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Der Israelit · 1885-02-12 · Heft 12 (12.2.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 12 (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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202 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzeu. Deutschland. Mainz, 8. FeLr. Vom Oberrabbiner in (5ousiantiuopel und Ehacham Bafchi des türkischen Neiches, Herrn Moses Levy, erhielten wir dieser Tage ein Schreiben, in. welchem er uns die Noth und das große Elend der arme« isr. Bevölkerung daselbst', welche im vorigen Jahre durch den großen Brand um ihre geringe Habe gekommen ist, ausführlich schildert. Es seien zwar, heißt cs in diesem Schreiben, nicht nur durch die hohe Negierung und die einheimischen, reichen Glanbensgcnoßen, sondern auch durch die wohlthätigen Israeliten West-Europa's diesen Dcklagenswerthen große Unterstützungen zu Tbeil geworden; allein diese hatten nur zur momcnlanen Minderung der schlimmen Lage der Abgebrannten hiugereicht. Die eingegangcnen Spenden sind aufgezehrt und die Armen entbehren in dieser strengen Winterzeit der nothlveudigsten Nahrungsmittel und warmer Kleider. Die bei diesem Brande cingeüschcrten vier Synagogen und vier Talmud-Thora-Schnlen für arme isr. Schulkinder konnten aus Mangel an Mitteln noch nicht ausgebant werden, und so treiben sich die Binder der armen Israeliten, weil sie nicht unterrichtet werden können, hungernd und darbend ans den Straßen umher. Dieser traurige Anblick hat den Oberrabbiner, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, bewogen, sich durch unser Blatt an den Wohl- Ihätigkeitssiim der west - nrropaischcn Glanbensgcnossen zuwende» und die dringende Bitte auszusprechen, daß die edlen Spender des vorigen Jahres nochmals ihre freigebige Hand öffnen möchten, um der gegenwärtigen traurigen Lage der armen isr. Bevölkerung einigermaßen Abhülfe zu ihn». Auch wir schließen uns der Bitte des Oberrabbiners an und sind gerne bereit, Spenden in Empfang zu nehmen und au ihren Bestimmnngso.t zu senden. Posen, im Iebrnar. Der bekannte Ministerial- Erlaß in Betreff des Schreibens am Sabbat scheint es dennoch freundlich gesinnten Direcroreu und andererseits genunnngstüchligen jungen Leuten anheimgegeben zu haben, den fMereu toleranten Usus aufrecht zu erhalten. Am hiesigen Marien-Gymnasinm begannen nämlich in voriger Woche die schriftlichen Abitnricutenarbciten und wurde ans Sabbat eine schriftliche Arbeit festgesetzt. (Ha jüdischer Schüler stellte jedoch als Wortführer der anderen jüdischen Abiturienten dem Tircctor vor, welche schwere Religionsverletzung das Schreiben am Sabbat und bat dringend um Acnderung der getropenen Einrichtung. Der Direktor, ein humaner und toleranter Mann, gab dieser Vorstellung nach und so wurde die Sonuabendarbcit auf einen anderen Tag verlegt. Hamburg. Herr Dr. I. Hcinemann, Lehrer an der hiesigen höheren Bürgerschule (Talmud- Thora). welcher eine Reihe von Jahren an einer Schule in Koustantknopel thätig war und von da ans im Interesse der Wissenschaft zu wiederholten Malen Studienreisen behufs Erforschung der Verhältnisse der orientalischen Inden unternommen hatte, hielt am Sonnabend-Abend im großen Saale von Hirschcl's Hotel einen interessanten Bortrag „über das häusliche Leben der orientalischen Juden." Die Juden des Orients, führte der gewandte Redner ans, haben ebenso wie die des Occidents sich den Völkern, unter denen sie wohnen, insoweit acconunodirt, als dies ihre religiösen Satzungen, an denen sie mit eiserner Eonseqnenz sesthalten, zulasten. - Sowie der Orientale überhaupt, lüftet auch der orientalische Jude niemals beim (Truste die Kopsbedeckung, er grüßt, indem er Herz, Mund und Stirne mit seiner Hand berührt. Das Meublement eines jüdisch-türkischen Zimmers ist höchst einfach, es besteht lediglich in einen: breiten Divan, weicher in der Rege! an drei Wänden des Gemachs entlang läuft. Der Hausherr empfängt die männlichen, die Iran des Hauses in ihren Genrächern die weiblich Gäste. In den Stuben befinden sich keine andern Möbel als die Divans, ja selbst in den Schlafzimmern befinden sich keine Bettstellen, sondern mit Hülfe der in jedem Hanse befindlichen zahlreichen wissen kann jedes Zimmer in ein Schlafzimmer umgewandelt werden. Selbst in den Eomptoiren ist der Schreibtisch entbehrlich: denn Jeder trägt au seinem Gürtel ein Tintenfaß und ein Schreiberohr und legt beim Schreiben das Papier entweder ans die innere Iläche der linken Hand oder auf seine Knie, trotzdem ist die Schrift sehr schön. — Aeußerlich repräsentiren sich die jüdischen Häuser sämmtlich sehr unscheinbar, desto prachtvoller repräseutirt sich das Haus des Begüterten von innen. Nirgends ist dieser Eon traft auffälliger als in Damaskus, welches, in Gärten gebettet, einem kleinen Paradiese gleicht. Die äußere Dürftigkeit der Häuser, welche mit der Pracht im Innern so sehr eontraftirt, hat ihre Berechtigung; denn der reiche Orientale und insbesondere der Jude hak alle Ursache, seinen Wohlstand zu verbergen.

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