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Der Israelit · 1885-01-26 · Heft 7 (26.1.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 7 (26.1.1885)
Date
1885-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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111 schlechten Eigenschaften der jüdischen (?) Geschäftspraxis sind nur dadurch gezüchtet worden, das; sie durch die wirthschaftliche Unreife der Wirthsvölkcr gewinnbringend wurden, und muffen notwendig wieder verschwinden, sobald sie mit dem Schwinden dieser wirthschaftliche» Unreife aufhöre», lucrativ zu sein. Die Verluste, welche die Wirthsvölkcr durch jüdischen (?) Schacher, Wucher und Schwindel erlitten haben und noch erleiden, haben sie als die naturgemäße Folge ihrer wirthschaftliche» Unsolidität und als providenticllen Stachel zur Beschleunigung ihrer Reife anzusehcn. Bei diesem Ucbergang von leichtsinniger zu besonnener Wirthschaft aber dienen ihnen die Juden nicht blos durch ihre schlechten Eigenschaften als Sporn und Geißel, sondern auch durch ihre guten wirthschaftlichcn Eigenschaften als nachahmenswerthes Vorbild." Wir hätten gegen diese Auseinandersetzungen wenig einzuwenden, wenn Herr von H. nicht die schlechte Geschäftspraxis, Wucher, Schacher und Schwindel als „spezifisch jüdisch" bezcichnetc. Wie wenn cs unter den Nichtjuden keine Schacherer, Wucherer und Schwindler gäbe! Herr von H. möge doch jene Länder und Gegenden aüfsuchcn, in denen keine oder doch sehr wenige Inden wohnen, und er wird sich überzeugen, daß überall, wo Handel und Wandel blühen, cs auch Auswüchse gibt, die eine schlechte Geschäft-Praxis bekunden. Wucher und Schwindel tragen nichts spezifisch Jüdisches an sich; zum Schacher sind unsere Vorfahren gezwungen worden, und der Philosoph sollte cs vielmehr anerkennen, daß die Nachkommen in wenigen Jahrzehnten sich mit dem größten Eifer andern Berufsthätigkeiten zuwenden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correfpondcnzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt verflossenen Mittwoch Abend Herr Tr. Horovitz einen Vortrag über Hillel und seine Zeit. Redner entwarf zuerst ein Bild der Rcgierungszeit des Herodes, der um die Gnnft der Römer gebuhlt und mit Oktavianus befreundet war, weshalb die Juden zwar volle Freiheit in der Ausübung ihres Glaubens genoffen und das Land Palästina sich nach Außen hin des Friedens erfreute, wofür cs aber im Inneren desto trauriger aussah. Herodes, der neue Städte und Straßen bauen ließ nnd 10,000 Arbeiter beschäftigte, um den Tempel neu errichten und mit großer Pracht ausftatten z» lassen, herrschte mit beispielloser Grausamkeit. Einen Lichtpunkt in diesem düsteren Bilde bilden die lieblichen freundlichen Züge Hillcls, des Babyloniers, der zwar einer vornehmen Familie entsprossen nnd seinen Stammbaum bis auf David zurückdatirte; da er jedoch frühzeitig verwaist wurde, arm und verlassen in seiner Jugend dastand. Durch Fleiß nnd unbeugsame Ausdauer, getreu seinem Spruche: 'y *•:« CK „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist denn für mich?" vcrvottkommnete er sich, und da er allen Stürmen, welche die Inden in Palästina vom Torastudium ablcnkteu, ferne stand, wurde er, der ein tiefes Gemüth mit feurigem Geiste verband, so hervorragend. Redner schilderte nun in fesselnder Weise den weiteren, auch in diesen Blättern schon früher vorgeführtcn Lebcnsgang Hillels, der, nach der Stadt des Wissens gekommen, in der Schule Schemaja's und Abtaljon's lernte. — Ter sprichwörtlichen Sanftmnth und der Eharaktcrgröße Hillcls, die sich auch in seinen Sprüchen widcrspicgelt (seinen Spruch an den Heiden charakterisirt Redner als ein Wort an das damals ganz erschütterte und nur noch auf einem Fuße stehende Heidenthnm), entspricht sein scharfer Verstand, und durch seine logische Durchforschung der heiligen überlieferten Gesetze wurde er mit der Neubcgründer der Halacha. Von den durch Hiltel zu Gunsten der Verkehrsermöglichnng getroffenen und allen Nothleidendcn zu Gute kommenden Einrichtungen erwähnte Redner die Anordnungen in Bezug auf den Hausverkauf in der ummauerten Stadt nnd die Schnldcrlassnng, durch die das biblische Gebot in seiner unantastbaren Strenge festgehaltcn, dabei aber gleichzeitig den Zeitumständen Rechnung getragen wurde. In den Sprüchen Hillels ist nicht allein seine hohe Lebensanschauung nicdergelcgt, sondern dieselben sind größtcntheils wahre Zeitepigrammc, die in Hinblick auf die damaligen Zeitvcrhällniffe gesprochen wurden nnd dadurch erst recht verständlich werden. So war der Ausspruch: „Wenn nicht jetzt, wann denn?" wohl eine Mahnung an alle Frommen und Unverzagten, bei dem durch Herodes ansgcübtcn Terrorismus nur die wahren Lebensziele im Auge zu behalten. Ebenso läßt sich in dem aec* i;u eine Anspielung auf Herodes erkennen, der die Marianne ans dem Hause der Makkabäer zu seiner Gemahlin genommen hatte, um bei seiner Sklavcnnatnr, die

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