Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1885)
- Date
- 1885-02-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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146 in der Oesfentlichkckt noch m andrer Weise mit ihm etwas uu thnn haben zu wollen." ' Indem ich Sie, geehrter Herr Redacteur, bitte, dies in Ihrem gesch. Blatte veröffentlichen zu wollen, verbleibe ich mit der Versicherung meiner besonderen Hochachtung Abraham Löw Beer. Frankreich. Paris. (5'in vielleicht noch nie dagewesencr Act hat sich in der Spnagoge de la me des Tournelles vollzogen. Daselbst wurde ein Paar getraut, das (Bräutigam und Braut) als Christen geboren, kurz zuvor deschalb zum Jndenthum übergetreten ist, weil ihm von der christlichen Geistlichkeit in Bezug aus die kirchliche Trauung Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden ist. Wir können den Enthusiasmus der „Arch. isr." über diese Thatsache nicht thcilcn, und können nur unser tiefstes Bedauern darüber anssprcchen, das; cs Rabbiner gibt, die bei solchen Motiven Andersgläubige ins Jndenthum anfnchmcn. Der ßouricr. Historische Erzählung von S. Kohn. (Vrrsasscr von „Gabriel.") (Fortsetzung.) „Menschliche Hilfe," sprach der Arzt, „ist hier vollkommen wirkungslos, der Kapitän hat mehrere Verletzungen, von denen jede tödtlich ist. Er wird in kurzer Zeit zu leben anfgehört haben; jede Operation wäre vergeblich, würde ihm nur nutzlos Schmerzen bereiten, und sein ohnehin rasch zu gcwärtigendes Ende nur noch beschleunigen. Es wundert mich nur, das; er noch bei voller Besinnung ist; er hat mir mit einem Drucke seiner unvcrwundetcn Rechten und einem lvarmen Blicke für meine Bemühungen um ihn gedankt. Der Verwundete ist seinem Regimcnte nach zu schlichen ein Pole, ich bin ein Urdcutscher, polnisch kann ich gar nichts französisch verstehe ich und spreche ich wohl, aber gewiß nicht so gut als Sie Durchlaucht, er wandte sich an den Lieutenant, der Sie nach aristokratischen Manieren, in dieser Sprache erzogen wurden, fragen Sie ihn um seine letzten Wünsche, vielleicht verlangt er nach den Tröstungen der Religion, die Polen sind in der Regel fromme Katholiken; der Herr Pfarrer ist ja hier! — Der Regkmentsarzt, der Lieutenant und ich, traten zu dem Bette, auf welchem der französische Offizier lag. Der Doktor hatte behufs der Untersuchung ein Tischchen mit zwei Kerzen an dasselbe gerückt, so das; das Licht voll auf die blutüberströmte Gestalt fiel. Ich habe in der Erfüllung meiner Amtspflicht schon eine endlos große Zahl von Sterbenden gesehen, aber, ich glaube es schon gesagt zu haben, jedesmal erschüttert mich der Anblick eines solchen, und dieser Eindruck wurde bei dem Manne noch dadurch erhöht, daß er in der Blüthe seines Lebens, im schönsten Alter eines gewaltsamen Todes starb. Ter Offizier, dem beide Beine weggeschossen waren, dessen linker Arm machtlos. zerschmettert niederhing, flößte mir die größte Theiluahme ein; aber als ich in das blasse vor Schmerz verzerrte Antlitz des sterbenden Offiziers blickte, zuckte ich erschreckt zusammen. Diese Züge waren mir nicht fremd, ich hatte sie schon einmal und zwar vor kurzer Zeit gesehen, die breite, rothe quer über die Stirne laufende Schramme hatte mich diese sofort erkennen lassen. Derselbe Offizier war kurz nach Eröffnung des Feldzuges plötzlich auf der Ncnhofer Straße erschienen, als ich eben mit dem Oberamtmann Arnsberg im lebhaften Gespräche begriffen war. Er hatte sich demselben als Graf Paul Demidow vorgestellt, behauptete eine wichtige Depesche seines Monarchen zu überbringen und wollte erfahren, wo er die russischen Truppen namentlich das vom Prinzen von Württemberg befehligte Corps finden könnte. Der Amtmann hatte Zweifel über die Identität seiner Person ausgesprochen, und der angebliche Russe war schließlich mit Arnsberg in's Amtshaus gegangen, um sich bei diesem durch seine Reisedokumente zu legitimiren. Ich hatte, während der Fremde sich im Amtshause befand, versucht, mit dessen Kutscher ein Gespräch anzuknüpfen, der aber kein Wort deutsch zu verstehen vorgab, und der, wie ich jetzt annehmcn muß, in der That ein Russe, ein Ucberlänfcr war, wie es deren seit dem vorjährigen russisch-französischen Kriege bei den polnischen Regimentern sehr viele gibt. Da ich den angeblichen russischen Grafe» nach längerem Aufenthalte im Amtshause von Arnsberg ehrbictig zum Reisewagen begleitet sah, mußte ich annehmen, und Arnsberg bestätigte mir dies auch