Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1885)
- Date
- 1885-01-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 er auch als König bewahrte, seinem Namen durch eine wirkliche Königin einen erhöhten Glanz zu verleihen, sowie durch seine Verbindung mit dem makkabäischen Könighause auch formell sich die Berechtigung zur Königskrone zu verschaffen. Ein Wesen nur hatte Macht über Hcrodes; das war Marianne, und als er auch diese morden lies;, dann erst fand er keine Ruhe mehr, und nur das Blutvergießen allein konnte ihn befriedigen. Die letzten Glieder der Makkabäerfamilie, die, weil sie sich unter einander verlcuindeten und verklagten, nicht unschuldig waren, wurden der Reihe nach in dieser Schrcckenszeit hingerichtet. Wie ein Gottesgericht erklingen da die in Hinsicht auf diese Greuel beim Anblick des schwimmenden Schädels gesprochenen Worte Hillels, und wer erkennt nicht in dem Schädel, der obenan schwamm, Hcrodes, über den hier die Vergeltung angerufen wird. Das durch Herodes erbaute Hciligthum, auf dessen Pforten er das Wappen des römischen Adlers hatte anbringen lassen, sank achtzig Jahre nach Hitlel in Trümmer; das Heiligthum hingegen, an dessen Aufbau Hillel mitgcarbeitet, und das das Wappen des Ewigen, der Wahrheit und der Menschenliebe trug, wurde von seinen Schülern, (einer derselben, Jonathan ben Usiel, hat die heil. Schrift übersetzt) weitergepflcgt und überdauerte alle Zeiten. Redner schloß mit einem Hinweis auf das zur Zeit Hillels entstandene Ehristenthum, dem das Jndeuthnm durch den sanften Mund Hillels die Worte mit ans den Weg gegeben: „Was'Du nicht willst, das man Dir ihn', das füg' auch keinem Andern zu!" und schloß daran den Wunsch, daß immermchr das Gemeinsame erkannt und gewürdigt, das Trennende aber kein Hindernis; bilden möge, vereint nach den höchsten Zielen der Menschheit zu streben. — O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. In Tarnow (Galizien) wurde am 10. d. M. der dortige Bischof Baron v. Pukalski zu Grabe getragen. Bischof Pukalski ist sehr oft für die Inden eingetreten und hat öffentlich den Antisemitismus verdammt. In seinem Testamente vermachte er einen bedeutenden Betrag für die jüdischen Armen der Stadt Tarnow. Die Beerdigung fand unter zahlreicher Bctheilignng der Tarnowcr Juden, sowie einer besonderen Deputation der Tarnowcr israel. Knltusgemeinde statt. Schweiz. Biel. Im letzten Hefte der Zeitschrift des Berner Juristenvereins macht Herr Dr. Stooß, Professor des Strafrechts an der Universität zu Bern, den in aller Welt bekannt gewordenen Langenthaler Schächtprozcß, der mit der Verurtheilung des dortigen Schächters Levy und des Metzgers Bloch zn einer Buße von je 10 Frcs. endete, welches Urtheil von der Polizeikammer des Bern'schen Obergerichtes infolge eingereichter Appellation bestätigt wurde, zum Gegenstand einer juristischen Betrachtung. Der bedeutende Gelehrte kommt nach genauer Prüfling des Falles an der Hand der Akten zum Schluß: „Dem die wegen Thicrquälerei angeklagten Levy und Bloch verurtheilenden Erkenntniffe ist nicht beizustimmen, weil nicht festgestellt ist, daß das Schächten eine mehr als nöthige, schmerzliche und gleichzeitig ungewöhnliche Tödtungsart ist und daß durch Anwendung derselben Aergerniß verursacht worden sei." Prof. Dr. Stooß bezeichnet die Bestrafung des Schächtens, nachdem dasselbe während des 40jährigen Bestehens des Gesetzes gegen die Thierquälerei niemals als solche verfolgt wurde, als eine das Rechts bewußt sein in hohem Grade verletzende Maßnahme. B. Taube. (Wir sprechen bei dieser Gelegenheit unser Bedauern aus, daß die Verurtheilten nicht an die höchste Instanz, an das Bnndesgericht appellirt haben; eine Principienfrage von so weittragender Bedeutung hätte durch alle Instanzen zum Austrag gebracht werden müssen. — Red.) Frankreich. Paris. Monatsbericht (Dezember 1884) der „All. Jsr. Univ." Die von der russischen Regierung eingesetzte Eommission zur Untersuchung der auf die Juden dieses Landes bezüglichen Gesetzgebung setzt ihre Arbeiten unter dem Vorsitz des Grafen Pahlen fort. Dem Journal de St. Petersbourg zu Folge, (Jewisli Chronicle vom 12. Dezember) wäre sie danrit fertig, die zahlreichen Memoranden, welche ihr von den Local-Eommissionen, die damit beauftragt waren, die Lage der in den russischen Nord- und Süd-Ost- Provinzen wohnenden Juden zu studiren, eingeschickt worden sind, zu ordnen, zu classificiren und zu resumiren. Der Metropolitan von Petersburg, Monseigneur Isidor, feierte am 23. November den 50. Jahrestag seiner Amtantretung als Erzbischof. Die Israeliten dieser Stadt sandten Herrn Rabbiner Drabkin an ihn ab, um ihm in ihrem Namen ihre Glückwünsche abzustatten. Der Erzbischof empfing Herrn Drabkin mit großem Wohlwollen und sagte, daß