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Der Israelit · 1885-02-02 · Heft 9 (2.2.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 9 (2.2.1885)
Date
1885-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M S > E t n Zentral - Hrgan für das orthodoxe Iudenthmn. Herausgcgcben von Vr. Lehmaun in Maiuz. Montag, den 2. Februar 5645 (1885). Leitende Artikel. Aas ZudentKun! in Gegenwart und Zukunft. (Von Eduard v. Hartmann.) II. Mainz, 22. Januar. Herr von H. geht nunmehr dazu über, den jüdischen Stamm zu characterisiren. Lassen wir auch hier ihn selbst reden: „Die Juden sind ein durchaus realistischer Stamm und vielleicht, ist ihr Realismus größer als der irgend eines anderen Volkes der Gegenwart mit Ausnahme der Nordamerikaner. Unter praktischem Realismus verstehe ich das energische und ausdauernde Streben nach unmittelbar erreichbaren Zielen, wobei nicht ausgeschlossen ist, daß diese unmittelbaren erreichbaren und darum niedrig und nahe gelegenen Ziele selbst wieder Mittel zu ferneren und höheren Zielen sind. Wir werden sehen, daß es dem Judenthum durchaus nicht an solchen idealen Zielen fehlt; aber diese bleiben, soweit sie bewußt sind, eine Zukunftsperspcctive, welche nicht nur nicht hindert, sondern noch mehr dazu antrcibt, seine ganze Kraft den relativ niedrigen Zielen der unmittelbaren Gegenwart zu widmen. Nüchternheit, Mäßigkeit, Geduld, Zähigkeit, Elasticitöt im Unglück, Arbeitsamkeit, Emsigkeit, Betriebssamkeit, Wirthschaftlichkeit, Sparsamkeit, Häuslichkeit, Familiensinn, Kinderliebe, Schätzung und Hochhaltung der Frauen, Pietät vor den Eltern, Wissensdrang, Bildungsstreben und Lerneifer, alle diese Eigenschaften dienen zunächst dem praktischen Realismus des Jndenthums, und gerade weil sie dies thun, erreichen sie in ihrer Vereinigung so große Resultate. Die Stärke des Jndenthums liegt nicht in dem Talent zur positiven Organisation, sondern darin, daß selbst bei dem Mangel jeglicher Organisation der Einzelne seine Sonderinteressen doch wie selbstverständlich den Gesammtintercssen unterordnet, und sich mit Hintenansetznng seines Eigenwillens als dienendes Glied des Ganzen fühlt. „Für praktische Wohlthätigkeit sind die Juden geradezu das klassische Volk, dem entschieden die Ueberlegenheit ebensowohl über die indische Passivität des Mitleids wie über die unpraktische europäische Almoscnwirthschaft znkommt; jüdische Wohlthätigkeit gibt nur dem Arbeitsunfähigen Almosen, sonst aber blos Beihilfe zur Verwerthuug der Arbeit. Die gesetzliche Zwangsversichernng ist nichts als ein Versuch, das deutsche Volk durch staatliche Bevormundung zu dem zu zwingen, was die Juden von jeher von selbst gethan haben, nicht die ganzen Einnahmen zu verbrauchen; aber die Gesetzgebung kann doch immer nur Versicherungsprämien für Rothlagen ausscheiden und nicht zur Ansammlung von Reservefonds zur Verstärkung der wirthschaftlichen Kraft zwingen, worin das ganze Gcheimniß der wirthschaftlichen Ueberlegenheit der Inden über Deutsche und Slaven besteht. Beim Juden reicht das abstrakte Motiv der Stärkung seiner wirthschaftlichen Lage aus, um sich den Verbrauch eines Thciles seiner Einnahme zu versagen. Beim Deutschen und Slaven wirkt dieses abstrakte Motiv wegen größeren Leichtsinns schwächer,, und gleichzeitig ist die sinnliche Genußsucht größer, so daß es seltener und in geringerem Maaße zur Ansammlung von Reserven kommt. Die gerechte Folge dieser Verschiedenheit ist dann die, daß der Deutsche und Slave, wenn er in die Lage kommt, ans nicht vorhandene Reserven znmckgreifcu zu müssen, sich an den Inden, der vorsichtig und enthaltsam genug war, sie zurückzulegen,

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