährigem Aufenthalte in Samotschin 1802 nach Brombcrg. Vor einigen Jahren zum Sanitätsrath ernannt, verwaltete er nach dem Tode des Kreisphysikus SauitätSrath Dr. Junker die Krcisphysikatsstcllc bis zu deren vor sechs Jahren erfolgten definitiven Besetzung. Als Student gehörte er der früheren inzwischen Eorps gewordenen Landmannschaft „Normannia" an und in jener Zeit entstand auch das seitdem zum Volkslicdc gewordene KommerSlied: „Es hatten drei Gesellen ein sein Kollegium", welches wohl jeder, der einmal ans deutschen Hochschulen gewesen ist, mitgesungen hat. Bis an sein Lebensende war er unaufhörlich bestrebt, nicht nur die schwierigsten Probleme seiner fachmännischen Wissenschaft zu ergründen, sondern sich auch in unausgesetzter ernster Arbeit mit den neuesten Erscheinungen anderer Wissenschaften und Künste gründlich vertraut zu machen. Noch in dem letzten Jahre wandte er sich mit regem Eifer dem Studium der Nationalökonomie zu, und ganz im Stillen nahm er thätigen Antheil an der Ausführung verschiedener sozialer und mildthätigcr Bestrebungen. Besondere Unterstützung widmete er auch den deutschen sogenannten Ärbeitskolonicen, derentwegen er in sehr reger Korrespondenz mit dein Herrn Pastor Bodelschwingh in der Arbeilskolonie Wilhelmsdorf stand. Seine außerordentlichen Kenntnisse der jüdischen Literatnr und des Talmuds brachten ihn in steten Briefwechsel mit den hervorragenden Orientalisten. O c st c r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Pcfth. Die Neformbesirebungen des Dr. Albert Sztcrdmsi und feines Anhanges beginnen eine konkretere Gestaltnng zu gewinnen. Heute Nachmittags gegen vier Uhr hat im Saale des evangelischen Gymnasiums eine ans ungefähr zweihundert Personen bestehende Versammlung stattgefunden, in welcher über die Konstituirnng einer rcsormirtcn israelitischen Gemeinde berathen wurde. Die Abhaltung der Versammlung war theils durch direkte Einladungen, theils durch Einschaltungeu -in den Blättern bekannt gemacht worden. Beim Eintritte mußte jeder Einzelne dem an der Thüre postirten Dr. Sztervnyi entweder seine Einladungskarte vorweiscn, oder sich einem kurzen Verhör unterziehen, ob er nicht etwa in profaner Absicht gekommen sei. Doch scheinen sämmtliche Erschienenen genügende Garauticeu gegeben zu haben, denn schließlich wurde Niemand znrnckgewiesen. Zum provisorischen Präses wurde Dr. 'Samuel Herzfeld gewählt, welcher die Versammlung cröffncte, das Programm der reformirten Religionsgemeindc verlas und die Annahme desselben «m l,!«»e beantragte. Derselbe betonte, das; es nicht in der Absicht der Reformer liege, Prosclyten zu machen, sondern blos die Religion dem Zcitgeifte auzupasscn und dieselbe in Einklang mit dem bürgerlichen Berufe zu bringen, welcher tiefsinnige Satz mit lebhaften Eljcnrnfcn ausgenommen wurde. Redner führte ferner aus, daß man in der heutigen materialistischen Zeit keinen Talmud mehr brauche, daß der Gottesdienst von überflüssigem Formelkram zn pnrifiziren, das Trauung«-Eeremonicll zu vereinfachen sei. Mehr als Personen, sagte der Redner, haben das Programm bereits durch ihre Unterschrift anznnehmcn erklärt, und der Zweck der heutigen Versammlung sei, sich als rcformirte israelitische Rcligionsgemeindc zn konstitniren und die nöthigcn Schritte zu veranlassen, um die Genehmigung des Ministeriums für die Statuten zu erlangen. Nun erhob sich Rudolf Stern und stellt den Gegenantrag, daß das Programm nicht en bloc angenommen werde, sondern daß dasselbe punktweise einer Debatte unterzogen werden solle, was der Präsident jedoch nicht zulassen will, indem er