Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1885)
- Date
- 1885-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ihre hiesigen Brüder — die sie alle für reich halten — nm Hilfe anzugehen. Die Gemeinde macht gerade jetzt eine sehr ernste finanzielle Krisis durch; dieselbe rührt nicht von dem Zulauf der vielen Armen her, sondern hat folgende Ursache. Das Schlachten des Rindvich's unterliegt bei den Juden — zu Gunsten der Gemeinde — einer Steuer von 3,50 Frs. pro koscherem Ochsen, und da seit lange die israelitischen Schlächter von Tanger Gibraltar versorgten, so pflegte man wöchentlich mehr ak> 100 Stück zu schlachten; heute, wo der Sultan die Ausfuhr von Rindvieh gestattet hat, werden die lebenden Ochsen nach Gibraltar gebracht, zum großen Schaden der Gemeinde. Noch andere Ursachen sind kürzlich hinzugctreten, um das Budget zu verringern. Die Gemckudc sah sich kürzlich gezwungen, einige ihrer Jmmokblien zu belasten, nm ihren Bedürfnissen Rechnung zu tragen. (Israeliten von Tsorlou.) Die Unruhen, welche in dieser kleinen Stadt in Folge der Anklage entstanden, deren wir bereits erwähnten, sind heute vollständig bekgelcgt, Dank der Intervention der geistlichen Behörden sowie dem energischen Auftreten der Civilbehürdc. Gin Israelit, welcher bei dieser Gelegenheit gefangen genommen, ist wieder auf freien Fuß gesetzt und die Sache zur Zufriedenheit der Gemeinde geordnet worden. P a l ä st i n a. Das Gentralcomite der „Ehovavs-Zion-Gcsellschast" in Warschau berichtet, das; die Bewegung für chic Kolonisation Palästinas in Rußland große Fortschritte mache. 85 Gesellschaften haben sich seit der Gonfcrcnz in Kattowitz gebildet. Besonders haben die Vereine in Lodz, Lublin, Plock, Pinsk, Düuabnrg, Wilna und anderen Städten eine große Anzahl von Mitgliedern anfzuweisen. Hingegen konnte die Gesellschaft in Berlin fast keine Anhänger finden, so daß sie von der ursprünglichen Absicht, den Sitz des Gentralcomitcs dorthin zu verlegen, abgehen und wahrscheinlich eine der großen russischen Städte dazu ausersehen wird. Eine Delegation der Inden in Snwalk (Rußland) hat das Dorf Guseh — Gholab angekauft. Der Stauf ist bereits von der türkischen Negierung bestätigt worden; die (Monisten haben die türkische Rationalität angenommen. Feuilleton. Der Gönner. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser von »Gabriel.") (Fortsetzung.) Nachdem sich der erste, heftige Jubelrausch gelegt, und die Glücklichen sich in ihre neue, günstig veränderte Lage hineindenkcn konnten, entspann sich em sehr lebhaftes Gespräch, die verschiedensten, mitunter eigenthümlichsten Fragen, schwirrten hinüber und herüber, und zumeist wurde die Antwort durch die zweite Frage eines unerschöpflich Neugierigen, durchkreuzt, unterbrochen; die verschiedensten Wünsche, Hoffnungen und Zukunftspläne wurden ausgesprochen. Eva schlug vor, die Dukaten sofort zn verkaufen, nm wie cs die rabbinischen Gesetzen vorschrciben *), den Zehnt an arme, würdige Personen zu vcrthcilen und schlug für diese Bctheilung unter anderen Kandidaten auch den alten Huber-Franz vor, der mit seinem kärglichen Jnvalidengehalte auch sein verwaistes Enkelchen zu erhalten hatte. Dieser Antrag gab zn einer lebhaften Debatte Veranlassung. Darin stimmten wohl Gatte, Sohn und Pflegetochter überein, daß eine dein zehnteil Theile der Dukaten entsprechende Summe an Arme gegeben werde; dagegen sprachen sic sich entschieden gegen den Verkauf der Goldstücke ans, welche als ein unantastbares Andenken an die wunderbare Wendung in ihrem Schicksale und als Geschenk kaiserlicher Huld in der Familie für ewige Zeiten bewahrt werden sollten, und die alte Frau bekehrte sich zu dieser Ansicht. „Guten Morgen!" rief es zum offenen Fenster herein, und als Alle, ihre Blicke hinaus auf die Straße richteten, sahen sie einen offenen mit zwei Branilcn bespannten Wagen, dessen Ankunft sie in der Lebhaftigkeit ihres laut geführten Gespräches überhört hatten. In demselben saß der ehrwürdige Pfarrer Glisander. Blochuer freute sich stets, seinen edlen Gönner l) Die Bibel verordnet nur von den Feldsriichten den Zehnt an die Leviten (dem Stamme Levi Angehörigen), die keinen Grundbesitz im Lande besaßen» zu geben. Tie Rabbiner haben diese Bestimmung auf jede lsinnahme ausgedehnt und muß der zehnte Thcil an Arme und Durstige vertheilt werden.