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Der Israelit · 1885-02-09 · Heft 11 (9.2.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 11 (9.2.1885)
Date
1885-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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181 es half ihm Nichts, dcuu die schwarzen Haare hatten cs den Anderen angethan, und so hallte ihm der Ruf „Juden raus" noch nach, als er die Thür des ungastlichen Restaurants schon von draußen zuqemacht hatte. Oesterreich. In Sereth ist der Gutsbesitzer L. Achncr, einer der reichsten Männer in der Bukowina, gestorben. Achner lebte ungeachtet seines Reichthums sehr sparsam, so daß er als Geizhals galt. In seinem Testamente hinterließ er sein ganzes Vermögen für israelitische Wohlthätigkeitsanstalten. Budapest, 1. Februar. Heute Vormittag ward das Bildniß des Vicepräsidenten der Handelskammer und des LörsenrathcS Alois Straß er, im großen Saale der Pesthcr Lloydgesellschaft feierlichst enthüllt. Bei dieser Gelegenheit wurden Straß er viele und herzliche Ovationen dargebracht. Baron Friedrich Hochmeister hielt eine längere Ansprache, ans welche jener gerührt dankte. Der Feierlichkeit wohnte ein zahlreiches, der Elite der hiesigen Kaufmannschaft angehöriges Publikum bei. DaS Portrait des Gefeierten — in Kniebild — wurde von G e o r g V a ft a g h gemalt. Straße r ist Komthonr des Franz-Jofephs-Ordens und Vorsteher der hiesigen JSraelitcngemcinde. Der leitende Director der Elisabeth-Dampfmühl- Aktien-Gescllschaft, Herr Jgn. Oesterreicher, ist nach längerem Leiden — 42 Jahre alt gestorben. Der Verstorbene war ein tüchtiger praktischer Geschäftsmann, der seine ersten Dienstjahre bei dem genannten Institute alS Einkäufer verbrachte und seit einer Reihe von Jahren die Dircction führte. — Die Wittwe und vier unmündige Kinder, zahlreiche Freunde und Angehörige betrauern den Hingeschiedenen, der sich in Bürgerkreisen großer Sympathien erfreute. R u ß l a n d. Petersburg, 4. Febr. Die „Neue Zeit" meldet: Der Judenkommission gingen nunmehr die "Resolutionen der Lokalkommissionen für die Judenfrage aus neun südlichen und südwestlichen Gouvernements zu. Dieselben seien bezüglich der Frage der Erweiterung des Ansiedelnngsrayons für die Juden theils ablehnend theilS znstimmend; dagegen sprachen sich die Lokalkommissionen fast einstimmig dafür ans, daß sämmtliche Specialstenern der Juden wie Korobtafteuer u. s. w. sowie die jüdischen unteren und mittleren Scparatschuleu aufzuheben und der gegenwärtige FührungsmodnS der jüdischen Standesregister nmzuändern sei. Die Zahl der jüdischen Delegirten zu der städtischen Kommunalverwaltnngcn seien zu beschränken. Petersburg. Am russischen Neujahrstag wurde der wirkliche Staatsrath Samuel Poliakow zum wirklichen Geheimrath ernannt (der erste Fall in Rußland); der wirkliche Staatsrath Dr. Hirschhorn erhielt den Wladimirorden und der bekannte Gelehrte Tr. Harkavy ist zum wirklichen Staatsrath erhoben und zu gleicher Zeit mit dem StaniSlansorden 2. Klasse decorirt worden. Jaltonfchkow (Podolien.) Vergangenes Jahr wurde bei uns eine Talmndthoraschulc gegründet, in welcher einige jnngeLcnte unserer Stadt, die Kinder des jüdischenProlctariatS, in Hebräisch, Russisch, Arithmetik unterrichtet wurden. Im Verlaufe eines Monats ist die Zahl der Schüler auf 30 gestiegen. Zur Unterhaltung der wohlthätigen Talmud-Thora hatten sich die hiesige Plntokraten verpflichtet, die nöthigen Mittel zu geben. Nach einigen Monaten zogen sie ihre Unterstützung mit der Entschuldigung zurück, daß sie nur verpflichtet wären, ihre eigenen Kinder zu unterrichten. Durch die Suspension dieser Zahlungen mußte, die Talmud-Thora wieder aufgehoben werden. Nunmehr -verbringen die armen Kinder ihre Tage in Müssiggang. Das sind die Folgen des JndiffercntiSmus und des Egoismus der hiesigen Plntokraten! In Nr. l00 Ihres geschätzten Blattes berichten Sic, daß die hiesige Administration einen Befehl erhalten, die Juden aus einigen Dörfern und Flecken anszntreiben. Wie ich von einer sicheren Quelle gehört, hatte im Gegenthcil der Podolier Gouverneur ein Eirculär erlassen, daß die Administration kein Recht habe, die Juden, welche in den Dörfern und Flecken wohnen, anszntreiben. Sie mußte vorher ein Protokoll mit Motiven ausstellen, und solches dem Gouverneur zur Bestätigung zustcllen. Ein bon-mot erzählt man von dem Podolier Gouverneur. Vor einem Monat hatte er eine Revision im Gouvernement gemacht, und bei einem Eommissär (Pristaw) ein Protokoll gefunden, welches lautete: einen preußischen Jude von seinem Rayon auszutreiben. „Treiben Sic mich auch aus von ihrem Rayon, denn ich bin auch ein Ausländer," sagte ironisch der Gouverneur. In dem nächsten Städtchen Mezirow, haben viele unserer Glanbcnsbrüder Arbeit bei dem dorti-

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