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Der Israelit · 1885-01-29 · Heft 8 (29.1.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 8 (29.1.1885)
Date
1885-01-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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zu sehen, dieser pflegte, wenn er nach Schönhof kam, sich in der Regel bei ihm aufzuhalten, er eilte hinaus und rief: „Hochwürdiger Herr! wollen Sie uns denn Glicht die Ehre erweisen, einen Augenblick bei nns einzutreten? Unser David ist wieder da, er hat auch die letzte zweitägige Schlacht mitgemacht. Er weiß viel Schönes und Merkwürdiges zu erzählen." Der Pfarrer leistete der Einladung Folge, und stieg ohne Hilfe des Fuhrkncchtes, der diensteifrig vom Docke sprang, aus dem Wage». „Wie ich an dem Gefährte und dem Knechte erkenne," fuhr Blochner fort, „waren Sie hochwürdiger Herr, bei dem Waldmüller da im Gebirge. Jst's denn schon gar so übel mit ihm bestellt, das; er Sie, Hochwürdcn, zn sich laden liest?" „Aber hochwürdiger Herr Pfarrer!" rief Eva erschrocken, „Sie sehen ja entsetzlich bleich und verstört aus! — darf ich eine kleine Erfrischung anbieten? Wir haben freilich sehr wenig zn Hause, aber Lea kann schnell einen guten Kaffee kochen, — oder wäre vielleicht ein Gläschen Liqnenr gefällig? Wir haben in unserem Kramladen noch eine Flasche des allerbesten." „Ich danke," lehnte Pfarrer Elisander mit einer Handbewegung ab, „ich möchte um nichts Anderes als um ein Glas Wasser bitten. Jungfer Lea ist wohl so freundlich mir's frisch vom Brunnen zu bringen .... Sie haben recht, Frau Eva, ich habe in der letzten Zeit viel durchgemacht, was mich angegriffen hat. Ich komme soeben von dem Sterbebette des Waldmüllers. Ich habe auch dort eine unangenehme Scene durchzumachen gehabt. Ich fühle mich, so oft cs auch geschieht^ das; meine Pflicht mich an ein Sterbebett ruft, doch immer in der Nähe eines aus dem Leben scheidenden Menschen erschüttert. Hier in diesem Falle wurde mir die Ausübung meines Amtes noch erschwert und vergällt. Der Müller ist, wie bekannt, in vorgerücktem Alter in zweite Ehe getreten und besitzt aus der ersten einen vcrhciratheten Sohn und hat auch noch eine mannbare Tochter im Hanse. Tie Frau stellte das sonderbare Verlangen an mich, ich solle den halb bewutztlosen, mit dem Tode ringenden Mann, veranlassen, ein Testament zu ihren Gunsten zu machen und jammerte, ihre bösen Stiefkinder Würden sie, sobald ihr Mann die Augen geschlossen, arm und elend aus dem Hanse jagen; die Kinder, statt sich um den sterbenden Vater zu kümmern, warfen der Stiefmutter vor, sie wolle sie um ihr Eltcrnerbe berauben; — es war ein recht hässliches Gezänke, und es schmerzte mich tief in meine Seele hinein, dass es mir während meiner mehr als halbhundertjährigen Amtswirksamkeit in dieser Gegend doch nicht gelungen, so rohe Ansbrüche gemeiner Selbstsucht ansznrottcn. Ich war gezwungen, die Streitenden ans dem Zimmer des Sterbenden hinanszuweisen. Das Eine tröstete mich, der Müller starb beruhigt, und meinen redlichen Bemühungen, meinen eindringlichen Worten gelang cs endlich mit grosser Mühe, die Streitenden am Todtenbette des Familienoberhauptes untereinander auszusöhnen." „Ah! Hochwürdiger Herr! Sie sind ja die Güte selbst und stiften, wo sic nur können, Frieden und Eintracht," sprach die leichtgerührte Eva, und wischte die Thränen aus den Augen. „Ucberdics," fuhr der geistliche Herr die Unterbrechende überhörend fort, „hatte ich auch in der vorigen Nacht, bevor ich zu dem Waldmüller geholt wurde, so tief Erschütterndes durchgemacht, das; es nach den Aufregungen der zweitägigen Schlacht in meiner unmittelbaren Nähe, bei meinem vorgeschrittenen Alter nicht Wunder nehmen kann, wenn ich mich körperlich und geistig erschöpft fühle." Lea war mittlerweile mit einem Kruge frischen Wassers zurückgckchrt, und schänkte dem Pfarrer ein Glas ein, das dieser, wie ein Weinkenncr eine seltene Sorte langsam in mehrere»! Zügen leerte. Ein zweites Glas lehnte er mit den freundlichen Worten: „Ich danke Jungfer Lea, man darf auch des Guten nicht zu viel genießen, die herrliche Gottcsgabe hat mich genügend erfrischt", ab, und war dann fortgefahren: „David lvird euch wohl erzählt haben, dass — da mau bei mir Schrcibmaterkalic» vorzusinden erwarten durfte — mir gestern die hohe Ehre eines unerwarteteten Besuches des Generalissimus zu Theil wurde. Ich habe bei dieser Gelegenheit mit herzlicher Thciluahme erfahren, das; eurem David — die für einen Unteroffizier wohl beispiellose Auszeichnung wurde, in dem Berichte des ^Oberfeldherrn des Fürst-Feldmarschalls au den Kaiser anfgeführt und hochbelobt zu werden. Freilich bei der grossen Schnelligkeit, mit der sich diese, mir ewig unvergessliche Scene abwickclte, der Anwesenheit des hohen Herrn und der grossen Eile mit welcher Sie, lieber David, an die Erfüllung der Ihnen übertragenen, hochehrcnvollcn Mission gehen mussten, lvar ich gestern nicht in der Lage Ihnen lieber David meine Freude über die Ihnen zu Theil gewordene Auszeichnung anszusprechcn und wünsche Ihnen nachträglich viel Glück hierzu." Der Pfarrer trocknete sich mit seinem Taschcntnche den Schweiß von der Stirne und fuhr nach kurzer Pause wieder fort: „Nachdem der Fürst mit seiner Begleitung mein Haus verlassen, stellte mir meine alte Eousine

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