Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1885)
- Date
- 1885-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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90 Erhaltung bei* jüdischen Wissenschaft unendliche Dienste geleistet hat. Wir sehen also, bas; der Rcichthnm, wenn er sich in den Händen solcher Männer befindet, die ihn nicht zn verschwenderischen Lebensgenüssen benützen, die Um vielmehr zur Erstrebnng der höchsten Ziele der Menschheit verwenden, nicht allein nicht gefährlich ist, sondern die segensreichsten Folgen hat. Auch für die Israeliten, die ans Mizrajim zogen, konnte der Besitz von großen Schätzen an Silber und Gold nicht gefährlich werden; sie konnten den Rcichthnm nicht zn üppigem Lebensgenüsse verwenden. Sie wanderten in die Wüste, wo Gottes Vorsehung sie mit Allem versorgte, dessen sie bedurften. Täglich sammelten sie das Manna, das für sie vom Himmel herniederfiel, und das ihnen alle Speisen ersetzte. Der Brunnen, den Moscheh auf Gottes Geheiß ans dem Felsen hervorsprudeln ließ, begleitete sie auf ihrer ganzen Wanderung. Die Wolke Gottes schützte sie vor der Sonnenglnth nnd verursachte, daß der heiße Wüstensand ihre Füße nicht verbrannte. Ihre .Lleider wurden nicht abgenutzt, so daß sie keine Gelegenheit hatten, die aus Mizrajim mitgcbrachten Schätze zu ihrem eigenen Besten zn verwenden. Wenn aber dem so ist, so bleibt die Frage offen, warum ihnen Gott die Schätze gegeben, für die sie doch in der nächsten Zeit gar keine Verwendung hatten. Es liegt in der menschlichen Natur tief begründet, daß ein plötzlicher Uebergang von Knechtschaft zur Freiheit, von Armurh zum Ncichrhnm berauschend nnd bethörend wirkt. Die Israeliten hatten in Mizrajim im größten Eleude und in der tiefsten Niedrigkeit geschmachtet. Wären sie sofort in das verheißene Land geführt worden, sie wären durch die entfesselten Leidenschaften, die solch ein plötzlicher Uebergang mit sich zn bringen pflegt, zu Grunde gegangen. Daher führte sie Gott in die Wüste, zun sie daselbst zur Freiheit und für ihren hohen Beruf zn erziehen. Gr gab ihnen Rcichthümcr, die sie in der Wüste nicht verwenden konnten, um sie an den Besitz derselben zu gewöhnen. Das Gold nnd das Silber und die andern kostbaren Stoffe, die sie ans Mizrajini mitgcbracht, sollten sie einzig und allein im Dienste des Heiligthnms, zur Erbauung nnd Schmückung der Sliflshüttc zn verwenden Gelegenheit finden. Es war eine große Lehre, die ihnen der allgütkge Gott in dem Augenblicke gab, da sie ein selbstständiges Volksthum zu bilden begannen. Das einzige Ziel nnd die einzige Hoffnung unseres Vaters Abraham lvar, daß seine Nachkommen in Gottes Wegen wandeln, wie Gott selber cs bezeugt (1. B. M. E. 18. B. 19). „Denn ich habe ihn erkannt, daß er befehlen wird seinen Söhnen nnd seinem Hause nach ihm, das; sie beobachten den Weg des Ewigen, zu übe» Tugend nnd Recht, damit Gott über Abraham bringe, was Er über ihn verheißen." Deßhalb gab Gott schon dem Abraham die tröstliche Verheißung, daß seine Nachkommen, die da bestimmt waren, „ein heiliges Volk, ein Gleich von Priestern" zu werden, auch in materieller Beziehung die Mittel besitzen sollen, um auf den Hohen des Lebens zu wandeln. Als nun der Augenblick der Befreiung aus hartem Sklaveujoch hcraukam, waren die Israeliten von dem Gefühle der endlich errungenen Freiheit so beglückt, das; sie die Erlangung materieller Schätze verschmähten. Da sprach Gott zu Moscheh: Rede, ich bitte Dich, dem Volke zu, daß sie von den Aegyptcrn den Lohn für die lange und harte Arbeit fordern, damit nicht jener Fromme, damit nicht Abraham sagen könne: Die Leiden hat Gott über sie gebracht, aber das verheißene, große Vermögen ist ansgeblieben. Wir aber sollen aus dieser Darlegung lernen, daß der Besitz an nnd für sich gut und wohlthätig zu wirken geeignet ist, daß er aber im hohen Grade gefährlich wird, wenn der Mensch ihn lediglich als Mittel betrachtet zn einem üppigen und genußreichen Leben. Mögen die Gleichen in unserer Mitte ihre Schätze als ein Gnadengeschenk Gottes betrachten und sie so verwenden, wie es einst König Chiskijahu, wie cs Rabbi Iehuda, der Fürst, wie es Rabbi Samuel Hannagid gethan; dann werden sie der Mitwelt und allen kommenden Geschlechtern znm Segen gereichen. sticht nur für die mit großen Reichthümern Gesegneten gilt diese Lehre, sondern für Jeden, der sich eines mäßigen Wohlstands erfreut. Wenn die eignen Bedürfnisse gering sind, dann wird Jedem die Gelegenheit geboten, seine Ersparnisse im Dienste der leidenden Menschheit, zur Förderung alles Guten zu verwenden und für die Gegenwart sowie für die Zukunft Großes zu schaffen. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Würzbnrg. Wiederum tritt die hiesige Rabbinatssrage, welche die auswärtigen geehrten Lesern gewiß längst geregelt glaubten, in den Vordergrund. Es dürste denselben noch erinnerlich sein, wie sich