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Der Israelit · 1885-01-26 · Heft 7 (26.1.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 7 (26.1.1885)
Date
1885-01-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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die Anwesenden einen sehr guten Eindruck hervorrief. Die Chorgesänge waren sehr gut vorgctragcn worden, ebenso die Soli; dabei zeigte sich, daß die Synagoge anch akustisch gut gebaut ist. Breslau, im Januar. Am in. Dezember 1SS4 ist Hierselbst ein Verein unter dem Namen „Talmndischer Lehr-Verein" gebildet worden, der znm Zwecke hat jüdisches Wissen unter unseren Glaubensgenossen zu verbreiten, steinige und befähigte Schüler für das Studium des Talmuds zu gewinnen und dabei zu unterstützen und armen talmudisch gebildeten Männern mit Geldmitteln, je nach Gutachten des jedesmaligen. Vorstandes beiznznstehen. Als Lchrgegcnstände werden vorläufig bezeichnet: 1) '"ch und L'Qis". (Pentateuch mit Eommentar Raschi). (Mischnajoth). n) «n dim (Ritnalgesetze). Außerdem sollen noch allgemein verständliche, jüdisch-wissenschaftliche Vorträge gehalten werden. In Anschluß au die Vorträge erfolgt die Erledigung ritueller Fragen. Bei den Vorträgen ist jede Kritik über Schriften, Lehren und Satzungen, die bei den; gcsevestreuen Judenthnm als unantastbar gelten, ausgeschloffen. , Posen, im Januar. Im Laufe voriger Woche verschied hier der in weiten Kreisen bekannte Kommerzieurath Samuel Jaffe im 67. Lebensjahre. Er war einer der vermögendsten Männer unserer Stadt und Provinz, aber mehr noch als dieser Besitz zeichneten ihn die seltenen Eigenschaften seines GemüthcS aus. Trotz seiner mitunter schroffen Außenseite hatte er dennoch ein weiches Gefühl für seine Mitmenschen; keine Sammlung zu wohlthätigcn Zwecken blieb ohne seinen Beitrag, der gewöhnlich der beträchtlichste war; keinem wohlthätigen'Vereinc blieb er fern. Erst jetzt nach seinem Ableben dringt die Kenntnis; zahlloser Fälle in das Publikum, in denen er Wohlthätigkeitssinu und Mitgefühl im Stillen bethätigte, so daß sein Verlust von den Nothlcidcnden unserer Stadt schmerzlich empfunden werden wird. Aber auch in anderer Beziehung machte er sich dem Gemeinwesen nützlich. Er war viele Jahre hindurch Stadtverordneter und seit 12 Jahren Magiftratsmitglicd, ferner Schatzmeister des vaterländischen Frauenvercius und Förderer vieler anderer Vereine. Diese seine Verdienste, die schon längst höhere» Orts durch Verleihung mehrerer Orden anerkannt worden, sind auch in einem schwungvollen Nachrufe Seitens des Magistrats uud der Stadtverordneten hervorgehobcn nnd gewürdigt worden. Auch als Jude bethätigte er in vielfacher Beziehung wahrhaft jüd. Gesinnung. Er drang im Widerspruch mit einem seiner Schwiegersöhne mir Energie darauf, daß sein Enkel in den Lund des Judenthums ausgenommen wurde, hielt anch sonst mitPietät auf jüd. Institutionen und war immer bereit, jüd. Bestrebungen,?;»^ unterstützen und zu fördern. So war er ein eifriger Gönner der jüdischen Waisenknabeuanftalt, die er mit häufigen Zuschüssen bedachte. - Fast die ganze Einwohnerschaft nahm daher die Nachricht von seinem Ableben mit aufrichtiger Theiluahme auf^und sein Leichcnzng gestaltete sich in seltener Weise großartig. Nachdem vorher in Gegenwart zahlreicher distingnirter Anwesenden, unter denen mau auch den Ober- Präsidenten der Provinz, den kommaudirenden General, den OberlandeSgerichtspräsidenten u. v. a. bemerkte, vom Rabbiner Dr. Bloch eine Rede am Sarge gehalten wurde, setzte sich der imposante Leicheuzug in Bewegung. Magistrat uud Stadtverordnete, die Lehrer des Real-Gymnasiums uud anderer städtischen Schulen, die städtischen Beamten und eine unabsehbare Menge folgte demselben, auch der Landwehrverein mit seinem Mnsikkorps, wobei jedoch die Musik unterblieb, mit Rücksicht darauf, daß bei jüdischen Leichenbegängnissen keine solche üblich ist. Ebenso war auch der Sarg nach jüdischen! Gebrauche einfach nnd schmucklos. In das Grab wurde ihm, bei Personen ln seiner socialen Stellung etwas Seltenes, Erde aus dem heiligen Lande gestreut, jedenfalls auf seinen ausdrücklich hinterlaffenen Wunsch. Vor der Beerdigung wurden nahe an 60l)"M. an wohlthätige Vereine nnd private Armen verthcklt. Ein Testament ist noch nicht publicirt, doch spricht man von zahlreichen nnd bedeutenden Legaten, die der Verstorbene hinterlasscn haben soll nnd lvorüber zu berichten ich wohl nächstens in der Lage sein werde. Hamburg, im Januar. Nach dem vor einigen Monaten erfolgten Ableben der Fran Emilie Hertz, Gemahlin des vor einigen Jahren verstorbenen Herrn Hartwig Hertz erhielt die hiesige so trefflich geleitete Talm'nd-Thora-Schule, die fast von 500 Knaben besucht, die Summe von M. 180,000. Nunmehr hat Herr Hcym. Mathias als Tcstamentsexccutor aus dem Nachlasse der verstorbenen Frau Emilie Hertz dem Pcnsionsfond der israel. Töchterschule und der Sternstiftung, Pcusionsfond für Lehrer der Talmnd-Tora-Schule je M. 25000 und dem Verein zur Bekleidung armer Schüler der Talmud-Thora-Schnle M. 10,000 überwiesen. ES sei nnS bei dieser Gelegenheit gestattet, im Namen vieler hiesiger Glaubensgenossen Herrn Heymann Mathias den tiefgefühltesten Dank für seine rastlose Thätigkeit daS Gedeihen der Talmud-Thora-Schulc auszuj'prccheu.

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