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Der Israelit · 1885-01-19 · Heft 5 (19.1.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 5 (19.1.1885)
Date
1885-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Opfer darzubringen, läßt Abraham keinen Einwand laut werden. Und dieser Fromme sollte sich beklagen, wenn seine Nachkommen ohne silberne und goldne Gesäße ans Aegypten ziehen würden? Wir wollen cs versuchen, den räthselhaften Ausspruch unserer Weisen, der jedoch in dem Wörtchen n: der heiligen Schrift seine wahlberechtigte Begründung findet, zu erklären. Die größte Versuchung, welcher der Mensch ausgesetzt ist, besteht in dem Reichthum und dem dadurch ermöglichten, unbeschränkten Lebensgenuß. So heißt es auch in der heiligen Schrift: (5. B. M., E. 8, V. 11—14). „Hüte Dich, daß Du nicht vergessest den Ewigen, Deinen Gott, so daß Du nicht haltest seine Gebote und seine Borschristen und seine Satzungen, die ich Dir heute gebiete. Daß nicht — wenn Du issest und satt wirft, und schöne Häuser bauest und bewohnst, und Deine Rinder und Deine Schafe sich mehren und Silber und Gold sich Dir mehrt, und alles was Dein, sich mehrt, Tein Herz sich erhebe, und Tu vergessest den Ewigen, Deinen Gott, der Dich aus dem Lande Mkzrajim geführt, aus dem Hause der Knechte." Der Reichthum ist es, durch den das Herz des Menschen sich überhcbt, und der mehr als alles Andere dazu führt, Gott zu vergessen und Seine heiligen Gebote zu übertreten. Diese Erfahrung hat sich leider nur zu oft in der Geschichte unseres Volkes bewährt. Auch in unserem Jahrhundert waren es zunächst die Vornehmen und Reichen, die von Gott abgefallen, die vergessen haben die Beobachtung der Sabbate und Feiertage, der Speisenud Reiuhektsgesetze. — In einem Falle jedoch ist der Reichthum ungefährlich und in einem zweiten wirkt er minder berückend. Ungefährlich, ja gut und wohlthätig ist der Reichthum in der Hand des Mannes, der ihn nicht zu eigenem Genüsse verwendet, sondern bestrebt ist, durch denselben der Roth und dem Elende seiner Mitmenschen abznhelfen, Wohlthätigkeitsaustalten zu gründen und Stätten, an welchen Gelegenheit geboten wird, in der Lehre unseres Gottes zu forschen und die Heranwachsende Jugend darin zu erziehen. Solch ein Mann war König Chiskijahn. Ihm hatte Gott des Reichthums nnenblid;er Fülle beschicken durch den mühelosen Sieg, den er über Sanherib, den Beherrscher des assyrischen Weltreichs, davon getragen. Viele Völker hatte Sanherib besiegt und deren Schätze zusammengetragen. Das Alles war dem Könige Ehiskijahn zu Theil geworden, als Gott in einer Nacht das Heer derAssyrer vernichtete, nud Inda das reiche Lager erbeuten durfte. Von all diesen Neichthümern wollte Ehiskijahn nichts genießen; er aß nicht einmal Fleischspeisen, und die Fische blieben seiner Tafel fern. Er nährte sich nur von Gemüse, das auf dem Felde wächst. So einfach und genügsam wie im Essen war er in allen Dingen. Dagegen erschien ihm kein Opfer zu groß, um die Thorakenntniß in Israel zu verbreiten. Er selbst lernte nud lehrte unablässig. In jeder Stadt, in jedem Städtchen, in jedem Torfe errichtete er Lehrhäuser und Schulen, so daß auf seine Zeit der Ausspruch des Propheten angewandt werden konnte: „Denn alle Deine Kinder sind Gelehrte des Herrn, und die Fülle des Friedens beglückt Deine Kinder." So groß ist der Segen des Reichthums, wenn er angewendet ivkrd als richtiges Mittel zu heiligem Zwecke. (Schluß folgt.) KnMingsgmß im Winter. Prag, Ende Tebeth. In der Monde rollendem Kreislauf naht jetzt der Schewat. Keines der wichtigen und bedeutungsvollen Ereignisse unserer inhaltsreichen Geschichte fällt in denselben, und doch ist er geeignet zur Betrachtung aufzufordern, zu einer Betrachtung eigener Art, zur Frühlingsbetrachtung im Winter, Winterszeit ist, wenn der Schewat seinen Einzug hält. Ein weißes Leichentuch bedeckt die Erdoberfläche, die Natur feiert in tiefer Pause, alles Leben und Streben erscheint wie ausgestorbcn, entblößt von allem Schmuck sind Feld und Flur und entblättert, gesenkten Hauptes stehen die Bäume. Alles predigt in eindringlicher Sprache die ernste Mahnung, daß der Mensch ist wie der Baum des Feldes, wie die Blume, die hinwelkt und hinstirbt, wenn der Winter des Lebens kommt. Allein nur dem oberflächlichen Betrachter erscheint die Natur wie ansgestorben, der denkende Mensch weiß, daß im Inneren der Erde sich neue Säfte und Kräfte sammeln, daß es nicht lange dauert und neue Blüthen sprießen empor, daß die Natur ihre eisigen Fesseln sprengen wird, um sich aus der rauhe» Umarmung des Winters loszureißen. Dann wird die Erde wieder im neuen Schmucke prangen, neues Leben wird sich regen und frisches Grün Äug' und Herz erfreuen. Und diese Hoffnung kündigt unser Monat an. In demselben feiern wir den Jahresanfang im Leben der Natur. p'*o m 222*2 rc der 15. Tag im Schewat kündigt das leise Wehen des erwachenden Lenzes an, das geheimnißvolle Weben in der großen Werkstatt der Natur und das neue Leben im Adergcflecht der frostgekräftigten Bäume. Der 15. Schewat bringt uns den ersten

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