Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1885)
- Date
- 1885-02-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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142 wenden, und diesem d!e Prämie seiner Enthaltsamkeit und Voraussicht entrichten muß. „Wohl bei keinem Stamm der Welt steht von altershrr Bildung und Gelehrsamkeit in solchem Ansehen, wie bei dem jüdische»; insbesondere sind hier alle Schichten von den gebildetsten bis zu den ungebildetste» von dieser Ehrfurcht für das Wissen durchdrungen. Es mag sein, das; die gebildeten Schichten des deutschen Volkes noch mehr Liebe zu dem Wissen um seiner selbst willen haben, "und daß bei ^>cm jüdischen Bitdungsstrebc» die Einsicht, daß Willen Macht verleiht, eine verhältnißmäßig größere Atolle spielt; aber diese Motive kommen nicht so sehr in Betracht, wenn man nur ihre gemeinsame kulturgeschichtliche Wirkung, die Steigerung der intellektuellen Bildungsstufe der Gcsammtheit und denProceutsatz der zu höherer Bildung Emporgcftiegenen ins Auge saßt: Schon der jüdische Knabe hat durchschnittlich mehr Eoncentrationsfähigkeit und Ausdauer zum Lernen als der deutsche, und diese Eigenschaften in Verbindung mit dem Durchdrnngenscin von der hohen Wichtigkeit der Bildung bewirken, daß in jüdischen Familien ein geringerer Procentsatz von Knaben, welche höhere Schuir besuchen, das Schulziel verfehlen, als in deutschen Familien. Dieselben Eigenschaften im Verein mit Mäßigkeit, Nüchternheit und sparsamer Wirthschaftsführnng verringern unter den jüdischen Studenten den Procentsatz derjenigen, welche in der eingeschlagenen Laufbahn scheitern, und noch mehr zu Gunsten der Inden stellt sich in Folge ihrer Ausdauer, Zähigkeit, Genügsamkeit uub ihres Fleißes der Procentsatz derer, die unter erschwerender Dürftigkeit sich mühsam zu einer akademischen Laufbahn hindurchbringen. So ist einerseits die Zähigkeit, mit welcher eine in höheren Bildnngsschlchtcn hinanfgerückte jüdische Familie in allen ihren Nachkommen diese bevorzugte Stellung zu bchanpLen sucht, und andrerseits der Drang der noch unten Stehenden znm Emporkommen, durch Aneignung von Bildung um vieles größer, imd das deutsche Volk hat allen Grund, sich diese Eigenschaften des jüdischen Stammescharakters znm Muster dienen zu lassen, und der Vorsehung dankbar dafür zu sein, das; sie ihm solche El affen ka meradeu zur Anspannung seines Wetteifers gegeben hat. Die Juden aber mögen von dem deutschen Idealismus lernen, daß man der Würde der Wissenschaft erst daun vollauf gerecht wird, wenn man sie in letzter Instanz als Selbstzweck behandelt, und ihr durch ihre Pflege als Selbstzweck für ihren Gebrauch als Mittel zu praktischen Zwecken gleichsam Gcnngchmmg gewährt. »Gleich dem Wissen steht auch die Arbeit in hoher Ehre bei den Juden, und nichts ist verachteter als der Müßiggang und das Leben auf Kosten Anderer. „Auch hierin besteht eine Verwandtschaft zwischen dem jüdischen und deutschen Volkscharaktcr, die noch größer sein lvürde, als sie ist, wenn sie nicht bei den Juden durch die tausendjährige Abwendung von productiver Arbeit zur geschäftigen Betriebsamkeit entartet wäre. Diese Abirrung wird jedoch durch die Folgen der Emancipation mehr und mehr beseitigt werden. „Der dritte Eharakterzug, in welchem beide Stämme Zusammentreffen, ist der Familiensinn. Das gamiliculdjeu der niederen Schichten bei den Juden ist entschieden besser, weniger roh, und insbesondere frei von den Störunge:: durch Trunksucht, welche in den niederen Ständen des deutschen Volkes so unsäglich viel Familiettglück untergrabt und zerstört. Auch die Kinder erhalten in den niedern, jüdischen Schichten eine sorgfältigere Pflege als in gleichstehenden deutschen, wie aus der Statistik der Kindersterblichkeit zu entnehmen, und sie lohne» es in reiferen Jahren den Eltern durch eine durchschnittlich größere Pietät und Anhänglichkeit, als sie in den entsprechenden deutschen Schichten üblich ist. „Die Jüdinnen zeichnen sich gleich den Deutschen und Jrländerinnen durch Keuschheit aus, insbesondere wird dies erwiesen, durch das. geringere Contingent, welches. das Jndenthnm zur Prostitution liefert. Die Zukunft der Erde gehört den Völkern, deren Weiber am keuschesten sind und bleiben. „Der Jude hat ein stärkeres Gefühl für die sociale Pflicht des Mannes, eine Familie zu gründen, während gerade neuerdings, bei den Deutschen und namentlich in den besseren Ständen dieses Gefühl aus egoistischen Rücksichten in einer für das nationale Gedeihen höchst bedenklichen Weise schwindet. Der Jude, der eine Familie gegründet hat, hat aber auch ei:; entschieden stärkeres Gefühl der Verpflichtung, für die Zukunft seiner Familie zu sorgen unter Entbehrungen, die er sich selbst auferlegt. In beiden Punkten können die Juden den Deutschen zum Vorbild dienen, wenngleich ihre Ueberlegenheit den Deutschen gegenüber in diesen wie in den erwähnten Punkten viel geringer ist als die den Slaven gegenüber. Beachtenswerth ist auch die Ucbereinstlmmnng, daß Juden wie Deutsche dem weiblichen Geschlecht nicht eine praktisch unfruchtbare und sittlich bedenkliche Galanterie widmen, sondern, daß sic es hochschätzen und Hochhalten, weil sic die Würde seines socialen Berufes und die Er-