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Der Israelit · 1885-02-05 · Heft 10 (5.2.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 10 (5.2.1885)
Date
1885-02-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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167 lichen Verein „Mckor-Chajim" einen äußerst interessanten Vortrag vor einem zahlreich erschienenen Publikum. Der geistvolle Redner hob hervor, wie im Anfänge dieses Jahrhunderts „Jerusalem rcsp. Palästina" das Schibbolcth zweier Parteien unter den deutschen Inden gewesen sei, von denen die eine in übertriebenem und falschem Rational itatsdünkel die Sehnsucht nach dem heiligen Lande der Vater, der Statte aller nationalen Hciligthümcr, unterdrücken zu müssen glaubte; während die andere, trotz ihrer gut deutschen Gesinnung Jerusalem nicht vergessen konnte. Zwar haben sich heute diese Gegen? sätze unter den Inden ausgeglichen, cs hat eine richtigere und bessere Anschauung unter ihnen Platz gegriffen, aber betrübend sei cs doch, daß so sehr wenige jüdische Gelehrte sich dem großen Streife von Forschern aus allen Stationen anschlicßcn, die die Kenntnis; des heiligen Landes durch ihre wissenschaftlichen Reisen und Abeitcn zu vermehren suchen. Ebenso sehr aber sei cs zu bedauern, daß die jüdische Laienwclt so gar wenig Interesse den Ergebnissen solcher Forschungen entgcgenbringt. Das Bestreben, dieses Interessen zu wecken und zu beleben, habe den Redner zur Wahl dieses Thcma's veranlaßt. Nun schilderte der gewandte Redner in höchst anschaulicher Weise eine Reise vom Norden Palästina's bis nach dem Süden dem Jordan entlang, und geleitete von diesem ans die Hörer ans Ausflüge, durch welche die Berge, von denen aus ein Umschau möglich ist und die Orte, die historisch merkwürdig sind, berührt werden. Längere Zeit verweilte er bei den historisch und cnlturgeschichtlich merkwürdigen Punkten Palästinas. — Der höchst beifällig aufgeuommcuc Vortrag fesselte das zahlreich erschienene Publikum durch die interessante Behandlung, wirkte belehrend durch die Fülle wissenschaftlichen Materials, das der gelehrte Redner hineinzuweben verstand und erfüllte den Zweck der Erweckung des Interesses für die Forschung auf diesem Gebiete. — Redner stellte noch einen zweiten Vortrag in diesem Winter in Aussicht, wovon die Anwesenden mit Befriedigung Akt nahmen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Man darf gegen die Juden aufreizen, wenn dies nur nicht in öffentlicher Versammlung geschieht. Dieses Urthcil hat ein ungarisches Gericht im Namen des Königs gefällt! Der Gastgeber Georg Grin in Zschambek stand dieser Tage vor dem Strafgerichte des Pesther Laudbezirkes unter der Anklage der Aufreizung gegen eine vom Staate anerkannte Religionsgcsellschaft. Der Angeklagte hat am 6. Juni v.' I. das Volk gegen die Juden aufgehetzt; er versammelte um sich einige Gleichgesinnte auf der Straße, beschimpfte den zur Synagoge gehenden Vorsteher Max Steiner und bewarf ihn mit Steinen. Am 12. Juni durchzog er mit einer Zigeunerbande die Straßen und schrie: Die Juden müssen endlich einmal ausgetricben werden, ich übernehme es, allein mit 10 Inden fertig zu werden. Sechs Zeugen bestätigten diesen Sachverhalt. Ter Gerichtshof hat den Angeklagten freigesprochen, „weil die Aufreizung nicht in öffentlicher Versammlung" begangen wurde. Ob es einen öffentlicheren Ort gibt, als eine von Menschen bewohnte Straße, wird wohl Jeder zu beurthcilcn wissen. In Budapest starb der fromme, hochbctagtc Herr S. A. Fr i ed m a n n im Alter von 102 Jahren. In den besten Verhältnissen lebend — er war Großhändler und Hausbesitzer — pflegte er mit besonderer Liebe das Thorastudium und befaßte sich viel mit der hebräischen Literatur. Eine seiner Töchter ist die Gattin des Rabbiners Löffler in Szenitz. All seiner Leichenfeier betheiligten sich viele religiöse und auch weltliche Vereine, sowie ein großer Thcil der hauptstädtischen Bevölkerung. Rabbiner Eleazar P oll ak hielt den wohlverdienten Nachruf in würdiger Weise. Fried mann erlebte vier Generation. Möge er in Frieden ruhen! Die Bnchbindcrgchilfen Ladislaus Arki, Johann Varga, Johann Kalman und Stefan Lcngycl fertigten im August vorigen Jahres in Theresiopcl Plakate mit der Aufschrift an: „Schlagt die Juden!" Der Budapester k. Gerichtshof vcrurtheilte deshalb Ladislaus Arki zu 21/* Jahren Zuchthaus, Varga und Kaliilan zu je 6 Monaten und Lcngyel zu 14 Tagen Staatsgcfäugniß. Der III. Strafsenat der k. Tafel kassirte heute dieses Urtheil und ordnete die Abhaltung einer neuerlichen Verhandlung an, lveil der Vcrtheidkgcr des Hauptangeklagten von dem Termine der ersten Verhandlung nicht ordnungsmäßig verständigt worden war. Budapest. Dem „B. T." wird geschrieben: In der hiesigen Kornhalle gibt cs außer ungezählten Mitgliedern mosaischer Konfession auch drei christliche Agenten; einer derselcn wurde vor Kurzem insolvent — in der heutigen Zeit ist das kein ausschließliches Privilegium der Inden mehr — und konnte seine Differenzen im Gesanimtbetrage von neunhundert Gulden nicht zahlen. Er that daher, was so Viele in ähnlichen Fällen von ihnen gethan haben und noch thun werden, er stellte nämlich seinen Gläubigern, je nach Maßgabe ihrer Forderungen

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