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Der Israelit · 1885-02-12 · Heft 12 (12.2.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 12 (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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198 ltiib, bei der schwankenden Bedentnng der in ihr enthaltenen Krankbeitsformeu, für uns schwer zll untersuchen ist. Daher denn auch der Vortragende dem Wunsche Ausdruck gegeben hat, es möchten sich Linguisten, die mit der nöthigcn Sachkenntnis; ausgerüstet sind, der Ausgabe unterziehen, auf Grund der etymologischen Bedeutung der Worte und der fachmännischen Kenntnisse, die genaue (Erklärung dieser Worte festzustellen und so dem Schwanken ein Ende zu machen. Die Medizin des Talmuds ist so reichhaltig und über alle Zweige derselben ausgebreitet, das; eine erschöpfende Behandlung im Rahmen eines Vortrages zu den Unmöglichkeiten gehört. Der Vortragende beschränkte sich daher nur darauf eine systematische Gruppirung nach der heute gültigen Eiutheilnng in der Medizin zu geben und für jeden Zweig derselben einige bezeichnende Beispiele anznfnhreu. Selbstverständlich ist der dem Referenten hier gütigst gewährte Raum nicht hinreichend, um auch nur eine kurze Skizzirung des Gebotenen zu unternehmen. Nur einige frappante Einzelheiten seien hervorgehoben. Das; die Nabbinen bereits des Reagcusverfahren gekannt und geübt haben, sehen wir aus der Anleitung, die sie geben, wie man das Sperma von Gierweis; unterscheiden kann, ein Verfahren, das noch heute geübt wird. Tie Exstirpation der Milz, deren Möglichkeit noch bis vor kurzem bestritten wurde, war ihnen bekannt; ebenso die de« Uterus. Unzweifelhaft fest steht es, das; ihnen der Kaiserschnitt bekannt war, obschon dies von einigen Neueren bestritten wird. Das; die Anatomie van ihnen, sogar an menschlichen Leichen, geübt wurde, und das; sic hierin weil vorgeschritten waren, sehen wir aus dem Beispiel der Gemara in Bechoroth, das; die Schüler des 91. ISmael eine weibliche Leiche jccirten und die Zahl der Glieder am weiblichen Körper zählten. Auch die Massage wurde von ihnen schon geübt, wie der Vortragende an einem Beispiel nachwies. Der Grundsatz der neueren Homöopathie „Similia simililms curantur“ war ihnen nicht fremd, denn wir sehen, das; sie vorschreiben, bei dem Bis; eines tollen HnndeS, dem Kranken von dessen Zwerchfell zu essen zu geben, wie denn überhaupt die Darlegung der Symptome der Tollwuth bei Hunden von einer Schärfe und Nichtigkeit der Beobachtung zeugen, die außerordentlich genannt zu werden verdient. Wenn auch das Heilverfahren der Nabbinen nicht immer mit dem unserigen übercinstimmt, so ist abgesehen von den großartigen HülfSmitteln der neueren Medizin, der durch das Mikroskop und die experimentirende Methode eine ganze neue Welt erschlossen wurde, auch der Unterschied des Klimas und der körperlichen Konstitution in Betracht zu ziehen. Weit höher aber als die Therapie steht die Prophylaktit nach dem Ausspruch eines großen Mediziners „Die Kunst Krankheiten zu verhüten ist weit größer, als Krankheiten zu heilen." Und in dieser Knust hat es das jüdische Gesetz und die Vorschriften der Rabbinen zu einer Höhe gebracht, die noch lange nicht von den vorgeschrittensten Kulturvölkern der Neuzeit erreicht ist. Ihre prophylaktischen Vorschriften haben das jüdische Volk gestählt und bis auf de» heutigen Tag widerstandsfähiger als alle übrigen Volker gemacht. Der sehr interessante und gelehrte, fünfviertelstündige Vortrag wurde mit stürmischem Applaus aufgenommen. H. Feuilleton. Aer Gonrier. Historische Erzählung von S. K o h n. (Bcrsasscr von „(Wrtbricl.*) (Fortsetzung.) Nachdem Anritz dem Wachtmeister seine Erlebnisse in gedrängter Kürze mitgctheilt, antwortete Wernhard: „Was ich da hör', verdrießt mich zum Teufelholen, und freuet mich doch herzlich. Daß der Kaiser Dich entlassen, daß Du aus dem Dienst trittst, schmerzt mich, einen braveren besseren Kameraden als Dich, findet man im ganzen Regiment nicht, — aber daß des Kaisers Majestät es gerade herausgesagt hat, cs gehe ihm gegen sein Gewissen, Dich noch länger beim Rcgimente dienen zn lassen; — Du könntest bei aller Bravheit und Tapferkeit nicht zum Offizier vorrückcn, weil dies bei der Kavallerie nur Adelige werden können, gefällt mir gut, freilich", — Wachtmeister Wernhard senkte plötzlich die Stimme, neigte sich vom Pferde herab zu Auritz Ohr und fuhr, sich den langen Schmirrbart emporzwirbelnd, fort," wenn ich mir die Sach' genau und reiflich überleg', so erscheint mir die ganze verfluchte Geschichte als ein miserables Himmelaufschreiendes Unrecht .... Sakkerment hinein! warum soll denn der Bürger oder Bauernsohn, der sein Bestes, sein Leben, seine Gesundheit, seine geraden Glieder, Alles was dem Menschen lieb und Werth ist, einsetzt, warum in allen Teufels Namen frag' ich, soll der Mensch, wenn er sonst brav geschickt und dazu paßlich ist, nicht eben so Offieier bei den Husaren, Uhlanen, Kürassiren, Cheveaux-legers und Dragonern

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