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Der Israelit · 1885-02-05 · Heft 10 (5.2.1885) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 10 (5.2.1885)
Date
1885-02-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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174 alters bezeichnet wurde, (yiit zwiefaches Wunder war geschehen, nur seine Geburt zu ermöglichen: das eine, das; sein Vater vom Tode errettet wurde; das andere, das; seine Mutter dem geliebten Gatten selbst nach dessen vermeintlichem Tode die Treue bewahrt hatte; sonst wäre ja nach jüdischem Gesetze die Wiedervereinigung unmöglich geworden. Zewi Aschkenan, geboren im Jahre l(>r>6, verlebte seine Jugend in Ofen, wohin sein Vater als Rabbiner berufen worden war. _ Ofen (Buda) stand damals unter türkischer Herrschaft. So kam cs, daß der junge Zewi seine Studien auf der Hochschule zu Salonichi machte. Gr hatte noch nicht das achtzehnte Lebensjahr erreicht, als der Ruhm seiner Gelehrsamkeit bereits in weite Fernen drang. Nach Ofen znrückgekchrt, vcrheirathete er sich mit der Tochter eines reichen Mannes und lebte ausschließlich seinen Studien. Aber ein schreckliches Unglück brach über ihn herein. Bei der Belagerung von Ofen verlor er nicht allein seinBermögen, sondern auch seine junge Iran und ein Töchterchcn. Er war nunmehr gcnöthigt, eine Stelle anznnehmen und wurde als Rabbiner nach Bosna-Serai berufen. Aber auch hier war seines Bleibens nicht lange. Ans die Nachricht hin, das; seine Eltern und Geschwister in Gefangenschaft geratheu waren, legte er seine Stelle nieder, um in die Welt zu ziehen und seine Verwandten zu befreien. So kam er bis nach Altona, wo er als tilausrabbiner ein Unterkommen fand und in zweiter Ehe die Tochter des damaligen Oberrabbiners von Hamburg, Altona und Wandsbcck heilnführte. Hier war es, von wo aus sein Ruhm die ganze Welt erfüllte; hier veröffentlichte er durch den Druck den ersten Theil seiner Rcsponscn, Ehacham Zewi genannt, ein Titel, der nunmehr seiner Person beigelegt wurde, so das; auch wir diesen Namen zur Ueberschrift dieser Skizze gewählt haben. So groß war der Ruf des Klausrabbiucn von Altona, daß die Sephardim-Gemeindc zu London ihn bei Streitigkeiten mit ihrem Rabbiner, David Nieto, zuin Schiedsrichter erwählte. Im Jahre 1710 wurde Chacham Zewi als Oberrabbiner der hochdeutschen Gemeinde nach Amsterdam berufen. Um diese Zeit trieben die Anhänger des falschen Messias Sabbathai Zewi ihr Wesen und suchten die Israeliten von dem Bekenntniffe des einzigen Gottes abwendig zu machen. Ein Sendbote der Sabbatianer, Namens Ehajon, war nach Amsterdam gekommen und hatte unter der Maske der Scheinheiligkeit bei der portugiesischen Gemeinde daselbst großen Einfluß erlangt. Ihn entlarvte der Sendbote aus Jerusalem, Rabbi Moscheh Ehagis,*) worauf dann der Obcrrabbiucr der deutschen Gemeinde alle Hebel in Bewegung setzte, um den gefährlichen Heuchler und Betrüger unschädlich zu machen. Allein er fand bei diesem Bestreben Widerstand bei den Rabbinen und Vorstehern der portugiesischen Gemeinde. Wiewohl nun die bedentendsten Männer der Zeit, der greise Rabbiner von Mantua, Leon Brieli, und viele andere dem Oberrabbinen von Amsterdam zu Hilfe kamen und Ehajon als einen Heuchler brandmarkten, wiewohl fast fäunntliche deutsche, italienische, polnische und afrikanische Rabbinen für Ehacham Zewi Partei ergriffen und den Heuchler Ehajon in den Baun thaten, so mußte doch der Oberrabbiuer der deutschen Gemeinde zu Amsterdam befürchten, daß die einflußreichen portugiesischen Gegner von der Regierung ein Ausweisnugsdecret gegen ihn erwirken würden. Er zog es im, Amsterdam freiwillig zu verlassen. Er begab sich nach Lemberg, wo er am zweiten Neunwndstage des Monats Jjör im Jahre 5475 (1715) sein vielbewegtes Leben beschloß. Nicht allein seine wunderbar große Gelehrsamkeit, sondern auch die edlen Eigenschaften seines Eharacters, seine Uncigcnnützigkeit, seine Genügsamkeit, sein muthiges Eintreten für gekränktes Recht und vor allem sein Feuereifer für die Reinhaltung unserer heiligen Lehre, haben sein Andenken unsterblich gemacht. Aic verlorene Heldkatze. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts gab es noch keine Eisenbahnen; sogar die Postverbindungen waren unregelmäßig und die Wagen schlecht. Wer zu jener Zeit rasch vorwärts kommen wollte, machte die Reise zu Pferde. So that auch Herr Sannal Levy ans Berlin, der die Frühjahrsmesse in Frankfurt a. d. O. besuchen wollte. Nach einem harten und schweren Winter war plötzlich Thamvctter eingetreten, der Schnee war geschmolzen, Flüsse und Bäche waren angeschwollen und hatten vielfach Stege und Brücken hinweggespült. Herr Levy ritt wohlgemuth seines Weges. Er war seit einigen Jahren verheiratet, hatte eine Frau, die er unaussprechlich liebte, und ein Söhnchen und ein Töchterchcn, welche die Freude seines Herzens waren. Das Geschäft, das er bei seiner Verheiratung von seiner Schwiegermutter — der *) Verfasser des vieles Ausgabe» des Ioreb deah beigedruckten mpn cp*».

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