Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1885)
- Date
- 1885-01-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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76 rcrlonferclizeu werde, und daß das Resultat derselben dem D. I. G. B. zur Zeit zngesaudt werde." Wir können uns mit dieser Resolution, d. h. mir der weiteren aufmerksamen Observirung der Normalplanfrage vollkommen einverstanden erklären, zumal anzunehmen ist, daß die Lehrerverbände der einzelnen Provinzen wenigstens in allgemeinen Grundzügen Bestimmungen für den Religionsunterricht festgesetzt haben. Alle deutschen Lehrer werden die verschiedenen sechs Normalpläne iu Broschürenform zugefandt erhalten; falls sie cs überhaupt für angebracht halten sich einen derselben zum Muster zu nehmen, können wir ihnen nur dringend rathen, sich des B r e s l a u e r Planes, oder des sogenannten R efcrentenplan cs in seiner ursprünglichen, nicht in seiner zurechtconstruirten und beschlossenen Fassung zu bedienen, sich aber durch die übrigen Pläne nicht den Kopf zu verdrehen und auf keinen Fall dem Berliner Normalplan zu folgen. Im Uebrigen wird es, wie bisher, Sache des einzelnen Lehrers sein, nach bestem Wissen und Gewissen die Jugend an die unverfälschten Quellen unseres Glaubens zu führen und sie mit Verehrung und Begeisterung für die heiligen Lehren der Religion zu erfüllen. Trotz des unbestreitbaren Mißerfolges nun, mit dem die Delegirtenkonferenz deutscher Schulmänner geendet, hat dieselbe gleichwohl nach verschiedenen Seiten hin günstige Resultate geliefert und nicht unwesentlich zur Klärung der Verhältnisse bcigctragcn. Zunächst ist eine officielle Erklärung über die Stellung des Dcutsch-JsraclitischenGcmeindeüundcs zu den verschiedenen religiösen Richtungen innerhalb des Judcnthums zu verzeichnen. Vor dem Beginne der Verhandlungen erklärt der Vorsitzende des D. I. G. B., Herr Dr.Kristellcr: „Der D. I. G. B. vertritt keine Partei, sein Bestreben ist es vielmehr, die ganze Judenheit Deutschlands zu umfassen. Da er nun, weder rechts noch links stehend, keine Sonderintcressen zu vertreten hat, so lehnt er tm Vornhinein jede Verantwortung für die Beschlüsse der Versauunlung ab." Wir begrüßen die Erklärung mit freudiger Genngthuung. Der Tentsch- Jsr.-Gemeindebund mag versichert sein: ebenso wie er mit irgend welcher religiösen Stellungnahme seine Existenzberechtigung cinbüßt, wird er andererseits einer segensreichen Zukunft entgcgcugehen, wenn er allein bemüht ist, eine Ecntralbehördc für die Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung zu sein und dem Versuche fcrnbleibt, einer Partei zu dienen und auf das religiöse Gebiet hinüberzugreifen. Noch ein anderes, bedeutsames Moment trat kn den Verhandlungen der Delegirtenkonferenz hervor: Die Vertreter des Berliner Normalplanes, welche durchweg der äußersten Reform angehören, haben es für gut befunden, wieder einmal ihre Karten aufzudecken und ihre Trümpfe anszuspielen. Der stürmische Protest gegen ihre Ausführungen bewies zur Genüge, daß diese Herren in nicht allzulangcr Zeit überhaupt ausgespielt haben dürften. Die Referenten hatten beantragt, in der Unterstufe der Volksschule alljährlich 250 Verse durchzunehmen und solche Stellen im Pentateuch zu berücksichtigen, welche für die Religionslehre wichtig sind. Unter diesen Stellen befinden sich auch einige Verse, welche von den Opfern handeln. Entrüstet springt einer der Berliner Delegirten auf und erklärt die Opfergebete für „tobt und abgestorben." Hätte dieser Herr nur sagen wollen, daß bei der knappen Zeit Stücke durchgenommen würden, welche ein aktuelleres Interesse haben, dann ließe sich über die Ansicht streiten, aber das wollte er gar nicht, dem Principe sollte eben Ausdruck gegeben werden, daß ein Theil der heiligen Schrift todt, abgestorben wäre und sich begraben lassen könnte. Kaum, daß sich dieser Herr gesetzt hatte, sichtlich überrascht von dem stürmischen Lärm, welchen seine pietätlose Behandlung des göttlichen Wortes hervorgerufen, steht ein anderer Berliner Vertreter auf, der wenige Minuten vorher gewünscht, daß alle jüdischen Kinder so warme und gute Juden werden mögen, wie er es sei, und sekundirt seinem Freunde, indem er sich auf eine mißverstandene Stelle im Jeremias beruft. Mögen doch diese Herren nach ihrer Fa^on selig werden, mögen sie thnn und lassen, was sie vor Gott und ihrem Gewissen verantworten können: aber die Opfer für abgestorben erklären, den Messias als Phantasiegcbilde hinstellen, die Offenbarung leugnen nnd dann sich „warme und gute Juden" nennen, das ist denn doch zu unlogisch und lächerlich. Was die vielbesprochene Durchnahme von Stellen, wie Z2 "6m inm anbetrifft, so glauben wir, daß diese Frage eine rein pädagogische sei und dem Ermessen eines einzelnen Lehrers überlassen bleiben solle. Zwar ist uns unseres Erachtens die Durchnahme solcher Stellen bei zwölfjährigen Knaben weit verfänglicher, als bei 6—8 jährigen Kindern, doch kann ja der Lehrer nach Belieben diese vereinzelten Verse, welche, wie ebenfalls ein Berliner Vertreter im Brusttöne der Entrüstung rief, „gegen die Sittlichkeit anstehen," überspringen. Der Berliner Normalplan aber bezweckte etwas ganz anderes. Seine bibelkritischen Verfasser hatten mit Ausnahme von Deutoronomium systematisch alle Capitel zerstückelt, und was diese Herren frei nach Knobel, Ewald, Dillmann u. s. w., nicht für echt