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Der Israelit · 1885-02-02 · Heft 9 (2.2.1885) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 9 (2.2.1885)
Date
1885-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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148 über sich ertheilte, so kann über ihn ein Todtenschein ausgestellt worden. Das ist in vielen Fällen von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Ter polnische Graf hinterläszt eine Wittwe. die möglicherweise zu einer zweiten (5*fic schreiten wollte und dies ohne Todtenschein nicht dürfte.. „Ah... das wird sie nicht thun", hatte ihn der junge Dragoneroffizier unterbrochen, „sic wird dem tapfer« Manne, der ihrer in seiner Todesstunde so liebevoll gedacht, gewiß die Treue bewahren— aber der Ncgimentsarzt war sortgefahren, „auch können die Werthsachcn, die man etwa bei dem Todtcn findet, an seine Familie gesendet werden .... an seiner unbeschädigten rechten Hand glänzt neben dem Ehering noch ein kostbarer Lrillantring, auch pflegen französische Ossiziere Werthgegenstände, (S)olb mit) Banknoten bei sich zu führen. Es wird sich daher empfehlen, die Kleider des Todtcn zu durchsuchen. Sie, Durchlaucht", der Doktor hatte sich wieder an den Lieutenant gewendet, „der Sie dem Sterbenden versprochen, das Medaillon an seiner Brust seiner Wittwe einzusenden, könnten diesfreundlichst unter Einem besorgen.... Wir wollen diese Durchsuchung sofort vornehmen, wir werden den Herrn Pfarrer dann nicht länger durch die Anwesenheit der Leiche incommodircn; sondern sie zu den andern legen lassen, damit sie morgen alle in einem großen gemeinschaftlichen Grabe bestattet werden! Der junge Lieutenant aber sprach: „Herr Pfarrer, der arme tobte Mann da hat rasch mein Herz gewonnen, ich möchte ihn, wenn dem nichts entaeaensteht, hier auf einem Plätzchen Ihres schönen stillen Friedhofes beerdigen, und seine letzte Ruhestätte durch einen Grabstein kenntlich machen lassen, cs wird seinem Vater, seiner Gattin und auch später seinem Kinde angenehm sein die Stelle zu kennen, wo seine irdischen Üebcrreste ruhen. Vielleicht kommen sie einst, wenn friedlichere Zeiten herrschen, nach Böhmen, um sein Grab zu besuchen. Ich hatte nichts gegen das edelsinnige Vorhaben des jungen Fürsten einzuwenden; aber der Negimentsarzt, der während seiner langen Dienstzeit gegen derartige ein jugendliches Gcmüth hochaufregende Scenen etwas abgehärtet war, sprach: „Herr Lieutenant, wir können nicht einem Einzelnen übermäßig viel Zeit zuwenden, cs werden noch viele Andere meiner Hilfe bedürfen. Ich habe hier eigentlich gar nichts mehr zu thun, der Alaun da ist tobt und Hippocrates und Galen könnten ihn nicht mehr zum Leben bringe», aber da Sie — ich bitte für meine Aufrichtigkeit um Entschuldigung — gar so unpraktisch, und in solchen Dingen ein Neuling sind, so will ich Ihnen noch bei der Durchsuchung der Kleider behilflich sein; — also aus Werk! So sprechend hatte sich der Regimeutsarzt über die Leiche gebeugt, zuerst rasch die Haarlocke mit dem Medaillon von dem Halse und der Brust des Todtcn gelöst und dem Offizier übergeben, dann tastete er an die Tasche des Waffcnrockes und zog ein großes Portefeuille aus derselben, die er zu öffnen Miene machte. Der Dragonerlieutenaut ergriff seinen Arm und rief: „Wär's nicht angezeigter die Brieftasche uneröffnet einzusiegeln und sobald dies angeht, nebst dem Medaillon au die Angehörigen des Tobten zu senden?" „Nein," hatte der Doktor in hartem, absprechendem Tone geantwortet. „Es ist das Alles eigentlich nicht meines Amtes, aber ein ehrlicher Mann beschränkt seinen Pflichtenkreis nicht auf jenen seines Amtes. Es ist wahrscheinlich, immerhin möglich, daß wir in den Schriften eines französischen Offiziers, zufällig Anfzeichniingeii sinden, welche für unsere Heeresleitung von Interesse sind, die über die Verhältnisse der feindlichen Armee werthvolle Aufschlüsse liefern! — (Fortsetzung folgt.) „Der 3'3vnclir erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, fnr's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Dnchhandlnugett und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Tirecte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitende Artikel: Das Iudcnthum in Gegenwart und Zukunft. — Gedanken eines Juden. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Pesth. Adamhos. Frankreich: Paris. — Feuilleton: Der (wurier. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzen: Deutschland: Ans Franken. Berlin. — Oest.-Nngar. Monarchie: Wien. NngvLr. Pesth. — Feuilleton: Prosessor Dr. Lauth über „Die Ausgrabungen im Wadi Tnmikat*. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit* gr. Bleiche 45. Druck und Verlag von OScar Lehmann in Mainz. (Hierzu eine Beilage.)

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