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Der Israelit · 1885-02-16 · Heft 13 (16.2.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 13 (16.2.1885)
Date
1885-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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215 sind Mittags aufgebrochen und jetzt mag schon ... der Lieutenant zog die Nhr aus der Tasche, „Herr Gott sapperment! schon vier Uhr!" rief er erschrocken, „ich habe mich durch die angenehme Begegnung mit Ihnen, Herr Pfarrer, dazu verleiten lassen, fast ein ganzes Stündchen, allerdings in unterhaltendester Weise zu verplaudern .... ich muß mich nun sputen, um die versäumte Zeit einzubringen." Er reichte dem Pfarrer artig die Hand,' salutirte mit dem Degen und rief den Dragonern zu: avant!“ Wernhard verabschiedete sich nun gleichfalls bei Auritz durch einen kräftigen Händedruck, die Reiter rückten sich iu ihren Sätteln zurecht, der Trainsoldat lies; seine Peitsche leicht über den Rücken der Wagenpferde gleiten und der militärische Zug feste sich in Bewegung. Die Zurückgebliebenen blickten demselben von den verschiedenartigsten Gefühlen bestürmt so lange sie konnten nach; als der letzte blinkende Helm der Reiter in dem aufwirblenden Staube der Straße verschwunden war, sprach Pfarrer Elisauder kopfschüttelnd : „Glauben Sie es mir, lieber Blochner, alles das was ich in den letzten Tagen erlebt, erscheint mir wie ein merkwürdiger Traum. Noch vor sechsunddreißig Stunde» zitterten wir vor dem schrecklichen Vandamme, wir mußten befürchten, daß die feindliche Uebermacht das kleine Helden-Korps, das ihr gegenüberstand, erdrücken, daß sich des Feindes Schaaren über Böhmen ergießen werden, jetzt ist der gefürchtete französische Feldherr ein Gefangener im Lager der Verbündeten, diese haben durch Gottes Hilfe einen Sieg errungen, den man sich nicht glänzender denken kann. Jetzt genau vor viermalviernndzwanzig Stunden warteten Sic, ein verzweifelnder Mann, bei mir, während ich mich bei Arnsberg vergeblich bemühte, ihn vor der Ausführung seines bösen Vorsatzes abznhalten, — vor vkermalviernndzwanzig Stunden fühlten Sie sich unsagbar elend, unglücklich, — Arnsberg in Vollbesitz der Macht, Ihr Schicksal schon iu seiner Hand liegend — und nun hat Gott Sie wunderbar gerettet, Sic sind frei, glücklich, — und er — er ist ein durch eigene Schuld zu Boden geschmetterter Mann!" „Gott hat mir ein Wunder erwiesen, Hochwürden!" rief Blochner, „und ich erkenne cs gerührt mit innigem Dankgefühle an, o! Gott ist allmächtig und allgütig, wir Juden sprechen cs tagtäglich im Morgengebete aus: Gott erniedrigt die Stolzen und erhebt die Niedern. Ich weiß nicht, durch was wir, ich und die Meinen, so wundersame Gottcshuld verdient haben!" „Thun Sie sich nicht unrecht!" sprach der geistliche Herr gerührt, „Sie sind ein braver frommer Mann; — auch das Glas Wasser, das Sie diesem . . . ." der Pfarrer hielt einen Moment inne, sein milder Sinn ließ es nicht zu, wie er im Eifer der Rede ursprünglich beabsichtigt, ein hartes Wort über die Lippen zu bringen, „Arnsberg boten, wird vor den Augen des allschauendcn Gottes als eine Großthat erscheinen! — Aber mein Aufenthalt hier hat eine unerwartete Verlängerung erfahren, ich bin jetzt schon sehr lange vom Hanse weg, ich sehne mich schon heim, auch wär's ja möglich, daß ich in Neuhof gebraucht würde .... also auf frohes Wiedersehen!" David Auritz hob den Pfarrer in den Wagen des Müllers, der nun die Richtung in das Pfarrdorf einschlug und rasch fortrollte. Blochners Familie saß noch stundenlang bis tief in die Nacht hinein beisammen, sie hatten einen endlosen Gesprächsstoff, endlich forderte Eva stürmisch, daß ihr Sohn doch endlich zur Ruhe gehe, sie selbst sei trotz ihres Glückes todtmüde und habe doch nicht, wie sie mit einem glücklichen Mutterlächeln hinzufügte, in einer zweitägigen Schlacht gekämpft, nicht bei einem entscheidenden Angriff mitgewirkt, nicht einen Obersten glücklich ans einem feindlichen Reiterknäuel heransgehanen, nicht einen Eilritt zum Kaiser unternommen, nicht durch sechsunddreißig Stunden zu Pferde gesessen, und David, dem diese deutlichen Illusionen galten, mußte gestehen, daß die Mutter in der Thät recht habe, daß er zum Umsinken müde. * Sekt endlos langer Zeit hatte David Auritz nicht sein Nachtgebet mit so tiefer Inbrunst begonnen als heute; aber er brachte es nicht zu Ende, .... er schlief betend ein! Sechstes Kapitel. Der kaiserliche Gencraladjntant Generalfcldzcngmeister Baron Johann Kutschern hatte vollkommen recht gehabt, als er dcrn Wachtmeister Auritz erklärt harte, seine Entlassung aus dem Militärverbande würde rasch erfolgen, aber die Eivilbehörden würden zur Regelung seiner, durch die kaiserliche Huld günstig geänderten Privatverhältnisse, eine ganz anständig lange Zeit in Anspruch nehmen. Der Abschied, der ihm auf allerhöchsten Befehl vom Regimente ertheilt wurde, war ihm mit einer beispiellosen, für jene Zeit sogar vollkommen unglaublichen Raschheit, nämlich noch vor Ablauf seiner Urlaubsfrist durch das Nenhofer Amt zugemittelt worden. Allerdings hatte Auritz noch längere Zeit mit de» Militärbehörden eine »veitwendige Abwickelung. Er

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