Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1885)
- Date
- 1885-02-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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182 gen Pächter gefunden. Der Pächter ist ein Jude, und ist vollkommen zufrieden mit der Arbeit seiner (Glaubensgenossen, welche durch Fleiß, Sparsamkeit, und Nüchternheit volle Anerkennung in der Ilmgegend sich erwerben. Moses Hochberg. Türkei. 5rottftatttinopel. Zwischen dem Oberrabbincr Moses Levi (S'ffciibt und den Gemeindevorstehern ist ein Streit ansgebrochen. Die Ursache des Streites ist das Bestreben der Vorsteher, Reformen und Neuerungen cinznführen, zu welchen der Rabbiner seine Zustimmung nicht crtheilen will. Der Herausgeber des „Telegraph" Herr Freskn trat in seiner Zeitschrift heftig gegen den Oberrabbiner ans. In Folge dieses hat der Kultusminister das Erscheinen des genannten Blattes verboten und die Wiedcrlicrausgabe desselben erst dann gestattet, nachdem Herr Freskn dem Oberrabbiner Abbitte geleistet hatte. M a r o c c o. Fez. Immer und immer kommen Nachrichten aus Marocco, die von der grausamen Behandlung der Inden seitens der Behörden berichten. In dem kleinen, drei Stunden von der Hauptstadt entfernten Städtchen Sefou lies; der Sohn dcsEcnd den isr. Schuhmacher Schalum bcnHavnch, weil dieser eine Arbeit aus Mangel au den nöthigcn Materialien nicht fertigen zu können erklärte, fesseln und ihm 700 Stockschläge crtheilen, so das; dieser wie todt liegen blieb. Seine Glaubensgenossen brachten ihn nach Fez, um ihn heilen zu lassen. Dort wurde durch Notar und Arzt sein beklagcnswerther Zustand constatirt; aber an eine gebührende Strafe des Miffethäters ist nicht zu denken. Feuilleton. Der ßourier. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser von „(Gabriel.") (Fortsetzung.) Alle blickten vor Spannung athemlos dem ungewöhnlichen Zuge, der sich nunmehr rasch näherte, entgegen. Bald nahmen Alle wahr, daß Davids scharfes Auge richtig erkannt hatte. Ein junger, bildschöner Lieutenant sprengte heran, in einer Distanz von 40 bis 50 Schritten folgte ein altgedienter Wachtmeister, hinter diesem von einer Staubwolke umflort, von einem Trainsoldaten geführt, ein Wagen, in welchem ein gefesselter Mann, zwischen zwei Soldaten saß, vor und hinter dem Wagen ritten je zwei, an jeder Seite desselben drei Dragoner. Als der Offizier in die Nähe des Pfarrers gelangte, hielt jener an, und dieser erkannte den Lieutenant, den jungen Fürsten, der gestern den feindlichen Offizier sterbend in seine Wohnung gebracht. Der Offizier senkte den Degen und sprach: „Herr Pfarrer, Sie befanden sich ohne Zweifel auf der Rückfahrt in Ihr Pfarrhaus. Ich habe Sie lebhaft bedauert, als Sie nach einem in höchster Aufregung verlebten Tage in später Nacht zu einem Sterbenden gerufen wurden und voraussichtlich Ihre ganze Nachtruhe opfern mußten. Aber ich habe die Hingebung, mit welcher Sie, hochwürdiger Herr, in so vorgerücktem Alter noch Ihres Amtes walten, geradezu bewundert." Der Pfarrer lehnte das aufrichtige Lob des jungen Kriegers mit einem leisen Schütteln seines ehrwürdigen Hauptes ab. „Ihr Stand legt Ihnen noch weit härtere und schwerere Verpflichtungen auf, als mir der Meinige." „Der Soldat ist zu blindem Gehorsam verpflichtet; diese freie Willensbeschränkung, erscheint mir als das Schwerste im Dienste des Vaterlandes," erwicderte der Offizier mit Beziehung. „Sie werden wohl erstaunt sein, hochwürdiger Herr, mich hier zu sehen, während unsere Armee im siegreichen Vorrücke» begriffen ist, und hoffentlich bald neue Lorbeeren erringen wird. Indessen, ich habe es schon gesagt, man kann sich den Dienst nicht wählen. Ich habe die wenig erfreuliche Aufgabe einen höchst gefährlichen Staatsverbrecher, einen Hoch- und Landesverräther nach Prag zu escortiren." Während dieses kurzen Gespräches war die Kolonne angelangt und hatte ohne Kommando Halt gemacht. Durch die Nähe und dadurch, daß beim Stillstehen die aufwirbelnde Staubwolke sich legte, wurden die Züge des Gefangen» erkennbar; — es war dies Arnsberg, der bleich, mit wuthverzerrten Mienen, sich den Blicken seiner ehemaligen Unterthanen, die er tyrannisirt hatte, preisgegeben sah. Der Pfarrer und die Blochner'sche Familie waren nicht überrascht. Bevor sie noch Zeit gehabt hatten, sich dies gegenseitig mitzutheilen, war plötzlich der naheliegende Gedanken in ihnen erstanden, daß Niemand Anderer als Arnsberg der Gefangene sei, — aber die andern Dorfbewohner, die bisher vor dem strengen Oberamtmann gezittert hatten und im Staube gelegen, waren im höchsten Grade erstaunt. „Er, der Herr Oberamtmann!" ertönte es aus Aller