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Der Israelit · 1885-02-12 · Heft 12 (12.2.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 12 (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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205 gelb sollst Tu verwenden zum Dienste k* Stift zeltes..." Personen zählen, um zu wisst!!, nüc groß die Zahl eines Volkes ist, hat cinesthcils seine bedenkliche Seite. Ist die Zahl groß, dann wird man leicht stolz und übcrmnthig, pocht ans die Macht und wird gegen eine geringere Zahl leicht ungerecht, zählt und rechnet sich und jene nicht nach dem (schalte, nicht nach dem inneren Wertste und der inneren Tüchtigkeit, sondern nach der Anzahl der Stopfe. Je größer die Zahl sich herausstellt, um so mehr fühlt der (.Einzelne sich gehoben, größer und bedeutender. So besitzt in großen Staaten der Einzelne viel mehr Stolz und Selbstbewußtsein als der Bürger eines kleinen Staates. Gerade bei der Zählung aber, wo nicht der innere Werth, sondern nur das Individuum als solches in Betracht kommt, da soll uns klar werden, daß als Individuum Einer gleich ist dem Andern, Einer so viel zählt und so viel wertst ist, wie der Andere. Als Menschen sind wir Alle ganz gleich, ob reich oder arm, ob hoch oder niedrig. Jeder Einzelne ist nur ein Glied der Gesammtmenschhcit. Einer allein, nud wäre er noch so reich und mächtig, noch so klug und weise, würde doch nichts ausrichten können; er bedarf zu seiner Wirksamkeit,;nr Verwerthnng seiner .Strafte und Fähigkeiten der übrigen Menschheit. Und doch finden wir gerade bei so vielen Menschen diese falsche Selbstüberschätzung. Wie viele halten sich von besonderer Wichtigkeit, sehen sich als etwas Größeres und Besseres an und unterschätzen die übrigen Menschen. Nicinals aber kann eine solche lleberschätzung der eigenen Person von Nutzen sein, sie kann nur nachtheilig sein für ihn selbst, wie auch für Andere. Tenn wenn er in Wahrheit über Andere, durch materielle oder geistige Güter hervorragt, so wird er, bei dieser Selbstüberschätzung und Geringschätzung Anderer nicht den rechten Gebrauch davon machen, die Menschen wcrdcn auch von ihm nicht den Nutzen haben, den er ihnen vermöge dieser seiner Vorzüge hätte gewähren können. Sich selbst wird er mehr Feinde und Neider, als Freunde verschaffen, und er selbst wird mehr ein Feind, als ein Freund seiner Mitmenschen sein. Darum lautet die Vorschrift: „Wenn Du die Kopfzahl der Kinder Israel anfnimmst, dann soll Jeder ein Löfegeld seiner Person dein Ewigen geben bei der Musterung, damit unter ihnen keine Plage sei, wenn man sie mustert." — Vor Gott soll die Zählung vorgeuommen werden; vor Ihm sind alle Menschen gleich. Wenn auch die Menschen Nangunterfchiede kennen, wenn sie sich auch in höhere und niedrige!c Klassen cinthcilcn. das ändert aber doch nichts an dem eigentlichen Menschenwerthe. Und ein halber Schekel soll der Ncpräsentant des Neichen wie des Armen sein. Der halbe Schekel, der die Personcnzahl vertreten sollte, soll ein Lösegeld sein und zwar die halben Schekel znsannnen ein Lösegeld für die Gcsammlhcit. Wenn etwas Vollkommenes geschaffen werde» soll, da kann cs nicht der Einzelne allein vollbringen. Und wenn dieser Einzelne auch der Leiter, die Seele des ganzen Unternehmens ist, wenn er allein die Idee hergcgcbt» hat, wenn er allein auch den Bauplan entworfen, er also der Schöpfer des ganzen Baues wäre; ohne die ansführcnden .Kräfte könnte er niemals seine Idee verwerthcn und verlvirklichc». Seine hohe Idee, sein schöner Plan, sie wären au sich immer nur cm halbes, das erst durch die Mitwirkung Anderer zn einem Ganzen sich gestaltet. Diese Erkcnntniß seiner Halbheit, wenn er sich ausschließt ans der menschlichen Gesellschaft, wenn er nicht mit den Menschen znsammcnwirkt und schafft, lvcil er sich höher und besser dünkt, sie ist das versöhnende Moment, das die Menschen einander nähert, sie ans einander hinweist, ihnen mit zwingender Logik die Nothwcndigkeit ihres friedlichen Zusammengehens ans Herz legt, jede llcbcrschätznng und Anmaßung als eine Halbheit, die nur schadet und den Frieden stört, znrückwcisl. Und wie sollen diese zusammengetcgteu halben Schekel der Kinder Israels, dieses Löfegeld, durch das sic gleichsam ihre Personen frei kaufen von den engen und beengenden Schranken falscher Ansichten und Auffassungen über Menschenwcrth, und Menschenrecht, verwerthct werdend „Zum Dienste ini Stiftszclte." Als Beispiel der Verwendung des. halben Schekels wird uns in der mtson zn ’nano D'^pr erzählt .... pi2 er "rn p'zn p-!C 'prrr cm „sic sollen ansbessern die Nisse im Heiligthum, überall wo sich Nisse zeigen." Der halbe Schekel wurde bekanntlich am ersten Adar gesammelt, wenn der Winter vorüber war mit seinen Stürmen und schädlichen Wirkungen. Wir haben schon angedeutet, daß der halbe Schekel uns daran erinnern soll, daß der Mensch allein, auch im Großen nur Halbes leisten kann. Doch wenn der halbe Schekel richtig verwerthet und angcwendet wird, kann der Mensch, soweit eben irdische Wesen etwas Ganzes und Vollkommenes sein können, auch als Ganzes und Vollkommenes sich zeigen, wenn Geist und Körper harmonisch Zusammenwirken, wenn die schwache Kraft des

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