Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1885)
- Date
- 1885-02-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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143 gäuzung der männlichen Charakter-, Gcmüths- und Vcrstandcs-Eigcnschaftcn durch die anders gearteten, aber gleichberechtigten weiblichen anerkennen." (Fortsetzung folgt.) HcdanKm eines Inden. Der Amtsrichter Simon in Hannover, der, wie wir unlängst berichteten, sich mit Frau und Kindern hat taufen lassen, hat eine Broschüre veröffentlicht, aus welcher der protestantische Prediger Herr N. Schwalb in Bremen, im „Frankfurter Journal" einen Auszug gab. „Ein Jude", aber ein wirklicher Jude liest darauf in derselben Zeitung eine Entgegnung erscheinen, die auch für unsre geehrten Leser von Interesse sein wird und die wir dcsthalb hier rcproduciren: Unter der Aufschrift „Gedanken eines Juden" veröffentlicht Herr M. Schwalb in Bremen in Nr. 36 des „Franks. Journals" einen Auszug ans einer unter gleichem Titel bei Walther u. Apolant erschienenen Schrift, indem er zugleich deren Ausführungen als eine festgefügte Kette von unleugbaren Thatsachcn bezeichnet, welche mit unverkennbarer Energie zu einer großen That drängen. Diese grobe That besteht, wie er am Schluffe zeigt, in dem Ucbertritt zu dem protestantischen Ehristcuthum, welche Fahnenflucht Herr Schwalb als Leben nach langem Tode bezeichnet. Dieser Ucbertritt soll sehr erleichtert und von dem Eonvertitcu weder ein Bekenntnis; der Drcicinigkcitslehre noch der Glaube an die Gottheit des Stifters der christlichen Ncligion verlangt werden, was doch auch von den im Inneren Weilenden, d. h. den im Ehristcnthnm Geborenen, vergeblich gefordert werden würde, die ans den Reihen der Synagoge in die protestantische Kirche cintrctendcn Israeliten würden die natürlichen Bundesgenossen Derjenigen werden, welche in der Christenheit an der Fortsetzung und Vollendung der Reformation arbeiten. Herr Schwalb und sein Jude, der sich indessen als ein zum Ehristenthum übergetretencr Apostat entpuppt, scheinen selbst nicht so sehr von derVortrcfflichkcit des von ihnen so warm empfohlenen protestantischen Christenthums überzeugt zu sein, sonst würden sie nicht an der Fortsetzung und Vollendung der Reformation arbeiten und sich zu diesem Zweck der Hilfe erst zu bekehrender Israeliten versichern wollen. Von eineul im Innern Weilenden kann allerdings ein Bekenntnist der Glaubenslehren seiner Religion nicht verlangt werden, das hat ein Jeder mit sich selbst ausznmachcn und ist Anderen Rechenschaft darüber nicht schuldig, wohl aber kann ein solches Bekenntnist — soll mit dem Heiligsten kein Spott getrieben werden — von Demjenigen gefordert werden, der erst in eine Religionsgemeinschaft eintretcn will. Herr Obcrkonsistorialrath Fclter in Berlin hat s. Z. einem Schüler Mcndclssohn's, Herrn David Friedtänder, der unter ähnlichen Bedingungen, wie die hier zugcstandenen, mit einer Anzahl Genossen, um die Gleichberechtigung zu erlangen, znm Christcnthnme übertreten wollte, die Aufnahme verweigert und verlangt, er solle entweder das Christenthnm pure annehmcn oder das bleiben, was er gewesen. Kehren wir indessen zu den von Herrn Schwalb wiedcrgegcbcncn Ausführungen unseres angeblichen Inden zurück, der seinen Uebertritt zu rechtfertigen oder zu beschönigen sucht, indem er seine ehemaligen Glaubensgenossen zum gleichen Schritt veranlassen will. Derselbe erinnert uns unwillkürlich an die bekannte Fabel vom Fuchse, der den Schwanz verloren hatte und mm seine Brüder dazu bringen wollte, auch ihrerseits den Schwanz abzuglegen. Zunächst wird dargclcgt, wie die mosaischen Riten, namentlich die Beobachtung der Spciscgcsetzc und die Sabbatrnhe dem Juden, der nicht blos dem Bekenntnisse nach, sondern in der That Jude sein will, fast alle Lebenswege versperren und ihn fast unwiderstehlich zum Kleinhandel hindrängcn. Es must zugegeben werden, das; sich allerdings dem gcsctzestrcncn Inden in den verschiedensten Bcrnfszwcigcn große Schwierigkeiten cntgcgcnstcllcn, die nur durch eine große Energie, durch eine ausdauernde Thätigkcit und unter so manchen Entbehrungen überwunden werden können, dennoch findet man in allen Städten, unter den Professoren der Universitäten, unter den Aerztcn, den Advocaten, Groß- und Kleinkauflenten bis herab zu dem Hausirer mit dem Packen ans dem Rücken gcsctzcstrene Juden, die durch ihre Biederkeit die Achtung ihrer Kreise erworben. Den Gottesdienst erklärt Herr Schwalb und sein Freund als für den deutschen Israeliten nicht erbaulich, eher anstößig und die Andacht eher hemmend als fördernd, um so mehr als dieser Gottesdienst in einer tobten Sprache stattfinde, die der Beter kaum verstehe und die er nur in den Jahren des ersten Religionsunterrichts erlernt und mit der er sich dann nicht weiter beschäftigt habe. Allerdings für denjenigen Inden, der alles Andere besser erlernt, als die Vorschriften seiner Religion und die Sprache des Gebets, ist der in dieser Sprache stattfiudcude Gottesdienst wenig erhebend und wirkungslos, darum erkennen cs auch viele Juden als ihre Pflicht an, ihren Kindern einen ausreichenden Religionsunterricht ertheilen zu lassen und scheuen deren angebliche Ueberbürdung nicht, die sich