Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1885)
- Date
- 1885-01-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449509--21518-2511097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
77 hielten, sollte -en Kindern ein verschleiertes Bild bleiben, — „man merkt die Absicht und man wird verstimmt!" Zu unserem tiefsten Bedauern kam ein überaus wichtiger Punkt, der noch auf der Tagesordnung stand, nicht mehr zur Sprache: Der jüdische Religionsunterricht in den öffentlichen Lehranstalten. Wer da weiß, welche bodenlose Unwissenheit in der Geschichte u. s. w. unter den jüdischen Gymnasiasten und Realschülern herrscht, wer da weiß, daß bei jedem Abiturientenexamen in Berlin mit obligatorischer Regelmäßigkeit Fragen nach den Erzvätern, zehn Geboten u. s. w. verfehlt werdender kann nur bedauern, daß bisher kein einheitliches System über diesen Unterricht festgesetzt ist. Da muß die Feile angelegt werden, eine Versammlung, die über diesen einen Punkt zusammenberufen würde, könnte Ersprießliches leisten. So zeigt dieser Ueberblick, daß die Dclegirtenkonferenz deutscher Schulmänner, trotzdem sie in der Hauptsache mißglückt ist, doch indirekt uns manche beherzigenswerthe Winke an die Hand giebt. Und wenn die Konferenz weiter nichts als die Thatsache der Unmöglichkeit eines Normalplanes für den Religionsunterricht in einklassigen Volksschulen erzielt und klar gezeigt hätte, mit welchen Elementen man hier zu kämpfen habe, so hat auch schon damit die Berliner Schulmännerversammlung ihre Schuldigkeit vollauf gethan, und dann ist die Ausgabe der vielen Hundert Mark, welche der Deutsch-Israelitische Gemeindebund für Diäten, Reisekosten und Festessen geleistet hat, keine vergebliche gewesen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzeu. Deutschland. Berlin, 13. Januar. Aus dem Bureau des Deutsch - Israelitischen Gemcindebund es wird uns mitgetheilt, daß die Verwaltung der Friedrich-W i l h e l m - V i c t o r i a - S t i f t u n g aus ihrem liquiden Fonds eine bestimmte Summe ausgesetzt hat, welche zum Einkauf einer gewissen Anzahl von Eultusbeamten in eine der bestehenden jüdischen Provinzialhilfs kassen in der nächsten Zeit verwandt werden soll. Natürlich sollen in erster Linie Beamte aus Bundesgemeinden berücksichtigt werden. Wjr veröffentlichen dies im Interesse der Leser mit dem Bemerken, daß Meldungen baldigst an das Büreau des D. I. G. B., Berlin W., Sigismundstraße 5 zu richten sind. Sturz, n. Januar. Wie Danzigcr Blätter schreiben, ist die Mordthat in Sturz noch immer nicht aufgeklärt, trotzdem man in zwei Fällen des Mörders habhaft zu sein glaubte. Das gegen den verhafteten Schwager des Vaters des unglücklichen Knaben Honorins Eybnla gesammelte Material soll sich als so hinfällig erweisen, daß gegen denselben eine Anklage gar nicht erhoben werden kann. Es soll deßhalb zur Aufklärung der grausen That auf's Neue ein Kriminalbeamter hicrhergesandt werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die im April v. I. bei Oskar Frank erschienene Schrift: „Sollen die Juden Ehristen werden?" von Isidor Singer ist von der Wiener Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegt worden. Wien. In der am 4. d. stattgehabten öffentlichen Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemciude fand die Konstituirung der Sektionen und die Wahl des Präses statt, bei welch' letzerer sich alle Stimmen auf Herrn Pollak v. Borkcuau vereinigten. Zum Schluffe der Sitzung dankte Herr Pollak v. Borkcnau für die neuerdings erfolgte Wahl mib gab die Erklärung ab, daß er die Absicht hege, seine sämmtlichen Ehrenstellen niederzulegen und seine Thätigkeit nur auf die Leitung der israelitischen Kultusgemeinde zu beschränken. Pesth, 13. Januar. Bei der heutigen Berathung des Ackerbanbndgcts erörterten alle Redner die Nothwendigkeit einer gründlichen Reform der ungarischen Volkswirthschaft. Abg. Banßner plaidirte für die Idee eines Mitteleuropäischen Zollbundes und die Einberufung eines WirthschaftSkongresses von den Vertretern der Regierungen und der Parlamente. Die maßlos aggressive Rede des Antisemiten Racz gegen das mobile Kapital und das Jndenthum und gegen den Referenten des Budgets, Wahrmann, rief eine tnmultuöse Scene hervor, worauf Wahrmann in würdiger Weise replizirte. Pesth, 13. Januar. Im Abgeordnetcnhause kam es heute bei der Verhandlung des Budgets des Ackerbauministeriums zu einer turbulenten Scene. Antisemit Racz sagte: Bezeichnend für das System sei es, daß am Refercntentische Wahrmann sitze, der ein Vorkämpfer für Wucherfreiheit sei und vor seinen Lcopoldstädter Wählern erklärte, das Wuchergesetz sei ein Attentat gegen die Freiheit. Derselbe Wahrmann nimmt seit Jahren am Referentcntisch an der Durchführung einer Politik Theil,