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Der Israelit · 1885-02-09 · Heft 11 (9.2.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 11 (9.2.1885)
Date
1885-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ISO wir haben aber das Recht auf unserer Leite und darum stark. Das ist die Lösung des Räthscls von der Unbesiegbarkeit der Minorität, denn Recht muß Recht bleiben. Wir wollen auch nichts als Recht, daru nt können wir keine Konzessionen machen. Jede Konzession wäre ein Zugeständnis;, daß wir mehr erstreben,^als uns mit Recht gebührt. Wir kämpfen nicht einmal um unser Recht; wir warten geduldig; geduldig, aber beharrlich. Es ist uns nicht gleichgiltig, 'ob wir geliebt oder gehabt werden, unser Streben ist im Interesse der Wahrheit des Judcnthums dahin gerichtet, im Handel und Wandel, im Thun und Lassen vollkornm-m zu werden. Möge jeder einzelne Jude Einkehr bei sich halten, sich fragen, ob er immer sein Judenthum vor Augen hat, wenn er Tinge thut, die man ihm und seinen Glaubensgenossen als Schmach anrechnet, möge zunächst jeder in seinem Kreise treu seiner Pflicht Nachkommen, dann wird schon kommmen der Tag, an dem sich uns alte Völker in Liebe und Bewunderung nahen werden. Das ist die einzige Taktik, die uns bleibt, um Liebe zu erwerben. Ob uns jedoch schon heute Herr N. N. haßt oder liebt, diese Erwägung darf uns nicht beeinflussen, auch nnr ein I-Tüpfelchen des Judenthnms preiszugeben. Wir sind einmal Juden mit Allem, was dazu gehört, und das darf dem Staatsgesetze gemäß Niemanden kümmern, so lange wir Geld- und Blutsteuer zahlen und den Staatsgesctzen genau Nachkommen. Dafür hat uns der Staat mit seiner ganzen Macht zu schützen. Das liegt im Interesse der Gesellschaft. Ja, noch mehr! Wenn ein Jude ein Gesetz verletzt, wird er als verbrecherischer Bürger und nicht als Jude bestraft. Der Richter hat die verbotene Handlung und nicht die Weltanschauung zu bestrafen, und die andern Bürger dürfen gar nichts bestrafen. Fühlt er sich in seinem Rechte irgendwo und irgendwie beeinträchtigt, so führt ihn sein Weg zum Richter. Daru»; fürchten wir weder den ungebildeten, noch den gebildeten Pöbel. So klug werden die geehrten Herren schon sein, trotz ihres die Geister allerdings benebelnden Hasses, ihrem Hasse nicht das auch sie schützende Recht zu opfern. Trösten wir uns, dieser Haß ist in der Geschichte nicht nen, er kam schon öfter vor und ging immer noch vorüber. Die sittliche Welt ist in einer Metamorphose begriffen. Diese Uebergaugsperiode ist wie die Periode des Zahnens mit Schmerzen, mit Gesammtübclbesinden verbunden. Warum sollen nun die Juden dabei ganz leer ansgehen? Das alte Rezept wurde nun wieder hervorgeholt; nur hantirt die bekannte Praktik mit neuen Begriffen. Weil die Juden nicht als Analphabeten aufwachsen, spricht man von dem die Welt unterjochen wollenden Judenthum, statt es ihnen nachzumachen und ebenfalls auf die Erziehung der Kinder mehr Sorgfalt zu verwenden. Wir bleiben beharrlich in unserer jüdischen Weltanschauung, weil wir sie als diejenige anfehen, in deren Gefolge der Frieden.und die Glückseligkeit der Menschheit einherzieht. Darum, wenn schon Friedensbotschaften verkündet werden sollen, so werden wir auf unsere Propheten Hinweisen, die doch älter und für uns auch authentischer als Andere sind. Wie sagt der Prophet? „Fördert das Wohl des Staates nach Kräften, betet für dasselbe zu Gott, denn nur im Wohlergehen des Staates liegt euer Heil. Laßt euch nicht irreführen von den sich Propheten nennenden Taktikern, nicht von ihren Kunststückchen, träumet euch nicht selbst in einen Wahn hinein. Lüge ist es, wenn sie bei ihren Belehrungen meinen Namen im Munde führen, sie verkünden nicht meine Botschaft, spricht der Herr." (Jes. 29. B. 7—9.) S. St. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Ein tragikomisches Geschick ereilte dieser Tage einen Mitarbeiter des antisemitischen „Deutschen Tageblatts" und kann als humoristischer Beitrag zu den Wunderlichkeiten des Antisemitismus gelten. Besagter Herr, der stolz ist mtf das tadellose Schwarz seines martialischen Schnurrbarts und auf die lockige Fülle seines Haupthaares, betrat dieser Tage mif dem Wege nach dem Cirkus Renz ein Restaurationslokal in der Karlstraße. Kaum hatte er die Schwelle der Gaststube überschritten, da wurde es unter den Gästen ganz auffallend lebendig; man steckte die Köpfe zusammen, es ging ein unheimliches Kichern und Zischen durch die Räume und plötzlich erscholl in; lärmendsten Fortissimo der Schlachtruf: „Inden raus! Knoblauch! Juden raus!" Der ahnungslose Pilger sah sich erst mit lächelnder Miene nach dem Opfer des furor antisemiticus um, er freute sich über das harmlose Untcrhaltungsspiel, endlich aber wurde es ihm klar, jdaß er selbst die Adresse, an welche jene freundliche Aufforderung gerichtet sei. Nun wars mit Lust und Scherz vorbei. Vergebens betheuerte der also Verkannte seine „Unschuld", vergebens verwies er auf seinen Taufschein und seine echt christliche Abstammung —

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