Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1885)
- Date
- 1885-02-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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186 seien, aufzählen. Der Vers, hält vor allen Dingen Herrn Stöcker bei dem Bekenntnis; fest, daß er „Nngcnanigkeiten" in seiner Rede begangen habe. Ein öffentlicher Redner und zumal ein Geistlicher dürfe aber, meint der Verfasser, keine Ungcnanigkeit begehen, das sei eine Sünde. Von den mannigfachen „Ungenauigkeiten", deren sich nun Herr Stöcker in seinem „Christlich - social" schuldig macht, nur zwei, tfflffel hatte gegen St. bemerkt, er solle nicht so leichthin über den Talmud reden, als ob er. ihn gesehen hätte, darauf der Hofprcdkger „allerdings habe ich ihn nicht blos gesehen, sondern in der ilebersetzung auch gelesen, aber nicht genug, um ein gründliches Urthcil darüber zu haben." Im Original hat also Stöcker den Talmud nicht gelesen, hi der Uebcrsetzung aber kann er ihn nicht gelesen haben, ans deni einfachen Grunde, weil nur einige wenige Stücke existiren. — Ans einen Vorwurf Dassels hin, das; er nie ein deutliches Manifest darüber abgebe, daß er mit dem Geiste der „Ostcndzeitung" keine Gemeinschaft habe, antwortete Stöcker, das; er diese Zeitung nicht lese. Daß er sie nie benutze oder unterstütze, sagte der Hofprediger wohlweislich nicht; zur Illustration wartet Herr l5assel aber folgendes „Anecdötchen" auf: „Bei einer Gelegenheit stand ein bösartig Gedicht gegen mich in der „Ostendzeitung". Ich erhielt es zugesandt. Ich schickte es an die Redaction zurück. Nächste Woche, die dritte Woche, bekam ich sie wieder, ich sandte sie zurück. Da beim vierten Male änderte ich die Adresse und sandte das Kreuzband an den Hofprcdiger Stöcker zurück — und ich sah die „Oftendzeitnug" niemals wieder." Wie Herr Cassel über den Herrn .Hofprediger denkt, so denkt unzweifelhaft ein großer Theil der Conservativen in Berlin, und cs ist keine Frage, daß der anständige Theil der eonservativcn Partei den Hetzredner jetzt von sich abznschütteln sucht, — es geht dies ans neueren Kundgebungen der politischen Blätter über die Spaltung unter den konservativen deutlich hervor, — und so wird auch, wie noch überall, der Herr Hofprediger erfahren, das; die Weltgeschichte auch das Weltgericht sei. Auch gegen Hartman» wendet sich Cassel, dem erschlagend llnverstandniß der sogenannten Jndenfrage nachweist; doch treten die diesen betreffenden Widerlegungen durchaus gegen die ruhig und sachlich gehaltenen Angriffe gegen Stöcker zurück. Doch können wir die vorliegende Schrift nicht verlassen, ohne folgende Bemerkung zu machen. Man möchte vielleicht geneigt sein, unsere antisemitischen Gegner wenigstens, uns entgegcnzukjalten, daß wir moralisch käuflich seien, indem wir Gelegenheit nehmen, den Ruhm eines Mannes auszusprechen, der nicht allein die Reihen der Judenheit verlassen, sondern unter seinen früheren Glaubensgenosse» noch für sein neues Bekenntniß wirbt, einzig und allein deßhalb, w?il er jetzt eimnal für uns eintrete. Wir erwidern: nicht weil Cassel hier für die Juden eintritt, sondern obgleich er sie einem Stöcker gegenüber in Schutz nimmt, rühmen wir seine That. Wir erkennen es ganz klar, und Cassel macht kein Hehl daraus, daß er das bösartige Auftreten Stöckers in erster Linie deßhalb bekämpft, weil es die Thätigkeit der Mission gefährdet; doch liegt in diesem aufrichtig ausgesprochenen Streben und in dem demgemäßcn Handeln wenigstens Redlichkeit und ein Gefühl, das die Menschlichkeit nicht verleugnet, während die doppelzüngige Hetzthätigkeit Stöckers, der sich mit dem Mantel religiöser Liebe umkleidet, während er Nngenauigkeiten predigend den Aufruhr in die Massen wirft, nicht genug gebrandmarkt werden kann, und wir jede Zurechtweisung desselben mag, sie von einer .Seite kommen, die von uns keine Sympathie beansprucht, und für welche wir eine solche nicht haben können, begrüßen. Nicht um unseretwillen, nicht der Person Stöckers wegen, sondern um des Friedens der Welt willen, der Chre nuferes Zeitalters wegen. Literarischer Bericht. Bar- K 0 ch b a, Dramatisches Gedicht in fünf Acten von Juda L. Landau. Lemberg 1884, Krakaner-Platz 26. In reinem klassischen Hebräisch führt uns der Verfasser in schönen, schwungvollen Versen die Heldengestalt des Var-Kochba vor. Die meisten unserer geehrten Leser werden sich wohl noch aus unserer Erzählung „Akiba" der ausführlichen Schilderung erinnern, die wir über den letzten Kampf des jüdischen Volkes gegen das römische Weltreich veröffentlichten. Bar-Kochba, ein gewaltiger Kriegsheld, ein Jüngling von vorzüglichen Eigenschaften des Geistes sowohl wie der äußeren Gestalt, hielt sich für den heißersehnten Messias und erlangte auch die Anerkennung des größten Mannes seiner Zeit, Rabbi Akiba's. Der angebliche Massias hatte jedoch auch in jüdischen Kreisen Gegner, die ihm die Anerkennung verweigerten. Zn diesen gehörte Rabbi Jochanan ben Thoratha. Der Verfasser läßt ein Liebesverhältniß zwischen dem zum Könige von Juda proclamirten Bar-Kochba und der einzige» Tochter seines Gegners bestehen, was zu einem tiefen dramatischen Consliete führt und mit dem Tode der