Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1885)
- Date
- 1885-02-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1)9 iljaii geblieben sind; dagegen gibt cs andere, welche die schlimmsten Feinde unseres Volkes und unseres Glaubens geworden. Wir erinnern nur (tu den entsetzlichen Dr. Justus, der ja, wie allgemein behauptet wird, ein getaufter Jude sein soll. Gott schütze uns vor solchen Freunden! (Fortsetzung folgt.) ßinige kcichtzn vermeidende Ursachen der Iudeichetzcn. Von Mrs. Boole, einer englischen Christin. (Nach dem Jewish (5hronicle.) Die Haupt-Ursachen der Judenhetzen neuester Zeit, sind natürlich dieselben, welche im Mittelalter soviel Unheil verursacht haben. Eigennützige Menschen sind eifersüchtig auf den Wohlstand der Juden, während Schwärmer und Andere sich ärgern über das Zeugnis;, welches die Inden durch ihre unverwüstliche Lebenskraft ablegen für die Wahrheit, das; der Urheber unseres Daseins für Recht findet, die Erfüllung anerkannter Pflichten mehr zu begünstigen, als das sich Hingcben irgend welcher Form gefühlvoller Selbstbefriedigung. Aber viel wäre gcwonilcn, wenn Alle, die sich sonst nicht von mtwürdigcn Beweggründen leiten lassen, sich ganz überzeugen würden, das; eben nur solche dieser Verfolgung zu Grunde liegen. Zwei Factorcn, die Mitwirken, dieses wünschenswerthe Resultat zu verhindern, könnten von den Inden selbst leicht beseitigt werden; doch scheinen sic keinen Begriff davon zu haben,' wie sehr diese zu ihrem Rachthcil wirken. Die Juden, die am Meisten wcrth wären, gekannt zu sciit, sind oft so zurückhaltend, das; wir Christen genöthigt sind, unsere Begriffe über die ganze Judenschaft uns von den ungünstigen Mustern zu bilden. Wir wollen diesen Punkt zuerst beleuchten. Jeder Christ meiner Bekanntschaft, der mit würdigen Inden irgend welchen Ranges im Leben intim geworden ist, fühlt, das; solche Bekanntschaften zu den Vorrechten des Lebens gehören, aber die Zahl der Christen, denen das gelingt, ist sehr klein. Lehrer fragen mich manchmal: „Haben Sie wirklich gern jüdische Schüler? Ich kann nicht sagen, das; cs bei mir der Fall sei; es ist wahr, sic sind fleißig, machen keine besondere Mühe, und sind frei von religiöser Schwärmerei aber inan kann ihnen selten näher treten, es ist kein Entgegenkommen, keine Herzlichkeit, man lernt sic nie näher kennen!" Dann kommt oft der Nachsatz: „Ich bin mit Einigen vertraut geworden, aber die waren keine günstigen Exemplare." So ist es überall. Die meisten Christen begegnen gut erzogenen Juden in der Gesellschaft, oder im Geschäft, aber vertrant werden sie nur mit getauften Juden, oder mit solchen, die gleichgültig sind gegen ihren Glauben und gegen ihr Volk. Es gibt auch jüdische Männer, die selbst wohl beobachten, was ihre Religion erfordert, aber ihre Binder nicht in der Geschichte und Literatur ihres Volkes unterrichten lassen. Der Beweggrrnd dazu ist wohl, den Geist der Kinder zu erweitern, indem man ihnen mehr Zeit läßt für die allgemeine Erziehung: aber ganz abgesehen von dem Gesichtspunkt der Religion, ist das ein sehr schlechter Plan. Eins der wunderbaren Principicu der Wissenschaft über Vererbung, auf welche sich die Kunst der Erziehung gründet, ist: das; wenn man sich auch oberflächliche Geschicklichkeit und Politur leicht ancignen kann durch die K c n n t n i ß d e r L i t e r a t u r a n d e r e r L ö l ke r, die schönste und wahrste Geistesbildung aber nur erreicht werden kann durch ein l ic b evolles Studium der besten Erze u gnisse unserer eignen Vorfahren. Der Grund zur moralischen Veredlung sollte immer gelegt werden durch die Verehrung, die wir fühlen für die großen Männer, die dem Blut unserer Eltern am nächsten stehen. Ein jüdisches Mädchen, unbekannt mit den Propheten und gleichgültig gegen die Märtyrer ihres Volkes, macht denselben Eindruck, wie eine Italienerin, die nichts weis; von Dante, oder eine Russin, die nichts wissen will von Tnrgcnieff, und cs unter ihrer Würde hält, Anderes zu lesen, als französische Romane. Unglücklicherweise sind diese schlecht erzogenen und 'ihres Volkes unwürdigen jungen Leute gerade Diejenigen, die in Schulen die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich zu ziehen suchen und sich um die Intimität mit ihren Mitschülern bewerben. Sie sind viel Schuld an dem Vornrthcil gegen die ganze Rare, aber sie sind noch nicht das schlimmste Element, mit dem wir zu thuu haben. Wie ich schon in meinem früheren Artikel bemerkt habe, kann ei» Christ, der in einem der Systeme seiner Religion gründlich erzogen wurde, ntanchmal für seine Familie eins anwcndcn, welches etwas verschieden ist, und doch seinen Zweck ebenso gut erfüllt. Aber Inden, saus foi. ni loi, Juden, welche die religiösen Schranken abgcworfen haben, die ihnen ihre moralische Kraft verliehen, sind eine Gefahr für die Civilisation, wo immer sie sich auch befinden mögen! — Eine Engländerin, in Berlin ansässig,