Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 13 (16.2.1885)
- Date
- 1885-02-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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212 feit gute Manier nennen. Manche E husten sagen, dag, wenn ein Jude seine Meinung über den Messias geändert hat, er seinen angestammten Glauben abftreifen kann; oder das; ein Paar Tropfen Wasser ans den Kopf eines Kindes geträufelt, jeden Makel ans seinem Blut wegwäscht, welches es von undankbaren, ihrem Glauben untreu gewordenen Eltern ererbt hat. Wir wollen gern' voranssetzen, das; solche teilte wirklich glauben, was sie sagen: sie mögen auch in der That redliche Absichten haben, und in solchem Falle verdienen sie die Achtung, die nian Leuten ihres Schlages zollt; aber sie sind eben so unfähig die lvahre Meinung eines großen, religiösen Denkers, sei er Jude oder Christ, zu verstehen, als irgend eine Wissenschaft oder ein philosophisches System anfzufasseu, und sie sind nicht die Menschen, die wir wählen wurden, unsere .Kinder zu erziehen, oder uns selbst c.ls Leiter und Führer zu dienen. (Schluß folgt.) Zeituttgsrrachrichteu und Correfpondenzen. Deutschland. Qffeubrirg, in. Februar. Bei dem lebhaften Interesse, das Sie, geehrter Herr Redacteur, in Ihrem geschätzten Blatte allen Vorgängen zuwenden, die geeignet sind, 'rmm Tun*?, darf ich wohl annehmen, daß Sie nachfolgenden Zeilen gerne Aufnahme gestatten werden. Am ruyirin des Jahres 1876 trat eine kleine Anzahl gesetzestreuer hiesiger Gemeindemitglieder zusammen und gründete die nY?'aj m2n icn mit der Bestimmung, Arme zu unterstützen, durch regelmäßige ^z-'v-Borträge nirnpn lrrmn:: Belehrung und Erbauung zu finden und bei Vorhandensein ansreichender Mittel eine min idd schreiben zu lassen. Letzteres konnte ctrn in einer für die wenigen Vereinsmitglieder verhältnißmäßig kurzen Frist zur Ausführung gebracht werden und so schenkte der Verein schon' am verflossenen Samstag nn1 der hiesigen Gemeinde die neue min -icd. Die dabei stattgehabte Einweihungsfeierlichkeit kann mit Fug und Recht als eine äußerst glanzvolle und gelungene bezeichnet werden. Am Freilag Abend versammelte sich nach beendetem Gottesdienste die ganze Gemeinde in dem Lokal des Herrn Samuel Maier, woselbst das durch den idid Herrn Bloch aus Straßburg und den Tapezierer Herrn Dreifuß von hier meisterhaft hergestellte und herrlich beleuchtete \'12 war. Durch den von Herrn Lehrer Baer gesungenen üY?u* und vom Synagogenchor vorgetragenen Psalm 96 wurde die Feier eingeleitet. Später versammelten sich die Vereinsmitglieder ebendaselbst, wobei Herr Rabbiner Dr. Rawicz einen längeren, dem Feste entsprechenden höchst interessanten my'sr - Vortrag hielt. Samstag Morgen mit 9 Uhr wurde das neue in festlichem Zuge in die herrlich decorirte, geräumige und vollbesetzte Synagoge gebracht, in welcher unter Ehorgesang ein Umzug mit sämmtlichen ■hdc nrnn stattfand. Sowohl die vom Synagogen-Ehor, als auch von der Schuljugend vorgetragenen Gesänge trugen wesentlich zur Erhöhung der Feierlichkeit bei. Den Glanzpunkt derselben bildete jedoch die von Herrn Dr. Rawiez mit wahrhaft rhetorischer Meisterschaft gehaltene und von sämmtlichen Anwesenden mit Begeisterung aufgenommene Festpredigt, welcher der ans der betreffenden mc entnommene Text: nr 7NTJ*' Tjm 2py n%27 ■’.cxn zu Grunde gelegt war. An dem Festessen erfreuten sich Alt und Jung, Einheimische und Fremde bis zu später Stunde Um das Gelingen des Festes haben sich unser verehrter Gemeinde-Vorstand, Herr Dreifuß, und die übrigen Gemeinderepräsentanten wesentlich verdientgemacht. Die Palme des Verdienstes gebührt jedoch unstreitig unserem allverehrten Vereinspräsidenten Herrn Marx Kahn, durch dessen Initiative die min ins Leben gerufen wurde und die unter seiner bewährten, Verständnis;- und taktvollen Leitung wie bisher so auch fernerhin ihre segensreiche Wirksamkeit entfalten wird. Es wäre sehr wünschenswertst, wenn es die Gemeindemitglieder mit ihrer bei der Einweihnngsfeier dem Verein in Wort und That entgegenbrachteu Sympathie nicht bewenden ließen, sondern durch zahlreiche Beitrittserklärungen dazu mitwirkten, daß das gottgefällige Werk der Wohlthätigkeit kräftigst gefördert werden kann. Es wäre unrecht, wenn ich es unterließe, des id*d Herrn Jos. Bloch aus Straßburg lobend zu erwähnen; denn sowohl das von ihm gefertigte neue -!OD, das von eompetenter Seite als ein wahres Meisterwerk bezeichnet wurde, als auch das prachtvolle, goldgestickte Mäntelchen ließen hinsichtlich der hübschen Ausführung, der Qualität des hiezu verwendeten Materials und insbesondere des hierfür berechneten Preises nichts zu wünschen übrig, und wurde Herrn Bloch deßhalb seitens des Vereins die gebührende Anerkennung gezollt.