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Der Israelit · 1885-02-05 · Heft 10 (5.2.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 10 (5.2.1885)
Date
1885-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M iO< (X E i li Aenlrak - Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegebcu von Vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 5. Februar 5045 (1885). Seite ttbe Stv'titeL ■ Aas Zudenlhmil in Gegenwart und Zukunft. (Von Eduard v. Hartmann.) III. Mainz, 2. Februar. Von welcher Voreingenommenheit Herr von Hartmann gegen die Inden erfüllt ist, erhellt aus dem Umstande, daß er selbst das Gute, was er über den jüdischen Stamm zu sagen sich veranlaßt fühlt, häufig durch eine maliciöse Bemerkung in das Gegentheil zu verkehren sucht. Wir haben in voriger Nummer gesehen, das; er die Keuschheit der Jüdinnen rühmt, die erwiesen ist durch das geringe Contingent, welches das Jndenthum zur Prostitution liefert. Herr von H. fügt jedoch hinzu: „Diese Keuschheit der Jüdinnen stammt zwar nicht so sehr aus dem Temperament, wie bei den Jrländerinnen und den Norddeutschen, sondern aus Berechnung, wie der Umstand beweist, daß dieselbe in ihr Gegentheil umschlägt, wo letzteres profitlicher wird, z. B. auf der Bühne." — So erscheint diesem Philosophen selbst das Edelste und Höchste nur als kleinliche Speculation zur Erlangung materieller Vortheile! Darin hat er Recht: nicht das Temparement ist es, welches die Leidenschaften der Juden und Jüdinnen zügelt, sondern unsere heilige Religion, die Furcht vor Gott, die Liebe zu Gott, der uns geheiligt durch seine Gebote und uns befohlen hat, einen sittlichen Lebenswandel zu führen. Die frommen und sittsamen Töchter unseres Volkes werden durch keinerlei Aussicht auf lnateriellen Gewinn bewogen werden können, vom Pfade der Tugend und der Ehre abzuweichen. Was nun die Religion betrifft, so meint Herr von H., daß die Verschiedenheit der Grundlehren der jüdischen und christlichen Religionen nur wenig in Bettacht komme. „Dagegen," schreibt Herr von H., „ist cs eine immer von Neuem sich sinnenfällig aufdrängende Schranke, daß beide Theile einen verschiedenen Wochentag der Arbeitsruhe und cultischen Feier widmen; und daß die Inden durch ihre religiöse Sitte verhindert sind, als Gäste ihrer christlichen Mitbürger an deren gesundheitsgemäs; bereiteten Mahlzeiten theilznnehmen. So lange die Inden an ihrer Sabbatsfcier festhalten, bleiben sie unfähig, in irgend eine Arbeitsgemeinschaft einzutreten, in welcher am Sonnabend die gewöhnliche Arbeit von ihnen verlangt werden muß, so lange müssen auch ihre Kinder als störender und widerwillig mitgeschleppter Bestandtheil in gemeinsamen Schulen sich geltend machen: So lange die Juden noch einen entscheidenden Werth ans cultische Sabbatsfeier und jüdischen Religionsunterricht ihrer Kinder legen, so lange müssen sie sich gegen eine allzugroße Zerstreuung und insbesondere gegen bäuerliche Jsolirung sträuben, bleiben also ans rein religiösen Motiven ans städtisches Leben und Handel beschränkt. So lange endlich die hebräische Sprache in irgend welchem Maße EultuSsprache bleibt, so lange müssen die jüdischen Kinder außer allen übrigen Nnterrichtsgegenständen sich auch noch mit dieser tobten Sprache plagen." Herr von H. übersieht bei dieser Auseinandersetzung die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit. Gerade diejenigen Inden, welche vom Gesetze abfatlen, die Sabbat- und Speisegesctze vollständig iguoriren, sind es, gegen die sich die antisemitische Bewegung zunächst richtete. Die erste antisemitische Schrift, die ungeheures Aussehen erregte und die

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