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Der Israelit · 1885-02-16 · Heft 13 (16.2.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 13 (16.2.1885)
Date
1885-02-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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220 fojiflntirt, das; Stern nicfjt zu den (5’iuflclabeucii zähle und daher nicht daS Recht habe, zu sprechen, worauf Herr Stern in Eifer gerietst, zngab, daß er nicht geladen worden sei, sondern bloS ans den Leitungen von der Abhaltung der Versammlung Kenntnis; erlangt habe, daß er sich aber als einen in konfessioneller Beziehung „reformbedürftigen" Menschen fühle und daher geglaubt habe, an der Versammlung Theil nehmen zn dürfen. Er wolle weder eine Katze, noch eine Religion im Sacke kaufen, ein Ausdruck, der den Präsidenten so in Harnisch bringt, daß er ihn zurechtweist. Stern beginnt hierauf über den Anti-SemitiSmnS und die Judenverfolgungen zu sprechen, worauf der Präsident ihm das Wort entzieht. Johann Pollak tritt in heftiger Weise für Stern'S Antrag in die Schranken. Er sei zwar auch nicht direkt cingeladen worden, glaube aber auch daS Recht zu haben, zur Sache zn sprechen, was der Präsident in erregter Weise bestreitet: Pollak null weiter sprechen, worauf sich ein großer Tumult erhebt, der seinen Abschluß darin findet, daß sämmtlichc nicht Eingeladenen den Saal verlassen, indem Pollak im Fliehen in den Saal znrückrnft: „Da sollen die 300 die neue Religion machen!" Hierauf erhebt sich Dr. Bauer, konstatirt zuvörderst, daß er zu den Eingcladencn gehöre und daher das Recht zu sprechen habe. Erstritt cbcusalls für den Stern'schen Antrag, der punktweise« Debattirnng des ProgrammcS, ein, wogegen der Präsident sich jedoch merkwürdiger Weise entschieden verwahrt. Nun jerhebt sich Eduard Klein und erklärt, daß er daS Programm nicht verstehe, man möge dasselbe Punkt für Punkt durchberathcn, damit er doch auch wisse, um was cS sich handle. (Eine Stimme ruft: „Es gibt keine Extrawürste, nicht einmal, wenn sic koscher sind!") Der Präsident schreitet nun zur Abstimmung und fordert Diejenigen, welche für die Annahme en bloc sind, auf, sich von ihren Sitzen zn erheben; nun aber stellt es sich heraus, daß eine Menge Vcutc, die keinen Platz gefunden haben, stehend der Bersammlnng beiwohnen, daß diese Art der Abstimmung also nicht thnnlich sek; der Präsident trifft nun die Anordnung, daß die Zustimmung durch Sitzenbleiben zu konstatiren sei, was aber ebenfalls nicht angeht, da wegen der Enge der Sitze die gegen den Antrag Stimmenden nicht anfstehen können, worauf endlich durch Aufheben der Hände abgestimmt und daS Programm en bloc angenommen wird, worauf Herr Steinitz anSruft: „Nicht einmal im Reichstag wird so waS en bloc angenommen!" Der Präsident empfiehlt hierauf die Statuten der hiesigen isracl. KultnSgemeinde als Basis für die neue Religkonsgcnosscnschaft anznnehmen und dieselben der Regierung vorzulegen, waS ebenfalls angenommen wird, worauf der Präsident konstatirt, daß sich die neue reformirte RclkgkonSgemeinde nunmehr konstitnirt habe und die Entsendung eines Zwanziger-Komite's vorschlägt, welches die weiter erforderlichen Schritte zn veranlassen haben werde. In dieses Konnte werden gewählt die Herren: Ritter, Max Fuchs, Isidor Littmann, Franz Benedikt, Tr. Alexander Groß, Dr. Alexander Vaiß, Sigmund Hans, Moriz Goßtonyi, Dr. Josef ESänyi, Alexander Straßer, Sigmund Hartenstein, Joachim Beck, Philipp Läng, Tr. Sigmund Devay, Moritz Nathan, Ignaz Berger, Wilhelm Fischer, Johann Berger, Dr. S. Herzfeld. Hierauf erfolgte die Anthentitation des Protokolls, worauf Dr. Albert Sztercnvi der Versammlung einen weihevollen (!) Segen ertheilte, worauf sich die Anwesenden befriedigt entfernten. Innsbruck, w. Febr. Die hiesige Wagnerfche Verlagsbuchhandlung hatte vor einigen Wochen ei» Eircular versandt, in dem sie zum Abonnement auf eine Ucbcrsetzung des babnlonischen Talmuds auffordert, welche der angeblich „hervorragendste Talmudgelchrte der Gegenwart" verfaßt habe. Da die Verlagsbuchhandlung den Flamen des llebersetzers nicht genannt, so verbreiteten sich die sonderbarsten Gerüchte über die Person desselben. Ich bin heute in der Lage ans erster Duelle Ihnen über den „hervorragendsten Talmndgelehrtcn der Gegenwart" Näheres mitzuthcileu: Es ist dies kein Anderer, als „Dr. Justus alias „Rabbiner" Brimann, den Ihre gesch. Leser aus der Besprechung der Dr. Hofflnännsche» Schrift in der vorvorig. Nummer näher kennen gelernt haben.") Da sich voranssehen läßt, was Justus für eine Ilcbersetzung liefern wird, so w a r u e n wir dringend alle unsere Glaubensgenossen sich etwa täuschen zu lassen und auf die „Uebersetzung" zn abonniren. Hoffentlich wird die angesehene Verlagsbuchhandlung noch bei Zeiten darauf verzichten, ein Werk dieser Fälschers und Verleumders der Oeffentlichkeit zu bieten; sollte dies dennoch geschehen, so ist es heilige Pflicht jedes Jehudi. die Verbreitung dieser neuen Schmähschrift nach Kräften zn Hintertreiben. *) '\tit Anschluß hieran theilen wir auf mehrere Anfragen mit, daß die von uns besprochene Schrift des Herrn Dr. Hoffman» auch direct vom Verfasser (Berlin, Gipsstraße 23b) zu beziehen ist. (Red.)

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