Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1885)
- Date
- 1885-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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er es zu jeder Zeit als größte Pflicht des Priesters gehalten, dem Volke die Duldsamkeit und Nächstenliebe zu predigen. (Bukarest.) Die folgenden Zahlen beweisen, daß die rumänischen Israeliten die Wohlthaten des Unterrichts zu schätzen wissen und sich bemühen, ihre Kinder daran theilnehmcn zu lassen. So zählten im Schuljahre 1878—79 die Gemeinde-Knabenschulen 1,432 israelitische und 18,165 christliche Zöglinge; die Mädchenschulen 1,793 jüdische Zöglinge gegen 7,421 chr. Kinder. Im Schuljahre 1881—82, also zwei Jahre später, besteht folgendes Verhältnis; in diesen Schulen: 2,331 israel. Knaben ans 21,501 Christen, und 2,754 israelitische Mädchen auf 10,000 christliche junge Mädchen. Im Jahre 1882—83 endlich werden die Knabenschulen von 2,350 israelitischen und 21,710 christlichen Schülern und die Mädchenschulen von 2,741 Israelitinnen auf 10,723 Christinnen besucht. In den Gymnasien befanden sich 1878—79 318 israelitische Schüler und 1,540 Christen; 1881—82 383 Israeliten und 1,694 Christen; 1882—83 401 Israeliten und 1,687 Christen. Die Lyceen wurden im Jahre 1878—79 von 151 Israeliten und 1,631 Christen besucht; 1881—82 von 191 Israeliten und 1,917 Christen und 1882—83 von 180 Israeliten und 2164 Christen. In den Mittel- und Gewerbeschulen für Mädchen gab cs 1878—79 34 israelitische Zöglinge gegen 791 christliche; 1881—82 63 Israelitinnen und 1,233 Christinnen; 1882—83 75 israelitische und 1,407 christliche Zöglinge. In der Handelsschule endlich zählte man 1878—79 77 israelitische und 204 christliche; 1881—82 239 israelitische und 833 christliche; 1882—83 222 israelitische und 495 christliche Schüler. (Israeliten Marocco's.) Das Central-Comitö hat kürzlich neue Mittheilungen über das Leben und die Sitten der Israeliten in Fez erhalten. Anbei einige Auszüge aus diesen Berichten: Die aus 15,000 Seelen bestehende israelitische Gemeinde von Fez läßt sich in drei ganz genau begrenzte Kategorien theilcn: die Neichen, die Wohlhabenden und die Armen. Cs gibt sehr wenige reiche Israeliten in Fez; die Mittelklasse besteht ans circa hundert Familien; die Handwerker und kleinen Händler bilden die Klassen der Armen, welche wahrhaftig zu beklagen ist. EinigeHandwerke werden ausschließlich von Juden betrieben; das sind Schneider und Goldarbeiter; man findet auch viele Israeliten unter den Drechslern, Schreinern, Schmieden rc. (Schluß folgt.) Rußland. Petersburg, 16. Januar. Eine ernstliche Judenhetze soll kürzlich in Wilkomir in Lithauen stattgefnndcn haben. Die Angreifer waren eine Anzahl Nekrntcn, welche die Juden ohne Unterschied des Alters oder Geschlechtes ergriffen, einen jüdischen Wasserträger tödtetcn nnd einen anderen schwer verwundeten. Da die Polizei sich zu der Unterdrückung des Aufruhrs machtlos erwies, wurde die Feuerwehr heransgerufen, welche die Unruhestifter zerstreute. Petersburg, 17. Januar. Der „russischen St. Petersburger Zeitung" zufolge ging dem sinnländischen Landtage ein Gesetzentwurf zu, wonach den mit Pässen versehenen Inden der Aufenthalt und der Gewerbebetrieb in Finnland, sowie die Erwerbung von Immobilien in den dortigen Städten, aber nicht in den Dörfern zu gestatten ist. Juden, welche 10 Jahre in Finnland wohnen und unbescholten sind, erhalten einen lebenslänglichen Paß, können aber bei eintretcndcr Veranlassung jederzeit ausgewieseu werden. A m e r i k a. Ncw-Zork. Der Redactenr des in Cincinnati erscheinenden „Jsraclite," Tr. Leo Wise, hat sich mit einem Beschwerdeschreiben an den Newyorker Repräsentanten S. S. Cox gewandt. Cr macht in demselben auf das jüngst erlassene harte Edikt des russischen Czaren aufmerksam, welches alle im Anslande geborenen oder natnralisirten Inden ans dem russischen Reiche vertreibt. Von der gegenwärtigen Administration sei in dieser Beziehung wohl nicht Viel zu erwarten. Darum möge er (Cox) sich an Grover (Cleveland) wenden und eine entschiedene Meinnngs- Aenßerung von demselben zu erhalten suchen. Samuel S. Cox hat Das denn auch gethan, und so ist ihm die folgende Antwort erthcilt worden: „Werther Herr! Ihr Schreiben vom 15. Dezember habe ich sannnt dem Einschlüsse (einem Briefe des Rabbi Wise) richtig erhalten; alkccdings mit einer Lawine anderer Briefe und inmitten der verwirrcndsten Schwierigkeiten, sowie einer Beschäftigung, die einerseits durch den Ablauf meines gegenwärtigen amtlichen Daseins, andererseits durch das Herannahen neuer Pflichten bedingt war. Ich bin der Ansicht, daß eine in's Einzelne gehende Darlegung meiner Gesichtspunkte oder Gefühle hinsichtlich des von Dr. Wise angeregten Gegenstandes unzweckmäßig sein würde. Indessen hoffe ich, daß die neue Administration, wenn sie die Erfüllung öffentlicher Pflichten einmal übernommen hat, sich durchaus willig und bereit erweisen wird, die Rechte aller amerikanischen Bürger im Einklänge mit dem demokratischen Glaubensbekenntnis; und demokratischen Präzedeutien zu beschützen. Ihr ergebener Grover Cleveland.