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Der Israelit · 1885-02-16 · Heft 13 (16.2.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 13 (16.2.1885)
Date
1885-02-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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210 ständig aufgehört. Ungarn versendet in guten Jahren seinen Weizen und seinen Wein in weite Fernen, und erhält Zufuhr, wenn es ihm mangelt. Tie vielgcschmähren Juden sind es, welche diese glückliche Acndcrnng der Verhältnisse zum größten Thcile bewirkt haben. „Ter Giftbaum der Börse" hat die Mittel herbeigeschasst, Eisenbahnen zu erbauen und die Schifffahrt zu heben. Die Transportkosten, die nach Herrn von H. der Handel verschwendet, ermöglichen für die Völker ein menschenwürdiges Dasein. Tie (Gegenseitigkeit der Interepen zwingt die Völker, in Frieden miteinander zu leben; sie verkürzt die dennoch ansbrechenden .(kriege und isolirt sie, so viel als möglich. ES ist eine der größten Errungenschaften unserer Zeit, daß ein nicht zu verkennendes Solidaritätsgcfühl fast in der gesammtcn Menschheit zu Tage tritt. Ehedem fühlte sich der deutsche Spießbürger ganz behaglich, „wenn hinten in der Türkei die Völker aufeinander schlugen." Heute greift ein orientalischer.(krieg in alle Verhältnisse ein, Handel und Verkehr stocken, das Vertrauen schwindet, das.(kapital zieht sich zurück, und der Arbeiter in der Fabrik, der Handwerker in der Werlstattt müssen es bitter empfinden, wenn in einer (Entfernung von Hunderten von Meilen die .(tricgcssackel austodcrt! Herr von H. scheint die Zeiten znrückzuwünschc», da di.' Bewohner der deutschen Urwälder,, m Thierselle gekleidet, den Auerochsen und den Bären erjagten, während Hafcrbrod und (berstenfast ihre Labung bildeten; sonst würde er nicht wünschen, daß das deutsche Volk sich mit den Erzeugnissen deS heimischen Bodens begnügt hätte. Eicheln, Gerste, Hafer und Holzäpfel sind die ursprüngliche Erzeugnisse des deutschen Bodens. Ter Wein, die edleren Früchte wurden erst später eingeführt. Es ist noch kein Jahrtausend verflossen, seitdem man in Deutschland die Hühner kennt und sich der Eier als Nahrungsmittel bedient. All die verkehrten Anschauungen, die Herr v. H. in seinem Buche entwickelt, dienen ihm nur als Unterlage, um die Inden in einer Weise anznklageu, die alles Maaß überschreitet. TaS Schlimmste dabei ist, daß Herr von H. sein Urtheil für das des deutschen Volkes ausgibt. Herr von H. ist von der fixen Idee befangen, daß alle Inden miteinander verbündet seien, um die Völker zu unterjochen und den Wohlstand im Interesse deS JudenthnmS zu verwenden. „Der einzelne (christliche) Geschäftsmann", schreibt Herr von H., „der als unreell und unsolid bekannt ist, steht zwar unter Mißachtung, und nach Maßgabe der von ihm verübten Ausbeutung auch unter dem Haß des Volkes, aber er wird doch nur als ein verirrter Bruder angesehen, der zwar bei seinen Lebzeiten daS Eiuzelintcresse über das Gcsammtintcrcssc stellt, der aber darum doch nicht hindern kann, daß der von ihm in seine Hände gespielte Theil des Nationalvermögens demselben nach seinem Tode wieder zufließt und der nationalen Arbeit und dem nationalen Eultnrprozcs; wieder dienstbar wird. Anders muß dasUrtheil über einen unsoliden, unreellen und auSbeutcnden Geschäftsmann lauten, wenn er dem Iudcnthum angchört, weil dann auch nach dessen Tode der von ihm in seine Hände gespielte Theil des Nationalvermögens in jüdischen Hände» und damit den Interellen des IndcnihumS dienstbar bleibt. Der unsolide jüdische Geschäftsmann gilt dem deutschen Volke nicht als ein einzelner verirrter Bruder, sondern als typischer Vertreter und Mitglied eines solidarisch operirenden Stammes, der in der Mehrzahl seiner Mitglieder daS unsolide, unreelle, ansbcutende Geschäft zu seinem Berufe erwählt hat, und dadurch alS Totalität in wirt!)- fchafrlichem.(kämpfe mit den Wirthsvölkern steht. Jedermann weiß sehr wohl, daß cs eine Menge reeller, solider und durchaus achtungSwcrthcr jüdischer Geschäftsleute gibt, aber Jedermann betrachtet dieselben bis jetzt als Ausnahme von der Regel." ES wäre traurig, wenn das deutsche Volk so von unseren GlaubcnSgenoffen dächte; aber wir bestreiten das auf das Entschiedenste.' Man hörr und liest wohl derartige Phrasen; allein eS ist ihnen keine große Bedeutung zuzumessen. In ähnlicher Weise hört mau über die Pfaffen, die Advokaten, die Aerzte raisonnire»; in ähnlicher Weise hört mau auf die Offiziere, die Bäcker, die Metzger schimpfe»; in ähnlicher Weise werden die Beamten, die Fabrikanten, wird der Adel verunglimpft; ebensolche Phrasen werden gegen die Bauern, die Bürger, die Arbeiter ausgestoßen. Wollte man alle derartige Redensarten als die Meinung des Volkes anSgeben, so würde inan constatiren können, daß in allen ständen und Bernfsklassen die achtnngSwerthcu Leute nur Ausnahme von der Regel seien. (Fortsetzung folgt.) Einige leicht zn vermeidende Ursachen der Zudenßetzeu. Von Mrs. Buole. einer englischen Ehristin. (Nach dem Iewish tshronicle.) n.*) Niemand scheint die Gewohnheiten und Manierru der getauften Jude» so wenig zn kennen, als die ') .ronsetzung au? Nr. 10.

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