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Der Israelit · 1885-02-12 · Heft 12 (12.2.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 12 (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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104 äußer» Haltung durchzuarbeiten, welcher es zum Eintritt in neue Berufsarten geeignet macht. Jeder besonnene Jude wird cinräumcn, das; beispielsweise die Erfahrungen, welche man mit der Eröffnung der Insrizcarrwrc gemacht hat, so wenig schmeichelhaft für das Iudenthnm sind wie möglich, und das; das Ansehen desselben beim deutschen Volke nnr hätte gewinnen können, wenn dem Indenihnme diese Probe ans seine inzwischen erreichte Erziehnngsstnfe noch um ein Menschenalter hinausgeschoben worden wäre. Aehnliche Erfahrungen dürften dem Iudenthnm kaum erspart bleiben, wenn ihm schon jetzt das höhere Lehramt oder auch nur der Reservevssiziersstand in weiteren! Umfang plötzlich eröffnet würden. Das eifrige Drängen der Wortführer des Iudenthums nach sofortiger Eröffnung aller dieser Berufe muß in dem unbefangenen Beobachter den Verdacht wecken, das; es ihnen nicht sowohl um die Ehre, das Ansehen und das wahre Wohl des Iudenthums, als vielmehr um eine Machtsteigerung desselben für den weitern ftampf um die Herrschaft zu thuu ist." Wir brauchen diesen Auslassungen keinen wcirer» Eommcutar hinznznfügcn. Die schwere Beleidigung, die Herr v. H. den Juristen jüdischen Glaubens ins Antlitz schleudert zurückzuweisen, wollen wir einer fachmännischen Feder überlassen. Rur so viel wollen wir hier bemerken, das; es eine beträchtliche Anzahl jüdischer Juristen gibt, die ihrem Stande zur Ehre gereichen und das; es unter den nicht jüdischen Männern der Justiz au Leuten nicht fehlt, deren sich die Bernfsgcuossen zu schämen haben. In dem Kapitel „Zurücksetzung in der Gesellschaft" sagt Herr V. H. unseren Stamniesgenosseu manches bcherzigenswerthe Wort. „Die Mängel", schreibt er, „welche den heutigen Inden im Durchschnitt auhcften und ihnen ihre gesellschaftliche Stellung erschweren, stammen aus drei Duellen, die ihre Wirkungen durch eine lange Reihe von Generationen aufgehänft haben; erstens ans der Unfreiheit, Rechtlosigkeit und Unterdrückung, zweitens aus der Niedrigkeit und Ehrlosigkeit der früheren socialen Stellung und drittens aus der Einseitigkeit der bisherigen Berussthätigkeit. Das Indenthnm als Ganzes ist noch heute in der Lage des Sklaven, dem man die Metten gelöst hat, es zeugt für seine innere sittliche Thätigkeit, das; in dieser Lage seine Fehler ein immerhin eugbereuztcs Maas; nicht überschreiten." Herr v. H. ermahnt die Wortführer der Juden, die .ftlagen über unverdiente gesellschaftliche Zurücksetzung einznftellen und sich statt dessen in ernstliche Selbstsucht zu nehmen. Den Antisemiten aber gibt er aus, „in Erwägung zu ziehen, daß unter allen angeblichen Fehlern der Juden keiner ist, der nicht als historisches Product der Verhältnisse ausreichend erklärbar wäre, also keiner, den mau für ^ein unabänderliches Zubehör des ethnologischen Typus erklären, und bei dem man deshalb aus die Hoffnung einer vollständigen Abstellung verzichte!! müßte. Was in dieser Richtung erreichbar ist, zeigen die Abkömmlinge solcher jüdischen Familien, die schon seit mehreren Generationen dem Eentrnm der Bildung angchöreii; und wenn selbst bei solchen Individuen im Zustande des Affects oder des Sichgchenlaffens noch manchmal der „jüdische" Ton und die „jüdischen" Manieren wieder durchbrechen, so wächst doch von Generation zu Generation die Vollständigkeit der ttebcrwindung. Daß gerade in solchen kleinen Aeußerlichkciten die Ueberwindnng des Ererbten so schwer ist, liegt wohl daran, das; hier wirklich auch ethnologische Eigenthümlichkeiten mit in Betracht komme» z. B. eine orientalische Lebhaftigkeit des Temperaments in Gestikulationen und Rede, welche beide die würdevolle Zurückhaltung erschweren und die Borlautheit im geselligen ft reise wie die vordringliche Redesucht im Rarhe der Männer begünstigen." Derartige Vorwürfe und Ermahnungen nehmen wir ohne Widerrede entgegen und wünschen von Herzen, das; die Angehörigen des jüdischen Stammes sich durch Bescheidenheit und weise Zurückhaltung im Verkehre mit den Nichtjuden auszeichnen »lögen. Dagegen müssen wir auf das Entschiedenste gegen das allgemeine verbreitete und auch von Herrn v. H. gerheilte und ausgesprochene Bornrtheil proteftiren, „das; die Inden ihre Unfähigkeit zur Begründung und Behauptung eines selbstständigen nationalen Staatswesens zu Genüge erwiesen hätten." Mau ums; die Geschichte der Juden von einem höheren Standpunkte ausfassen, nicht unsere Unfähigkeit hat unser Staatswesen zerstört; es war eine höhere Hand, die uns als Werkzeug gebraucht, zur Erziehung des Menschengeschlechts, zur Verbreitung des Gottcsgcdankens, zur Vorbereitung des Gottesreiches aus Erden. (Fortsetzung folgt;. Aer lial'ße ScheKek. Von I)r. H. Sänger. „Einen halben Schekel soll ein Jeglicher gebe», der durch die Musterung geht als Hebe dem Ewigen. Der Gleiche nicht mehr, der Armee nicht weniger als Lösegeld für ihre Personen. Und dieses Löse-

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