Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1885)
- Date
- 1885-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 6 Ein Gentrak - Grgan für das orthodoxe ZudenLtzum. Herausgegeben von Dr. Lehmann tu Mainz. Donnerstag, den SS. Januar 5645 <1885). Leitender Artikel. Die Merßeißung an Aöraham und deren Erfüllung. ii. Mainz, 19. Januar. Solch ein Mann war Rabbi Jehuda, der Fürst, der Heilige. Gott hatte ihm große Schätze verliehen. Zu seinen intimsten Freunden und Verehrern gehörte der Beherrscher des römischen Weltreichs, der römische Kaiser Antonin, der es sich angelegen sein ließ, die Schätze des Freundes noch zu mehren. Unsere Weisen erzählen, daß das Einkommen des Stallmeisters Rabbi Jehuda's mehr betrug als die Einkünfte des Königs Sabor von Persien. So groß war der Besitzstand Rabbi Jehuda's. — Nach einer. schrecklichen Leidcnszeit trat unter seiner Leitung eine Periode der Ruhe und des Friedens für Israel ein. Diesen günstigen Zeitpunkt benützte der jüdische Fürst, um für die Gotteslehre unendlich Großes zu wirken und zu leisten. Er sammelte alle Gelehrten Israels um sich und bewirkte die Ordnung und -Feststellung der mündlichen Lehre. Er ward der Vater, der Freund, der Versorger der Armen und Bedrängten. In Jahren der Hnngcrsnoth öffnete er seine Speicher und vertheilte das Korn den Bedürftigen. Seine unablässige Fürsorge jedoch war der Gotteslehre gewidmet. Er selbst lernte und lehrte unaufhörlich. Er wurde ein zweiter Moses, zugleich Beherrscher und Lehrer seines Volkes “in« rrtrui min, und als er starb, durfte er sich rühmen, daß er von allen Rcichthümern nur ganz wenig für sich verwendet, habe, daß er sie vielmehr verbraucht zum Nutzen seines Volkes, im Dienste der Gotteslehre, zur Verbreitung der Thorakenntuiß. Solch ein Mann war Rabbenu Samuel Hannagid. Er war in seiner Jugend arm gewesen und hatte sich als Schreiber ernährt, indem er für die des Schreibens Unkundigen Briefe schrieb. Einer dieser Briefe kam in die Hände des Großveziers, der, den Styl sowohl wie die Handschrift bewundernd, den jungen Schreiber als Privatsccretär in seinen Dienst nahm. Hier leistete er durch seinen weisen Rath und durch seine große Umsicht so erhebliche Dienste, daß der Großvezier vor seinem Tode ihn als Nachfolger dem Kalifen empfahl. So gelangte Rabbi Samuel zu der einflußreichsten Stelle ini Staate. Seinem Rathe verdankte der Kalif die größten Erfolge im Kriege wie im Frieden. Und der dankbare König überhäufte ihn niit Neichthümcrn. Rabbi Samuel aber blieb der einfache Mann, der sich nicht mehr Genüsse gönnte, als zu jener Zeit, da er noch als öffentlicher Schreiber in seiner Bude ans dem Markte sein kärgliches Brod sich erwarb. Seine großen Reichthümer verwendete er im Dienste seiner Mitmenschen. Er sammelte einen Kreis von Gelehrten um sich, unterstützte und ernährte sie und ihre Familien. Talmudistcn, Grammatiker, Dichter durften sich, durch seine Fürsorge ihren Unterhalt findend, ungestört der jüdischen Wissenschaft und der Dichtkunst widmen. Auf seine Kosten errichtete er Synagogen und Lehrhänser und bestritt die Bedürfnisse der Lehrenden wie der Lernenden. — Zu jener Zeit, da die Buchdrnckerkunst noch nicht erfunden war, mußten alle Bücher mühsam geschrieben werden, wodurch dieselben natürlich sehr selten waren und nur um schweres Geld beschafft werden konnten. Rabbi Samuel nahm eine Anzahl Schreiber in seinen Dienst, lies; eine Menge der heiligen Bücher der Bibel, des Talmuds und der Eommentare abschreiben und vertheilte sie an die Gelehrten und an die studirende Jugend. Mit ihm begann die Blüthe der spanischen Akt, die der