Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1885)
- Date
- 1885-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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161 Wriczen, im Januar. Die feierliche Eröffnung und Einweihung des Gotteshauses unserer Glaubensgenossen hat am 6. d. M. Hierselbst unter zahlreicher Betheiligung von Männern aller Berufsgattungen, der Vertreter städtischer Körperschaften, des Magistrats und der Stadtverordneten, welche vollzählig waren, stattgefunden. Aus der Hand des Baumeisters Müller aus Küstr'm, nach dessen Plänen der Maurer- und Zimmermeister JariuS den Bau ausgeführt hatte, empfing der Gemeindc- Aeltcste, Marcuse, den Schlüssel zur Eingangsthür, und dieser übergab denselben dem Bürgermeister Dormann, welcher unter Hcrabstchung deS Segens des Höchsten das Gotteshaus öffnete. Nachdem die Festversammlung die Räume gefüllt und ein liturgischer Gesang die Feier eingeleitet, hielt Dr. Frankl aus Berlin die Weiherede, welcher abermals Gesang und Segen folgte. Die Theilnahme war eine so allgemeine, daß unsere Glaubengenossen mit Stolz auf diesen Fest- und Ehrentag zurückblicken können. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pesth, 31. Januar. Folgender Vorfall beschäftigt gegenwärtig die juristischen Kreise. Am 23. Oktober 1881, um 7 Uhr Abends, wurde der Friedeilsrichter Johann Hozda in der belebtesten Straße des Dorfes Borfa im Marmaroser Eomitat an der Grenze der Bukowina ermordet aufgefunden. Da man die Uhr, den Ring und die Brieftasche beim Ermordeten vorfand, drängte sich die Vermuthung auf, daß hier ein Rache-Akt vorlicge, und der Verdacht lenkte sich auf die jüdischen Ortsbewohner, denn Hozda pflegte an Sonntagen im Wirthshause Vorlesungen aus den Schriften Jstoczy's zu halten und hetzte auch sonst gegen die Juden. Da gerade Sonntag war, rottete sich eine starke Menge zusammen und verlangte von einem behördlichen Organe, bei den Inden Hausdurchsuchungen vorzunehmen. Diese blieben erfolglos, da man keine Anzeichen fand. Das Resultat der eingeleiteten Untersuchung war, daß drei rumänische Einwohner unter Eid aussagten, sie wären zufällig Augenzeugen der blutigen That gewesen und hätten gesehen, wie Schmil Lax u«b Naftali Mendelovics den Friedensrichter ermordeten, mld mw weil sie Angst gehabt, hätten sie die That nicht verhindert. EineReihcjüdischcr Zeugen aber wies ein Alibi der Angeschuldigten nach. Der Gerichtshof von Marmaros-Sziget fällte hierauf ein freisprechendes Urtheil, welches auch die königliche Tafel bestätigte. Der Oberste Gerichtshof jedoch erkannte auf Schuldig und verurtheiltc beide Angeklagten wegen vorsätzlicher Tödtung zu einer je zwölfjährigen Zuchthausstrafe. Mendelovics entfloh, Lax trat die Strafe an, verlangte aber im Januar 1882 die Wiederaufnahme des Prozesses, indem er behauptete, daß die belastenden Zengen falsche Anssagen gemacht haben und daß er Zeugen stellen werde, vor denen Ersterc sich gebrüstet, durch falsche Aussage den Juden einen Streich gespielt zu haben. Der Prozeß wurde wieder aufgcnommcn. Einer der drei Zeugen revocirte wirklich seine Depositionen: die zwei anderen bcharrtcn auf ihren ursprünglichen Angaben, wurden aber von mehrern Zeugen der Unwahrheit überführt. Der Localaugcnscheiu ergab, daß die Zeugen von dem durch sie angegebenen Orte einen Mord gar nicht scheu und am allerwenigsten den Thäter erkennen konnten. In Folge bcffcu wird nun eine abermalige Verhandlung vor dem Marmaro - Szigeeter Gerichtshof stattfinden. Die Vcrtheidigung des Angeklagten hat Dr. Bernhard Friedmanu übernommen. Engl a n d. London. Auf eine Zuschrift des vereinigten Eomit^s des Board of Deputier und der Anglo Jewish Association in Angelegenheit der verfolgten Juden in Demnat (Marocco) hat der Minister des Aenßern, Earl Granpitle, die Antwort ertheilen lassen, daß er dem englischen Repräsentanten in Tanger den Auftrag ertheklt habe, die Sachlage sofort zu untersuchen und wenn dieselbe sich wie in der Zuschrift geschildert Herausstellen würde, er auf die schleunigste Abstellung der Grausamkeiten und die Bestrafung de« Gouverneurs zu Demnat dringen werde. Liverpool, 30. Jan. Ein großes Oel- Porträtdes Barons Henry de WormS, Mitglieds des Unterhauses in London, wurde vom Ober- Lieutenant Kieby diese Woche dem Eonsevativen- Elub in der Eity of London präsentirt und ziert nun die Mauern dieser großen Halle. Baron de WormS hat in jüngster Zelt wiederholt im Parlamente den Minister des Auswärtigen (Lord Granville) im Interesse der in Rumänien sowohl als auch in Demnat, Marocco, bedrückten Inden interpellirt. — Letzterer Fall wurde dem dort rcsidircndcn britischen Eonsul zur genauen Prüfung und Bcrichterstattllng übergeben. Am 24. d. M. starb in London Jacob Isaak Levi Montefiore, dessen Mutter, Esther Levi, eine Eousine des hochverehrten Sir Moses Montefiore war. Er wurde 1819 in den Barbadoes geboren, ging 1837 nach Sidnay,