Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1885)
- Date
- 1885-02-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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187 beiden Liebenden endet. Das Drama schließt mit dem Mürtyrcrtode Nabbi Akiba's, der zuvor sei» Volk auffordert, auszuharren und allein auf den allmächtigen Gott zu vertrauen. Nach althergebrachter Necensentenregel müssen wir nach reichlich gespendetem Lobe auch ein Wort dcS Tadels einflicßcn lassen, und da wollen wir denn nicht verhehlen, daß es uns sonderbar angemuthet hat, daß der gottbcgeistertc Messias Bilder ans der griechischen Mythologie anwendet und z. B. die Wirkung des Medusenhanptes schildert, lind wie sonderbar nimmt cs sich aus, wenn die sonst gleich einer Prophetin redende Jungfrau, die den Geliebten zu den größten und erhabensten Thaten anzuspornen strebt, wenn diese Jungfrau deklamirt: nrurn ns srna '::rr 'v Das ist in hohem Grade geschmacklos. Abgesehen von dieser kleinen Ausstellung können wir das Werkchen auf das Angelegentlichste empfehlen; es ist ein wcrthvoller Beitrag zur neuhebräischen Poesie. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfnrt a.M., 5. Fcbr. Mittwoch Abend hielt Herr Dr. Barnaß im Le re in für jüdische Geschichte und Literatur einen zweiten Vortrag über F l a v i u s I o s e p h u s und seine Zeit. Als unter Kaiser Nero Bespasian in Verbindung mit seinem Sohne Titus den Krieg gegen die Juden führte und die Römer alle Vorbereitungen trafen, Judäa zu unterjochen, schaute Flavins Josephus, der Gouverneur von Galiläa, in welcher Provinz damals 3 Millionen Menschen wohnten, unthätig zu. In Folge seiner Unthätigkeit einerseits und durch Verrath anderseits, wurde cs den Römern ermöglicht, die von den Einwohnern hcldenmüthig vertheidigte, bedeutende Festung Jotcphata zu nehmen, bei welcher Gelegenheit 40,000 Juden den Tod fanden und durch deren Einnahme das Schicksal Judäa's schon besiegelt war. Josephns selbst hatte sich beim Ausgang der Belagerung in eine Cisterne geflüchtet und traf dort mit 40 jüdischen Kriegern zusammen. Auf seine denselben knndgegebene Absicht, zu den Römern übergehen zu wollen, was er auch schon während der Belagerung mehrmals zu thun beabsichtigt hatte, machten sie ihm Vorwürfe und erklärten, sich lieber selbst tobten zu wollen, als sich dem Feind zu überliefern. Er aber war um eine Auskunft nicht verlegen; er hielt ihnen einen Vortrag über die Natnrwidrigkeit und Ungesetzlichkeit des Selbstmordes, und als dies keinen Eindruck auf sie machte, schlug er vor, daß sic sich selbst den Tod geben wollten, in der Weise, daß immer der erste von ihnen, den das Loos treffe, den nächstfolgenden tobten solle. Das Loos war dem Josephns günstig, denn, war cs Zufall, oder eine höhere Fügung, wie er sich selbst ansdrückt, er blieb allein mit einem einzigen übrig und diesen wußte er nun zu bestimmen, mit ihm zu den Römern zu gehen. Vor Bespasian geführt, erklärt er, er komme als Bote des Herrn, um ihm seine zukünftige hohe Würde zu verkünden, und seinen Blick zum Himmel wendend, pries er Gott, der ihn auserkor, nicht als ein Vcrräthcr, sondern als gehorsames Werkzeug in der Hand des Höchsten sich den Römern zu nahen. Bei der nun folgenden Belagerung Jerusalems durch Titus benützte dieser den Josephns, um Unterhandlungen mit den Belagerten anzuknüpfen, zu welchem Zwecke allerdings keine ungeeignetere Persönlichkeit gefunden werden konnte als Josephns, der bei den Inden durch die Erinnerung an seine Berrätherei den Haß auf's Neue entflammte. Von einem höher gelegenen Orte ans, wo er vor den Wurfgeschossen sicher war, redete er mit den Führern der Belagerung, wies sie auf die unwiderstehliche Macht der Römer hin, auf die Gewalt des Hungers und das Nutzlose jedes weiteren Kampfes, und als all'seine Worte nur mit Verachtung znrückgewiesen wurden, entblößte er seine Brust und rief ans, daß er gerne sterben wolle, wenn er wüßte, daß er den Tempel retten könnte. Redner schilderte hierauf die Kämpfe, Parieistreitigkeiten und Leiden innerhalb der belagerten Hauptstadt, wo man jetzt erst vollständig die verhängnißvollen Folgen der vcrrätherischen Handlungsweise des Josephns erkannte und dem Synhedrion, das denselben zum Gouverneur ernannt hatte, Vorwürfe machte. Die Zerstörung des Tempels sucht Josephns so darzustellen, als hätte Titus Alles aufgeboten, den Tempel zu retten; nicht gegen todte Mauern, sondern gegen lebendige Menschen kämpfe er, habe Titus gesagt, und es sei eine höhere Fügung gewesen, daß ein Legionär, wie von einem höher» Drange getrieben, ungeheißen ein Holzscheit in den Tempel geworfen und damit den Brand entzündet habe. Viel wahrscheinlicher ist die entgegengesetzte Behauptung, daß Titus, der ja die Juden unmenschlich behandelte und den man später fälschlich gepriesen und die Wonne des Menschengeschlechtes gcnannt hat, die Zerstörung des Heiligthums, in dem der einzige Gott verehrt wurde, angeordnet habe, um damit das Judenthum überhaupt zu vernichten.