Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1885)
- Date
- 1885-01-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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78 welche die christlichen Grundbesitzer all den Bettelstab bringt. Der Präsident ermahnt den Redner, bei der Sache zu bleiben. Nacz sagt: Abstoßende orientalische Gestalten drängen uns aus dem Lande. (Rufe: Das ist eine persönliche Beleidigung.) Der Präsident ertheilt Nacz eine Rüge. — Wahrmann: Ich habe in der letzteren Zeit nur selten das Wort ergriffen, weil ich die Ansicht des Grafen Keglevich theile, daß, seitdem die Opposition nüt solchen Waffen kämpft, jeder Mann von vornehmer Denkart sich den Debatten möglichst fernhalten muß. (Zustimmung rechts.) Graf Keglevich ist angegriffen, worden, als er objektiv zur Sache sprach, was soll ich aber sagen, der-ich angegriffen wurde, ohne überhaupt gesprochen zu habenV (Beifall rechts.) Was Racz aus meiner Leopoldstüdter Rede citirt, das habe ich gar nicht gesagt, wenn er aber Anstoß daran nimmt, daß ich auf dem Refcrentensitze Platz nehme, so muß ich ihn darauf aufmerksam machen, daß ich seit sechzehn Jahren Mitglied des Hauses bin, daß ich Dank des Vertrauens der Majorität seit sechzehn Jahren Mitglied des Finanz-Ausschusses bin und im Ralnen des Finanz-Ausschusses dieses Budget vertrete und daß ich auf diesem Platze insolange verharren werde, als ich durch das Vertrauen der Majorität auf denselben werde berufen werden. Die Rechte nahm Wahrmann's Erklärungen mit demonstrativen (Ajen-Rufen auf. Pesth, 14. Januar. Ter Antisemit Esatar, dessen Wahl annullirt worden, ist in der heutigen Neuwahl dem Negierungsmannc Ezivak unterlegen. Pefth, 15. Januar. Die beiden Söhne Wahrmann's (beide Militärs) haben heilte den Antisemiten Racz wegen der von demselben ihrem Vater in der Reichstagssitzung zugefügten persönlichen Beleidigung zum Duell gefordert. — Der Kardinal Erzbischof Haynald hat an die Kalocsar Tiöcese einen energischen Hirtenbrief gegen den Antisemitismus erlassen, in welchem er den Anschluß von Geistlichen an die Antisemiten mit Quiescirung bedroht. Triefch, 25. Januar. Am vergangenen Sabbat hielt Hierselbst Herr D r. Josef R o s e n f e l d, Schüler des Rabbiner-Seminars zn Berlin, eine Probepredigt. Dieselbe erzielte einen so bedeutenden Erfolg, daß Herr Dr. Rosenfeld Tags darauf einstimmig zum Rabbiner in unserer Gemeinde gewählt wurde. Kntty. (Galizien.) Auf Ansuchen des hies. israel. Eultusvorstandes Herrn Moses Sender bewilligte Se. Majestät die Summe von 200 Gulden öst. als Beitrag zur Erbauung einer Synagoge. Der Kourier. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser von »Gabriel.") (Fortsetzung.) „Ihr kennt euch denken, meine Lieben," fuhr David fort, „daß ich, trotzdem ich zu Tod ermattet war und jeden Augenblick int Sattel umzusinken drohte, doch alle meine Kräfte aufbot, sobald als möglich in Laur einzutreffen. Ich legte den Weg in weniger als drei Stunden zurück. Es war halb acht, als ich vom Pfarrhause ab-, und es schlug auf der Laurer Thurmuhr viertel Elf, als ich schweißgebadet in das kleine Städtchen einritt. Der Nachtwächter begann eben seine Funktionen und an diesen wandte ich mich mit der rasch und laut hervorgesprudelten Frage, in welchem Hause sich seine Majestät der Kaiser befändet und sprengte, daß die Funken von den Straßcnfteinen stoben, dem mir bezeichneten Hanse zu, vor dem ein Diener in kaiserlicher Livrö stand, sprang vom Pferde, warf dem erstaunten Bedienten, der Wohl nicht gewohnt war, einem gewöhnlichen Tragonerwachtmeister Dienste zu erweisen, die Zügel zu, und trat in das Haus, das noch geöffnet war und gelangte über die hellerlcnchtete Stiege in das Vorzimmer, wo ich einen Kammerdiener fand. Mit möglichster Kürze, jedes überflüssige Wort, jede Titulatur vermeidend, sprach ich: „Ich bringe eine Depesche des Generalissimus!" „Ah, die wird stundenlang mit Spannung erwartet, nur weiter in das Zimmer Seiner Excelleuz des Herrn Generaladjutanten, Generalfeldzengmeister Baron Kutscher«. Ich wartete das Ende seiner Worte gar nicht ab und trat in das zweite Zimmer .... da dieses leer war, hielt ich es für das Gerathenste durch einige Schritte, die ich sporenklingend nach der Thüre des anstoßenden Gemaches machte, meine Anwesenheit bemerkbar zu machen .... Die Zimmerthüre öffnete sich sofort, Baron , Kutschern staud in derselben, „Depesche des Feld-