Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-02-12 · Heft 12 (12.2.1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 12 (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449516--21649-2511235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

197 D» ijöd die Werlhfchatznng auf, beim lüde gcircmitc .Oalbe |mb noch nicht ein (Ganzes, bleiben immer nun Halbe. Alle Nationen und Sprachen suchen heute die getrennten Glieder zu einigen in der richtigen Erkenntnis;, das; sic nur durch das feste Aneinanderschlies;en und im Erstreben der gemeinsamen Interessen stark^und groß in der Völker Mitte dastehen können. Sollen wir Inden die Legten sein, die das verstehen, die auf ihre Existenz bedacht sind? Sind 100 Jahre nicht genug Lehrzeit für uns gewesen, daß wir noch immer nicht erkennen, für uns gibt es nur ein Einigungsfeld, das uns fest znsammenkettet, unser göttliches Gesetzt Und schließlich, wenn wir es ernst nehmen mit unserer Nation und nnsem Glauben: warum sott Jeder außerhalb unserer Nation, außerhalb unserer Religion stehen dürfen? Warum sollen wir gerade kein Gesetz, als Inden kein jüdisches Gesetz anerkennend Als einzelne halbe Schekel sind wir nichts; als gemeinsame aber werden wir unsere hohe Bestimmung und unfern hohen Berns erfüllen und für uns selbst ein Lösegeld sein. — Zcitnttgsttnchrichtcn und Corrcsporr-cirzcir. Deutschland. Bnttci,Haufen, im Februar. Unser Städtchen sängt an Großstadt zu werden: nicht daß es besonders an Ausdehnung und Einwohnerzahl mehr als sonst znniuimi; es ist die jüdische Gemeinde dahier, welche ich im Auge habe, bei der Erscheinungen wie bei vielen Großstädten zu Tage treten. .Wir hatten vor kurzem eine Borstandswahl: anstatt daß die Gemeinde darauf bedacht war, einen Mann an ihre Spitze zu stellen, der durch ein religiöses Leben die Garantie bietet, daß ihm das Wohl der Gemeinde und ihrer religiösen Inftitntionen eine ernste Angelegenheit ist, hat sie einen Neologen erwählt, der öffentlich den Sabbat entweiht. Ob unser Herr Rabbiner unsere Gemeinde nach streng religiösem Sinne leitet, wie es seine Pflicht ist, darüber will ich mir kein maßgebendes Uriheil erlauben: aber ein leiser Zweifel steigt in mir auf, wenn ich bedenke, daß er einem Manne die Autorisation zum Schachten gegeben, welcher keine p'cn legt, einem Metzger das Schächten erlaubt, der selbst keinen koscheren Haushalt führt und am Sabbat Fleisch aushackt. Ich bezwecke mit diesem meinem Schreiben durchaus nicht, Streit und Zank in der Gemeinde zu erregen, sondern zu bewirken, daß solche Geschehnisse, wie oben geschildert, nicht wieder Vorkommen, resp. wieder nach Gesetz und Recht geändert werden. O c st c r r. - Unga r. M onarchie. Prag, 7, Februar. Herr Med. Dr. Goldschmidt hielt gestern Abend im Afike-Iehuda-Berein den angekündigten Vortrag „U e b e r dieMediziu der Bibel und des Talmuds." Der Vortragende, der sich, wie er in seiner Einleitung hervorhob, viel mit der Geschichte und dem Entwicklungsgänge der medizinischen Wissenschaft beschäftigt hat, wollte in seinem Vortrage den Nachweis liefern, wie groß der Antheil ist, den das jüdische Volk im Altenhnm zur Förderung und Weiterentwicklung dieses Zweiges der menschlichen 'Wissenschaft geleistet hat. Wie in dem menschlichen Organismus ein fortwährender Stoffwechsel stattfindet, indem derselbe neue Theile in sich anfnimmt, das Alte und Abgelebte von sich stößt und der Verwesung preisgibt und auf solche Weise neue Säfte und fträfte dem Körper znführt, ebenso ist der Vorgang auf dem Gebiete der geistigen Bewegungen. Auch hier findet ein immerwährender Kreislauf in den Ideen, ein Auf- und Illiederwogen der Shstente und Ansichten statt, was mau am charakteristischsten den g e i st ig e n Stoff w e ch s c l nennen könnte. Daher dürfen wir uns nimmer überheben, wenn wir auch scheinbar ans der Leiter der Erkenntnis;, die bis in den Himmel führt, um einige Staffeln höher stehen - es wäre dies ebenso lächerlich, wie der Zwerg, der ans den Schultern eines Riesen steht und sich deßhalb größer als diesen dünken würde - denn die Höhe, die wir erklommen, war nur möglich geworden, durch die Ersahrnngen "Und Entdeckungen aller uns voransgegangenen Geschlechter. Die epochemachenden Entdeckungen und die neuen Methoden eines Rokitanskv und Virchow gehören heute nur mehr der Geschichte an, denn sie sind durch verbesserte Methoden jüngerer Gelehrter überholt. Dennoch bildeten die Lehren der ersteren den Ausgangspunkt und die Richtschnur für alle folgenden Entdeckungen auf diesem Gebiete. Bon dem Gesichtspunkte müssen wir die Medizin der alten Völker ausfassen, llmsomchr muß eS nufer Erstaunen erwecken, wen» wir bereits bei den alten Hebräern in der talmndischen Zeit Methoden und Ansichten finden, die noch heute, bei den großartigen Fortschritten, die speeiell die Zeit auf diesem Gebiete gemacht hat, ihre Geltung nicht verloren haben. In dieser Beziehung hat der Vortragende einige frappante Beispiele beigebracht. Wir übergehen hier die Medizin der Bibel, die ja naturgemäß unreine geringe Ausbeute liefern kann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.