Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1885)
- Date
- 1885-02-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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158 als Ausgangspunkt der ganzen Bewegung betrachtet werden kann, war betitelt: „Der jüdische Referendar." — Es ist ja mänuiglich bekannt, daß die jüdischen Referendare, Amtsrichter, Kreisrichter x. . meistens den Sonntag statt des Sabbats feiern und ohne Bedenken an den Mahlzeiten ihrer christlichen Bkitbärger Theil nehmen nnd das; sie sich mit der Erlernung der hebräischen Sprache nicht sehr geplagt haben. Aehnlich verhält es sich mit den meisten Literaten und Journalisten und mit der Mehrzahl der jüdischen Lörsenspeculanten. Und gerade gegen diese richtete sich zunächst die antisemitische'Bewegung, ja, sogar die getauften Juden blieben von diesen Angriffen nicht verschont. — Uns ist unsere heilige Religion nicht feil, nicht um alle Schätze der Welt; seit Jahrtausenden sind wir daran gewöhnt worden, für sie zu dulden nnd zu leiden, nnd wenn das Mittel, das Herr von H. uns wohlnkeinend vorschlägt, ein noch so probates wäre — wir würben es verschmähen. Allein die Erfahrung lehrt, das; die Achtung und Liebe unserer Mitmenschen durch ein Anfgcbeu unserer heiligen Pflichten gar nicht erkauft werden kann. Unser Hort, nufer Hüter, unser Schuber, das ist der allmächtige Gott, nnd die Beobachtung Seiner heiligen Gebote ist unser höchstes Gut. Herr von H. behauptet, daß die jüdische Orthodoxie sich in einem Widerspruche befinde, da sie das fogenante Eeremonialgeseß aufrecht erhalte, während sie den Opfcrenltus anfgegeben habe. Herr von H. scheint nicht zu wissen, daß das jüdische Rcligiousgcseb uns nicht gestattet, außerhalb des heiligen Landes diejenigen Gottesgebote zu erfüllen, die an den Aufenthalt in $ainfiiua geknüpft sind. Zn dkcsenl gehört auch der Opfercnltus. Derselbe kann nur an jener heiligen Statte seine Verwirklichnng finden, auf der einst der heilige Tempel stand, cine^Slätte, die zu betreten man uns nicht erlaubt. Sogar der Ansiedelung im heiligen Laude seht die türkische Regierung die größten Schwierigleiten entgegen. Wenn cs uns gestattet wäre, den heiligen Tempel in Jerusalem wieder anfzubanen und den Opferdienst wieder cinzurichten, so würden allsogleich Huuderttausende von Glaubensgenossen freudig Alles daraiisetzeu, um dieses hohe Ziel zu erreichen. — Es ist übrigens ein Jrrthum, wenn Herr v. H. meint, wir hätten den Opfercnltus aufgegebcn. Wir cultivircn denselben tagtäglich nnd siündlich. Rach der Lehre unserer Weiset; ist für uns die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Opfervorschriften an die Stelle des Öpfcrdienstes getreten. nssnn nun n»t »rftiprr min mt poiyn n?iy :mpn i?'*c n*?iy mim pDiyn :nNcn npn i?'rrr naen mim Unsere ganze Gebetordnung legt Zeugniß für diese Wahrheit ab. Sehr bcachtenslverth ist, was Herr v. H. über das sogenannte Reformjudenthum sagt. Er schreibt: „In dem Reformjudenthum erkenne ich eine rationalistische Gewissensreligiou, einen moralischen DelsmuS des Aufklärungszeitalters, der es liebt, seine erbaulichen Betrachtungen au alttestamentliche Texte anzuknüpfen, mit andern Worten; ich sehe darin eine saktischeLoslösung von dem eigentlichen Geistesgehalte des Mosaismus bei vermeintlicher Wahrung des Zusammenhanges mit demselben. Herr v. H. spricht die Bermuthung aus, daß das Reformjudcuthum zur Verschmelzung mit dem Protestantismus führen werde, da der Unterschied zwischen Reformjudenthum und dem libralprotestantischcn Ehristenthnm so verschwindend klein sei, daß der Tausch zwischen beiden Standpunkten gar nicht mehr ein Wechsel der Confessio» genannt werden tonne, sondern bloß nach dem Namen als ein solcher erscheine; das Reformjudenthum habe die Aufgabe, die jüdische Religion als solche zu zersetzen und die Juden zu einer andern Religion hinüberzuleiten. Herr von H. sucht auch die Angriffe der Antisemiten gegen die getauften Juden zu rechtfertigen. Er schreibt: „Wenn das deutsche Volk den jüdischen Proselyten mit instinktivem Mißtrauen begegnet, so har das zum Theil seinen Grund in der Befürchtung, daß diese Juden, von Herzen Inden geblieben seien, daß sie sich nur in das feindliche Lager geschlichen haben, um aus dieser Position um so wirksamer die Interessen des Judenthums zu fördern, und daß sie, so lange sie die Interessen des Judenthums fördern, auch von den Juden selbst nicht als Abtrünnige, sondern als „stille Kompagnons" betrachtet und behandelt werden. Diese Auffassung wird bestärkt in denjenigen Fällen, wo die Proselyte» sich als rhätigc Mitglieder einer politischen Partei auschlicßen, welche in dem Rufe steht, die Interesse» des Judenthums zu fördern." Wir brauchen wohl unseren geehrten Leser» nicht erst zu sagen, daß wir, wie alle gesetzestreue Jude», von einer Bundesgenoffcnschast mit den Renegaten nichts wissen und nichts wissen wollen. Es mag immerhin getaufte Juden geben, die nm äußerer Vortheile willen sich haben Laufen lassen, in Herzen aber Jllden und dem Judenthum zuge-