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Der Israelit · 1885-02-02 · Heft 9 (2.2.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 9 (2.2.1885)
Date
1885-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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144 auch bei näherer Erwägung als nicht so bedenklich I schwört. Wir vermögen daher keinen Grund zu ererwcist. Für den mit bcm erforderlichen Wissen blicken, welcher den Israeliten veranlassen konnte, seme ausqestattete» Juden ist der Gottesdienst in hebräiangestammte Religion zu verlassen und in das^ wie scher Sprache wahrhaft erhebend, er zieht seine Aufder Verfasser sagt, durch die 'Reformatoren erossnete merksamkeit von den ihm umgebenen Dingen ab und und durch die Vertreter des fre'nmmgen Protestanvcranlaßtihn, Einkehr bei sich selbst zu halten. Wird tismus ausgebaute Thor des Christenthums emzudoch jeder anständige Mensch, wenn er ^vor einen treten. Sind die Juden in den Zeiten des Druckes Höheren tritt, seinen Alltagsrock aus- und einen we- und der Verfolgung ihrer Religion nicht untreu nigcr benutzten anziehen, warum soll nicht auch der I geworden, so wird das um so weniger in der jetzigen vor seinen Gott hintretende Mensch sich nicht einer Zeit geschehen, wo ihnen alle Rechte zustehen nnd anderen als der Umgangs- oder Alltagssprache becs sich nur um gesellschaftliche Vortheile handeln dienen? Dem Gebete liegt der Gedanke zu Grunde: kann. Die dagegen gebotene Aussicht an der Re- Licbe den Ewigen, Deinen Gott, mit ganzem Herzen, form des Ehristcnthums mitzuarbcitcn, ist durchaus mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen. Die nicht verlockend für uns. Wir haben kein Gelüste tägliche und innige Wiederholung dieser Sätze in und kein Recht, uns in die Angelegenheiten der Verbindung mit der weiteren religionsgesetzlichen Vor- I christlichen Religion zu mischen. Wir lassen Jeden schrift, liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, schlägt gern bei seinem Glauben, ohne uns weiser zu dünken; tiefe Wurzeln im menschlichen Gemüthe und verei- I wir verlangen auch, daß man uns unseren Glauben nigt die Liebe zur Gottheit mit der Liebe zur Menschläßt, ohne uns meistern zu wollen, heit zn einem untrennbaren Ganzen. Diese das! Frankfurt a. M., den 24. Januar 1885. ganze Leben durchdringenden Eindrücke sind es, welche Ein Jude, tu früherer Zeit die Märtyrer schufen nnd auch jetzt | noch die Kraft verleihen, die kleinen aber täglich sich --- ■ -- —.- —-- wiederholenden Opfer und Entbehrungen zu ertragen, , ., t sic sind cä, welche de» Sinn für Wohlthun und Zcitmigsiiachrechte» und Correfpondenzen. Menschenliebe wach erhaltcm Die Reinheit des Sitten-! - gesctzcs erkennt der Versager selbst an. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Was die in den Gebeten liegenden jüdilch-nationalcn Hoffnungen und Wünsche betrifft, so gelten Wien. Dem einnnddrcißigsten Bericht des solche einer idealen Zeit, welche der Prophet Jeallgemeinen österreichischen israelkt. Taubstummensaias mit den Worten schildert: Man wird die Institutes in Wien vom Jahre 1884 entnehmen wir: Schwerter zn Pflngschaaren umschmicdcn nnd die Daß die Anstalt ihre Aufgabe begriffen und 'Kricgswissenschaft nicht mehr erlernen. Es sind das nach Möglichkeit gelöst habe, dafür genügt der weit- Jdcale, die in weiter, weiter Ferne liegen, unsere verbreitete Ruf, dessen sie in Bezug auf ihre Wirkgcgcnwärtigen Verhältnisse und staatlichen Pflichten samkcit und besonnene Durchführung ihrer Mission nicht berühren, wohl aber uns hüten, in den in nahen nnd fernen Kreisen sich erfreut, und wo- Sumpf des Alltäglichen nnd Gemeinen zu versinken.! von auch die am 11. Mai d. I. stattgefundene Die als blutiger Ritus bezeichnete Beschneidung ist öffentliche Prüfung der Zöglinge, welche von Gästen eine sehr unschuldige Operation, deren sanitäre sehr zahlreich besucht war, Zcngniß ablegte. Zweckmäßigkeit vielfach anerkannt wird. Fast alle Zur besonderen Befriedigung gereicht es uns, Israeliten mit verschwindenden Ausnahmen lassen von der Anerkennung und Würdigung berichten zu solche an ihren Kindern vornehmen, ein Zwang können, welche unserer Anstalt von Seite der Großhierzu besteht jedoch in keiner Weise, auch wird nach commune Wien zu Theil wurde, indem der wohldem d Tode kein Unterschied gemacht, ob die Belöbliche Gemeinderath der Haupt- und Residenzstadt schneidnng vorgenommcn worden, oder nicht. Wien fünf Zöglingsfrciplätze für nach Wien zu- Eine Reform des Judenthums verwirft der! ständige taubstumme Kinder armer Eltern aus dem Verfasser nnd empfiehlt dafür eine Reform des Versorgungsfonds der Gemeinde an unserer Anstalt Ehristcnthums. Auch wir erkennen die Nothwencreirt nnd in der Plenarsitzung vom 21.Märzl.J. digkeit einer Reform des Jndenthums nicht an, ist einstimmig den Beschluß gefaßt hat, „dem wackeren doch Niemand gezwungen, das Ritual mitzumachen Jnstituts-Director I. Deutsch in Anerkennung seiner oder ein Bckenntniß abznlcgen, das hat er lediglich hervorragenden Verdienste auf dem Gebiete des mit seinem Gewissen auszumachen. Er bleibt Jude, Taubstummen-Unterichtes und aus Anlaß der Bolso lange er die Einheit Gottes nicht thätsächlich abl lendnng seines vierzigjährigen Wirkens als Director

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