Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1885)
- Date
- 1885-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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129 in welchem der Verstorbene durch gehaltreiche, anregende Vorträge aus dem Talmud und der jüd. Literatur — in welchen beiden Fächern er Meister war — hohe Aufmerksamkeit erregte und manche verrottete Anschauungen und Voreingenommenheiten dadurch beseitigte. — Von hier ans datirt auch seine schriftstellerische Thätigkcit ans dem Gebiete der jüd. Schule und des Gottesdienstes. Die erstere durch seine Fibel, Ncligious- und Bibcllehre, sowie das sehr gehaltvolle Lesebuch „Rimmonim," sie sind sämmtlich geschätzte Lernmittel. Ebenso das vorzügliche Gebetbuch für das weibliche Geschlecht 22?? 't Außerdem sind seine gedruckten Predigten durchweg gediegen. Im Verein mit seinen beiden Freunden, dem König!. Negiernngs-Nath E. Jacob! und dem Königs. Gymnasial-Direktor Dr. Ang. Lehmann, verfaßte er im Jahre 1856 zum Besten der „Allgemeinen Landesstiftung zur Unterstützung der vaterländischen Veteranen und invaliden Krieger als „Nationaldank" den reich ansgeftattcten Ost- und Westprcußischen Musen-Almauach, welcher Sr. Majestät dem Kaiser, damaligen Prinzen von Preußen, gewidmet wurde. Ten Verfassern wurde der allerhöchste Tank zu Theil. Auch batte der Verstorbene wiederholt die Ehre, bei Gelegenheit der Anwesenheit der höchsten und allerhöchsten Herrschaften in den preußischen Provinzen bei feierlichen Anlässen, so bei der Krönung 1861 u. a. O. vorgestellt und angcredet zu werden. In Rücksicht darauf, daß viele jüd. reiche Familien zur weiteren Ausbildung ihrer Töcher, diese in Dresden in chriftl. Pcnsionate gaben, errichtete er vor 9 Jahren, mit Hilfe seiner (Hinterbliebenen) hochbegabten Frau, nach Niedcrlegung des Nabbinats, eine solche Pension in Dresden, in welcher er stets bemüht war, auch in diese jungen Gemüthcr die wahre Gottesfurcht einznpflanzen. Nun hat der Tod auch diesem edlen Streben ein Ziel gesetzt! — Der greise Herr Oberrabbincr Dr. Landau zu Dresden, dem der Verstorbene so nahe gestanden, ließ den Verdiensten dieses Frommen bei der mnz sowohl, wie am Grabe, ausgehend von dem Text P2L? "IN2B üpjr »in in herzergreifenden Worten volle Gerechtigkeit widerfahren. n"2"x":"n Italien. Mailand. Der Eommcndatore Arnoldo Pavia dahier wurde einstimmig zum Präsidenten der hiesigen Handelskammer erwählt. Soviel lvir wissen, ist er der erste Jude, der eine so einflußreiche Stellung in Italien erreicht hat. Mailand ist bekanntlich eine der größten, wohlhabendsten und wichtigsten Handelsstädte des Königreichs Italien. F r a n f v c i ch. Paris. Monatsbericht (Dezember 1881) der „All. Jsr. Univ." (Schluß.) Tic Eintracht herrscht nicht immer in der Gemeinde; dieselbe ist in mehrere Parteien getheilt. Ein einziger Mensch übte einen unbestrittenen Einfluß auf sie ans, das war tur kürzlich verstorbene Rabbiner Almer, dessen Tod für die dortigen Israeliten sehr zu beklagen ist. In der Nähe des Kaiserlichen Palastes befindet sich der Mellah, das Jndenvicrtcl, mit seinen engen winkligen Straßen, seinen hohen und von Miethcrn strotzenden Häusern. Im Inneren bieten diese Häuser einen gewissen Reiz, die Zimmer sind geräumig und originell gebaut. Die reichsten Familien, ja sogar die Hausbesitzer, bewohnen nur einen einzigen Raum, in welchem man empfängt, ißt, und wo die ganze Familie schläft. Sogar' die vcrhciratheten Kinder wohnen darin. Tagsüber sicht man eine große Anzahl Matratzen wie Luxusgegeustäude ausgcbreitet: je reicher man ist, je mehr Matratzen besitzt man. Man kann sich eine Vorstellung von der Größe dieser Zimmer machen, in denen mitunter 20—ao Personen wohnen. Durch seine Beschränkheit und seine Ucbersiillnng ist der Mellah ein Hecrd ansteckender Krankheiten. Das Fieber hört dort niemals ans; man sagt, die letzte Eholera-Epidcmic habe ein Drittel der jüdischen Bevölkerung hingerafft. Die Gemeinde trifft jetzt Maßnahmen, um diesen Stadttheil gesundheitlich zu verbessern, aber es wird großer Anstrengungen bedürfen, mn wesentliche Besserung in eine Lage zu bringen, die von so verschiedenen Grundursachen abhängt. Hier folgt eine von anderer Seite dcmEentral- Eomitü zngesandte interessante Mitthcilnng über die israelitische Gemeinde von Tanger: Während im ganzen Orient die Einnahmen der Gemeinden ans verschiedenen Quellen hcrrühren, Stenern ans Käse, Wein, Fleisch, persönliche Eontributionen re., so ist es in Tanger das Fleisch, welches fast alle Kosten deckt. Die ans Tanger gebürtigtcn Armen zählen nicht mehr als Tausend und die Hälfte der Budget-Einnahmen würde reichlich genügen, um ihr Elend zu heben, aber die meisten israelitischen Armen Tangers sind Fremdlinge, die ans Marocco, Larache, Arzila,Mogador, Mcquinez re. Herkommen, die Einen, um hier Arbeit zu finden, die Andern, um ganz einfach