Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 13 (16.2.1885)
- Date
- 1885-02-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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214 wegen ihrer Verwendbarkeit baldigst untergebracht. Insbesondere wäre die vom Vereine ins Leben gerufene Dicnstbotenschule zu erwähnen, die erste, welche in der Monarchie eben auf Initiative des Vcreinsvorstandcs errichtet wurde, deren HoSpitantinnen als Stubenmädchen, Bonnen und Kinderpflcgcrinnen großen Anwerth finden. Hunderte und Hunderte von Mädchen fanden in diesem Institute eine sichere Zufluchtsstätte, wo ihnen die Möglichkeit gegeben war, ihre geistigen Kräfte zu entwickeln, ja oft selbst ihrer sich erst bewußt zu werden; hier haben sic nicht nur den materiellen, sondern auch den sittlichen Werth der Arbeit kennen und schätzen gelernt. Niederlande. Haag. Unter zahlreichem Gefolge seitens der Gcmeindcmitglicdcr als auch vieler christlicher Mitbürger unserer Stadt wurden am 10. Januar die sterblichen Uebcrrcstc des allgemein geachteten und beliebten Kaufmanns I. L. Prinsy": zu Grabe getragen. Unter den guten Eigenschaften, die der Verstorbene als Mensch und 'Tirr besessen, ragte die der npis besonders hervor, denn er hatte ein mitfühlendes und mitempfindcndes Herz für seine bedrängten Brüder. Als Vorstandsmitglied der Jsr. Armenvcrsorgungsanstalt erwarb er sich große Verdienste. Auch das Haager DuincomitL zählte ihn bis aus Ende seines Lebens zu den arbcitSsamsten Mitgliedern. Das EomitL mit Sr. Exccll. dem Instizministcr Du Jour von B e l l i n ch h a v an ' seiner Spitze, hatte nicht versäumt, den Verstorbenen an den letzten Rnhcort zu begleiten. Dort am Grabe wurde durch den Junker Mr. W. Th. Gebers Dcynoot den Verdiensten des Herrn Prius gehuldigt. Auch unser verehrter Herr Obcrrabbiner Bernstein, der Lehrer Hirschel und im Namen des Geschäftspcrsonals Herr M. D. Stockvis sprachen am Grabe des Verstorbenen tiefcrgreifende Worte. Mit I. L. Prins, fügt das Haag'sche Dagblad hinzu, ist ein braver und rechtschaffener Mann hingcgaugcn, dessen Andenken in weiteren Kreisen fortlebcn wird. Möge das Andenken des Verstorbenen, dessen Grab mit üie ctr 1712 geschmückt ist, gesegnet sein! (Der Heimgegangene, der ein Alter von 80 Jahren erreichte, war der Held einer kleinen Erzählung „Sabbat", die wir vor zwei Jahren veröffentlichten. Es handelte sich, wie sich unsere geehrten Lesern erinnern werden, um eine Wette zwischen dem Prinzen Hendrik der Niederlande und dem Grafen L. St. Red.) Feuilleton. Der Courier. Historische Erzählung von S. K 0 h n. (Verfasser von Gabriel.-) (.Fortsetzung.) Kein Mensch kann in der Seele eines Andern lesen, und jeder bcurtheilt den Andern nach seinem eigenen Denken und Empfinden. Als Blochner mit dem Glas Waffcr in der Hand näher getreten, war Arnsberg, nach sich schließend, geneigt zu glauben, er wolle ihn verhöhnen, seine Qual durch de» Anblick der Erfrischung, die er ihm vorenthaltcn wolle, verschärfen; er hatte ja Blochner nur ein einziges Mal gesehen, gesprochen, — und jetzt bot ihm der Mann, den er verderben, den er unglücklich hatte machen wollen, das Labsal an, das dem Verschmachtenden in dem Momente als das Begehrenswertheste auf Erden erschien. Einen Augenbiick bäumte sich der Stolz des tief gedchmüthigtcn Mannes in ihm auf, cs that ihm weh, von dem Menschen, der das Recht hatte, ihm ein Todfeind zu sein, eine Wohlthat anznuchmen, mit der gefesselten Hand stieß er an das Glas, daß ein Thcil des für ihn kostbaren Inhaltes Blochner auf die Hand spritzte. Blochner hatte an keiner Universität regelrecht Psychologie ftudirt, aber er fühlte, was in Arnsbergs Seele vorging, und er führte nochmals das Glas an seine welken Lippen und sprach fast bittend: Herr Oberamtmanu trinken Sic, das Bischen Wasser ist Ihnen ja von vollem Herzen gegönnt." Arnsberg trank begierig, eine leichte Rothe stieg in seinem Gesichte auf. „Ick) dank Ihm," sprach er leise, „Er .... ist .... ich ... . war" er brach ab, dann stieß er hastig hervor: „Gott soll Ihm Seine Gutthat lohnen!" Die Scene war von dem fürstlichen Lieutenant und dem Pfarrer nicht unbemerkt geblieben. „Der 'alte Jnd' da scheint ein guter Mensch zu sein," sprach jener, „wahrscheinlich hat er mit dem ehemaligen Oberamtmann, mit dem verrätherischen Hallunken, in früheren Zeiten Geschäfte gemacht, dieser mag sich ihm wohlwollend erwiesen haben und er zeigt sich jetzt dankbar," und bevor noch der Pfarrer diese Ansicht richtig stellen konnte, fuhr der junge Fürst fort. „Mich wnnderts nicht, daß der arme Teufel Durst hat, es ist heute ein heißer Tag, wir sind schon lange unterwegs, wir